Es bleibt so gut für diese Periode, wie für unsere Zeit anzunehmen, dass zwei Künstler bei der Arbeit zusammenwirkten: der eigentlich Erfindende, der die Komposition entwarf und aufs Holz zeichnete (riss) — eine Arbeit, die aber in manchen Fällen auch von einem zweiten Künstler besorgt wurde —, und der Holzschneider, der selbst und durch seine Gehülfen den Schnitt ausführte.
Das Monogramm Holbeins oder Dürers auf einem Holzschnitt beweist ebensowenig, dass er den Schnitt ausgeführt hat, als heutzutage das Horace Vernets oder Adolph Menzels uns glauben lässt, dass diese in Holz geschnitten haben. Dass der Holzschneider nicht seinen Namen beigefügt hat, liegt einfach darin, dass er damals noch nicht den Anspruch machte, als selbständiger Künstler zu gelten. Die Aufgabe des Holzschneiders war nur, die Zeichnung auf das genaueste wiederzugeben; je sklavischer er hierin arbeitete, je weniger er Anspruch auf Selbständigkeit machte, ein um so besserer Holzschneider war er. Abgesehen von den eigenen Äusserungen Dürers, woraus hervorgeht, dass er sich wenigstens hauptsächlich nur mit der Zeichnung beschäftigt hat, beweist die grosse Zahl von Holzschnitten von ihm, sowie die Verschiedenheit in der Ausführung, dass sie nicht Arbeiten eines einzigen Mannes sein können; und so wird es wohl auch mit den Arbeiten mancher anderer Künstler der Fall sein.
Die Drucker-
zeichen.
Über eine besondere Art der Illustration, welche sowohl in Deutschland, wie in anderen Ländern allgemein üblich wurde, die „Druckerzeichen“[9] mögen hier einige Worte Platz finden.
Schon in der frühesten Periode machten die Buchdrucker Gebrauch von Wappenschildern, Sinnbildern und Wahlsprüchen, die so zu sagen die Stelle eines Fabrikzeichens einnahmen und sowohl ein Ursprungs-Zeugnis als auch ein Eigentumszeichen bildeten. Bereits Fust und Schöffer bedienten sich eines solchen; dass jedoch der zweite Zweck des Druckerzeichens nicht immer erfüllt wurde, beweisen schon die Klagen des Aldus, dass die Nachdrucker in Lyon nicht allein seine Bücher nachdruckten, sondern auch sein Zeichen, den weltberühmten Anker von einem Delphin umschlungen, nachmachten, so dass jedermann glauben müsse, er sende solche fehlerhafte Drucke in die Welt.
Mit dem zunehmenden Geschmack an Verzierungen wurde immer mehr Phantasie und Geschick auf Erfindung und Ausführung der Druckerzeichen verwendet. Die Familie der Elzevire wählte den vieltragenden Ölbaum, welchen die griechische Mythe als das segensreiche Geschenk der weisen Göttin Minerva an die Menschheit bezeichnete. Die Stephane nahmen ebenfalls einen Baum, welchem der fromme und gelehrte Heinrich Stephanus eine Apostelfigur beigab, die mit einem Fingerzeig auf die herabgefallenen gebrochenen Zweige und auf den Ausspruch des Apostel Paulus: Noli altum sapere, sed time (Strebe nicht zu hoch, sondern sei besorgt) warnend hinweist.
Die Drucker-
zeichen.
Plantin kennzeichnete den Geist, der seine Arbeiten leitete, durch eine Hand und einen Zirkel mit dem Motto Labore et constantia (durch Arbeit und Beständigkeit). Froben führte einen, von Schlangen umwundenen Stab, auf welchem eine Taube sitzt, was Erasmus zu dem Ausspruch veranlasste, dass der gelehrte Drucker in Wahrheit die Schlangenklugheit mit der Taubeneinfalt vereinige. Die Familie Marnef wählte den Pelikan, wie er sich die Brust zerfleischt, um seine Jungen zu nähren.
Künstlerisch ist das Zeichen des Oporin: der auf dem schwimmenden Delphin sich wiegende Arion, der von den Winden getragen zu werden scheint, ebenfalls bemerkenswert der Saturn des Colinäus, sowie das schöne Sinnbild der Gioleti mit dem grossen, keck in die Sonne schauenden Adler und dem Motto semper eadem. Voller Kraft und Grazie ist auch der Greif der Familie Gryphius und der prächtige Pegasus, auf dem die Wechel ihrem Ruhme entgegeneilten. Würdig obigen beigesellt zu werden ist das merkwürdige Symbol des Hieron. Scott: eine weibliche Figur auf einer Erdkugel, welche dem leisesten Druck der Zügel zu gehorchen scheint, die sie in ihrer Hand hält. Prosaischer war die Herleitung des Druckerzeichens von dem Zeichen des Wohnhauses wo gedruckt wurde.