DER Ruhm, die Arbeiten der in dem vorigen Kapitel erwähnten Künstler durch den Druck verbreitet zu haben, gehört vor allen Nürnberg, dann Augsburg, Frankfurt am Main, Strassburg, Basel; doch auch manche Druckstädte des Auslandes, besonders Lyon, trugen dazu bei, den Ruhm deutscher Künstler im Ausland weiter zu verbreiten.
Nürnberg.
Dass NÜRNBERGS Pressen den grössten Anteil an den von Maximilian I. veranlassten Werken haben mussten, geht als natürliche Folge aus dem oben mitgeteilten hervor. Typographisch das interessanteste Druckerzeugnis bleibt: „Die Geheuerlichkeiten und eins teils der geschichten des löblichen streytparen und hochberühmten Helds und Ritters Tewrdanckhs“. Der Text ist eine recht schale Poesie des Probstes Melchior Pfinzing zu St. Sebald in Nürnberg, und, wie alle durch Maximilian hervorgerufenen Werke, auf dessen alleinige Verherrlichung abgesehen. Das Buch schildert allegorisch alle die Abenteuer, die er zu bestehen hatte, bis er in den Besitz der Herzogin Maria von Burgund gelangte, und ist hauptsächlich nur seiner artistisch-typographischen Ausstattung wegen berühmt geworden.
Aus der Korrespondenz des Kaisers mit seinem Sekretär Peutinger geht hervor, wie lebhaft er sich für diese Arbeit interessierte. Er war eifersüchtig, wenn er glaubte, ein Künstler stelle seine Aufträge gegen die anderer zurück, und besuchte öfters das Holzschneide-Atelier des Hieronymus Resch, um sich von dem Vorwärtsschreiten des Werkes zu überzeugen. Aber das Bezahlen war, wie schon erwähnt wurde, nicht seine starke Seite. Die Zeichnungen lieferten Schaeuffelein und andere angesehene Künstler.[1]
Theuerdank-
Type.
Die „Theuerdanktype“ ist eine ganz eigentümliche und kann als ein Wendepunkt in der deutschen Schriftschneiderei betrachtet werden, indem von nun an die gothische Schrift verlassen und die jetzt gebräuchliche Fraktur ausgebildet wurde. Die Zeichnung zu der Schrift besorgte der Hofsekretär des Kaisers Maximilian, Vincenz Röckner, und soll er dazu ein, von dem bekannten Schriftzeichner Joh. Neudörffer hinterlassenes Manuskript benutzt haben. Wer die Stempel schnitt, lässt sich nicht bestimmt nachweisen, wahrscheinlich war es Hieronymus Andrae, nach damaliger Sitte Hieronymus „Formenschneider“ genannt. Es ist um so eher anzunehmen, dass Andrae die Schrift schnitt, als er sie später in verschiedenen Grössen ausführte und sie zugleich in der von ihm eingerichteten Buchdruckerei benutzte, in welcher auch die Bücher Dürers gedruckt wurden.
Man hat lange darüber gestritten, ob nicht der Theuerdank von Holztafeln gedruckt sei, jedoch einen unscheinbaren, aber sicheren Gegenbeweis gefunden, indem in der ersten Ausgabe von 1517, unter dem vierundachtzigsten Bilde, in der Unterschrift ein umgekehrtes i vorkommt, ein Beleg, dass auch ein Satzfehler von Wert sein kann. Die verschiedenen Formen der Versalbuchstaben, sowie die in Holz geschnittenen angesetzten Züge und vielen Zieraten konnten freilich leicht zu der Annahme führen, dass auch die eigentümliche Schrift Holzschnitt sei. Diese Annahme konnte noch durch die Menge der verschiedenartigsten Ligaturen bestätigt werden; mit solchen war man jedoch damals äusserst freigebig. Die Theuerdankstype, ohne die Zieraten, behielt bis in das xvii. Jahrhundert ihre Geltung, sowohl in Deutschland, wie in Holland, und alle andere deutsche Schriften bildeten sich nach derselben.