Die von Johann Andreae 1667 gegründete Buchdruckerei und Schriftgiesserei nimmt bis auf die neueste Zeit eine höchst ehrenvolle Stelle ein.

Weder Mainz, noch Köln, die in der ersten Zeit eine so hervorragende Rolle spielten, behaupteten in dieser späteren Periode ihren früheren Rang.

Mainz.


In MAINZ ging, wie bereits erwähnt, die neue Gutenbergische Buchdruckerei 1508 auf Friedrich Hewmann aus Nürnberg über. Schöffer hatte zwei Söhne, Johann und Peter. Peter Schöffer der jüngere[5] druckte von 1513-1520 nur vier kleinere Schriften, sodass fast anzunehmen ist, er habe in Mainz keine Druckerei selbst besessen und die wenigen Schriften in der Offizin seines Bruders gedruckt. Seine Verhältnisse scheinen nicht gut gewesen zu sein. 1518 soll er nach Worms gezogen sein, wahrscheinlich ist es jedoch erst im Jahre 1528 gewesen. Dort druckte er bis 1529, dann in Strassburg, schliesslich von 1541-1542 in Venedig. Sein Todesjahr ist nicht bekannt, mutmaasslich liegt es nicht weit von 1542 ab. Sein Sohn Ivo blieb bei dem Onkel Johann in Mainz.

Johann Schöffer, der ältere Sohn Peters, ward einer der angesehensten Bürger von Mainz und hat während seines Wirkens (1502-1531) eine Menge tüchtiger Werke gedruckt, unter anderen eine Übersetzung des Livius mit Holzschnitten. In der Dedikation zu diesem Werk giebt er unumwunden Gutenberg die Ehre der Erfindung, während er bei anderen Gelegenheiten diese seinem Grossvater Fust zu vindizieren versucht hatte. In den Jahren 1519-1523 erschienen bei ihm mehrere Werke von Ulrich von Hutten und Erasmus. Er starb 1531 und hinterliess vier Töchter. In der Leitung des Geschäfts folgte ihm sein Neffe Ivo, der im Jahre 1552 kinderlos starb, gerade ein Jahrhundert, nachdem sein Grossvater mit Hand an das grosse Werk gelegt hatte. Die Druckerei ging in den Besitz von Balthasar Lips über, und wurde aus dem Hofe „Zum Humbrecht“ verlegt.

Johann Schöffer ii, der Sohn des obengenannten, etablierte sich später in Herzogenbusch, wo seine Nachkommen das Geschäft bis 1796 fortführten, zu welcher Zeit die Familie mit einem Jakob Schöffer ausstarb.

Tübingen.


Einen guten Namen hat sich TÜBINGEN, seit 1477 Universitätstadt, erworben. Eingeführt wurde die Kunst durch Johannes Ottmar 1498. Eine interessante Episode bildet um die Mitte des xvi. Jahrh. der slawische Bücherdruck in Tübingen und Urach[6]. Der Primus Truber, 1531 Domherr in Laibach, war der Lehre Luthers ergeben. Um drohenden Verfolgungen zu entgehen, griff er zur Flucht und erhielt eine Predigerstelle in Rotenburg a. d. Tauber, später in Kempten. Sein sehnlichster Wunsch war, seinen wendischen Landsleuten die Bibel in ihrer Sprache schaffen zu können. Nach vielen Schwierigkeiten brachte er einen Katechismus zustande, stiess aber auf Zensurhindernisse in Neuenburg und Schwäb. Hall und musste den Druck (1550) heimlich in Tübingen veranstalten. Auf Veranlassung des Bischofs Paulus Vergerius, welcher, der Religion wegen geflüchtet, sich in Graubündten aufhielt, übersetzte er das Evangelium Matthäi. Den Druck übernahm die Morhardsche Buchdruckerei in Tübingen auf Kosten des Herzogs Christoph von Württemberg. Später wurde jedoch eine Presse nach Reutlingen verlegt. Das erste Evangelium in wendischer Sprache erschien 1555; im Herbst 1557 war der ganze erste Teil des Neuen Testaments vollendet, 1560 der zweite.