Die Koberger.

Antonius Kobergers Wirksamkeit lernten wir schon früher kennen. Die Bedeutung des Geschäftes hörte mit seinem Tode (1513) nicht auf. Der Sohn Ant. Koberger war damals minderjährig. Der eigentliche Chef des Hauses scheint Johannes Koberger, entweder ein Sohn des älteren Antonius aus erster Ehe oder ein Neffe desselben, gewesen zu sein; das Verhältnis ist jedoch nicht ganz klar. Johannes war ein Mann von grosser Thatkraft und das Geschäft befand sich 1532 in einem blühenden Zustand; seit dieser Zeit hört man jedoch von demselben nichts mehr. Antonius starb im J. 1540; Johannes 1543.

Durch die grosse Korrektheit seiner Ausgaben zeichnete sich Johann Petreijus aus. Das bis in die neueste Zeit bestehende Endtersche Geschäft wurde 1604 gegründet. Aus diesem stammt auch das erste deutsche typographische Handbuch (1721).

Schriftgiesserei
in Nürnberg.

Eine grosse Bedeutung hat Nürnberg für die Schriftgiesserei. Unter den Schreibmeistern (Modisten), welche die deutsche, besonders die Kanzlei- und die Fraktur-Schrift, zu Ehren brachten, war Paul Fischer bedeutend. Sein Schüler Johann Neudörffer d. ä. war der erste, der die deutsche Schrift in die später allgemeine Form brachte. In den Jahren 1538, 1544 und 1549 gab er seine Anweisungen heraus. Neudörffer starb 1581. Einen guten Ruf erwarb sich Pancratius Lobinger, dessen Schriften noch um die Mitte des xviii. Jahrhunderts beliebt waren[2].

Augsburg.
Hans Schöns-
perger d. ä.

AUGSBURG zählte den Drucker des Theuerdanks zu seinen Bürgern. Es war Hans Schönsperger der ältere, der von 1481 bis 1523 eine Reihe ausgezeichneter Druckwerke lieferte. Er stellte jedoch die erste Auflage nicht in Augsburg her, sondern wurde nach Nürnberg berufen, um das Werk dort unter den Augen des Verfassers auszuführen. Die zweite Auflage schreibt sich jedoch aus Augsburg. Von Schönspergers sonstigen Druckwerken war das Regimen sanitatis das erste, das „Neue Testament“ das letzte. Von seinem gerühmten Verfahren, Gold- und Silberdruck auszuführen, wissen wir nichts näheres.

Andere Augs-
burger Drucker.

Von bedeutenden Augsburger Druckern sind noch zu nennen: Erhard Oeglin (Ocellus), der zuerst in Deutschland hebräische, und Hans Müller, welcher zuerst griechische Bücher lieferte. Hans Froschauer brachte ein Werk mit musikalischen Noten, die jedoch nicht Typen, sondern Holzschnitte sind: Lilium musicae planae. Auch Privatpersonen übten die Kunst, z. B. der gelehrte Arzt Sigmund Grimm und der reiche Kaufmann Marx Würsing; ja man lernt selbst eine Art Aktien-Buchdruckerei kennen, die, nach ihrem Signet sogenannte: Ad insigne Pinus, mit welcher eine Schriftgiesserei verbunden war. Aus dieser Offizin ging eine Reihe von guten Ausgaben der römischen und griechischen Klassiker hervor. Als Schriftgiesser war Johann Rainmann berühmt, man hat sogar behauptet, dass Aldus Manutius seine ersten Typen von ihm bezogen habe.

Für den Buchhandel behielt Augsburg lange seine Bedeutung. Hier erschien auch 1564 der erste Messkatalog.