Frankfurt a. M.
FRANKFURT A. M., die bedeutende Handels- und Kulturstadt, bekam, wenn man von einem zweifelhaften Hanns Petersheim absieht, erst 1531 eine Buchdruckerei durch Christian Egenolff[3] aus Hadamar im Westerwalde (geb. am 26. Juli 1502). Er war ein feingebildeter Mann, der in lebhafter Korrespondenz mit Melanchthon und anderen Gelehrten stand. Seine Drucke (1531 bis 1555), namentlich die lateinischen Ausgaben und seine deutsche Bibel, sind sehr sorgfältig ausgeführt. Auch seine Schriftgiesserei war berühmt, und er lieferte Schriften für einen grossen Teil der deutschen Offizinen, wie überhaupt die Schriftgiesserei und die Stempelschneiderei damals und bis auf den heutigen Tag in Frankfurt blühten. Von seinem Schwiegersohne Sabon stammt der, dessen Namen tragende Schriftkegel.
Sigism. Feyer-
abend.
Als berühmter Buchdrucker, Holzschneider und Buchhändler glänzt Sigismund Feyerabend (geb. um 1527; gest. um 1590). Er entwickelte eine grossartige Thätigkeit, besonders in der Herausgabe illustrierter Werke, wobei er namentlich von den Künstlern Virgil Solis und Jost Amann unterstützt wurde. Manche seiner grossen Verlagsunternehmungen setzte er in Gemeinschaft mit Simon Hütter, Johann Feyerabend, Weigand Hahn und Georg Rabe ins Werk. Die Holzschnitte fertigte er zum Teil selbst. Als Korrektor und litterarischer Berater stand ihm Franz Modius zur Seite, wofür dieser einen Jahresgehalt von 200 Kronenthalern bezog. Feyerabend und seine gleichnamigen Verwandten druckten wenigstens sieben Ausgaben der Bibel und fünf der biblischen Bilder in Folio, neun Ausgaben der Bibel in kleinerem Format; eine Passion; Cäsar, Livius, Josephus, Plutarch, alle in Folio; Werke über Krieg, Sport, Ackerbau; Chroniken; Kochbücher, sämtlich mit zahlreichen Holzschnitten.
Die Merian.
Eine grosse Einwirkung auf die Frankfurter Bücherproduktion übten die Merian, Vater und Sohn. Matthias Merian der Vater (geb. 1593 zu Basel, gest. 1651 zu Schwalbach), genoss schon im 20. Jahr den Ruf eines tüchtigen Kupferstechers. Er wirkte einige Zeit in Frankfurt bei seinem Schwiegervater, dem Kupferstecher und Buchhändler Theod. de Bry, und ging dann nach Basel, wo er zuerst einzelne Stadtpläne herausgab. Auf den Wunsch de Brys kehrte er 1623 nach Frankfurt zurück, wo er sich als Künstler und Buchhändler den besten Ruf erwarb und eine ganz enorme Thätigkeit entwickelte. Sein Sohn Matthias Merian d. j. (geb. 1621 zu Basel, gest. 1687) war fast noch berühmter als sein Vater und setzte die Unternehmungen desselben fort, wobei sein Schwager Thomas Götz und sein Bruder Kaspar ihn unterstützten[4].
And. Wechel.
Einen ausserordentlichen Ruf erwarb sich Andreas Wechel, Sohn des berühmten Pariser Buchdruckers Christ. Wechel. Wie der Vater zeichnete sich auch der Sohn durch die Sorgfalt für die Korrektheit seiner Druckwerke aus. Die Druckerei wurde nach Wechels Tod unter Beibehaltung der Firma von Wechels Schwiegersöhnen Claude Morny und Jean Aubry im gleichen Geiste fortgesetzt.
Joh. Andreae.