Ein Hauptförderer des slawischen Drucks war Hans Ungnad, Freiherr von Sonnegg. Er schickte den Priester Stephan Consul, der schon Truber behülflich gewesen war, im Jahre 1560 nach Nürnberg, um bei dem Stempelschneider Joh. Hartwach und bei dem Schriftgiesser Simon Auer glagolitische Schriften (vgl. S. 76) nach seiner Anweisung fertigen zu lassen. Später liess er die beiden Genannten nach Urach, wo Truber Pastor geworden war, kommen (1561), um unter dessen und des nach Urach berufenen Anton Dolmatas Aufsicht cyrillische Schriften zu schneiden, überhaupt eine Druckerei einzurichten, die unter Steph. Consuls Leitung stehen sollte. Auch andere Gelehrte aus Serbien und Bosnien wurden berufen. Waren Typen für die slawischen Sprachen nicht in genügender Menge vorhanden, so wurde auch in italienischer Sprache gedruckt. Nach Ungnads Tod (1564) geriet die Druckerei ins Stocken, die Typen wanderten, nach der Schlacht bei Nördlingen von den Kaiserlichen gefunden, als Geschenk Kaiser Ferdinands iii. nach Rom in die Druckerei der Propaganda. Tübingen brachte auch 1522 den ersten hebräischen Druck, die durch Reuchlin herausgegebenen Buss-Psalmen.

Familie Cotta.

Hier stand auch die geschäftliche Wiege des weltberühmten Cottaschen Etablissements. Die Familie Cotta war eine der ältesten und reichsten Adelsfamilien der Lombardei und behauptet, ihre Ahnen bis in die römische Konsularzeit verfolgen zu können. Durch ihre Parteinahme gegen Franz Sforza ging sie ihrer Güter verlustig und wanderte nach Deutschland aus. Bonaventura Cotta, der Stammvater des im Buchhandel und Buchdruck berühmten Zweiges der Familie, liess sich in Sachsen nieder. Durch die Verhältnisse darauf angewiesen lernte Joh. Georg Cotta den Buchhandel bei Zimmermann in Wittenberg, ging 1640 nach Tübingen und erwarb durch Heirat das frühere Brunnsche Geschäft. Der Glanz des Hauses gehört der nächsten Periode.

Heidelberg.

Nach HEIDELBERG, das durch seine Bibliothek in Ruf stand, war der berühmte Hieronymus Commelinus (1587-1597) gekommen. Seine Ausgaben griechischer und römischer Schriftsteller, unter welchen Athanasius und Chrysostomus besonders geschätzt werden, sind so angesehen wie die Drucke der Stephane und der Aldi. Die Offizin wurde nach Commelinus' Tod von Judas Bonnutius fortgesetzt. In Heidelberg druckte auch Ernst Vögelin, der Leipzig auf Grund seiner krypto-calvinistischen Schriften hatte verlassen müssen. Das Vorzüglichste in Bezug auf typographische Ausstattung dürften wohl die römischen Geschichtschreiber von Haurisius sein.

Strassburg.

STRASSBURG zeichnet sich in zweifacher Beziehung aus, erstens durch eine grosse Zahl von bedeutenden illustrierten Werken, dann durch die lebhafte Beteiligung der Humanisten bei seiner litterarischen Produktion. Die Stadt hatte seit 1459 ihre Universität und das benachbarte Schlettstadt war der Sitz einer gelehrten Schule, wo der Humanismus besondere Pflege fand. Namentlich waren es Jakob Wimpfeling, Johann Geiler von Kaisersberg und vor allen Sebastian Brant, welche zum Schluss des xv. und zum Beginn des xvi. Jahrhunderts einen grossen Einfluss übten.

Joh. Grüninger.

Was die bildende Kunst betrifft, so besass Strassburg schon im xv. Jahrh. nicht allein den bedeutendsten Kupferstecher Martin Schongauer, sondern war auch im Holzschnitt sehr produktiv. Kein deutsches Buch damaliger Zeit hatte einen so durchgreifenden Erfolg gehabt wie Seb. Brants zuerst in Basel (vergl. S. 44) erschienenes „Narrenschiff“, zu welchem er, nach Behauptung Einiger, selbst Zeichnungen, sogar Holzschnitte geliefert haben soll. Wenn dies auch nicht der Fall gewesen wäre, so beweist wenigstens dieses Werk und die Beteiligung Brants bei verschiedenen der bedeutenden Unternehmungen des Johann Reinhard, genannt Grüninger (1483-1528), welch grosses Gewicht dieser merkwürdige Mann und Schriftsteller auf die Verbindung von Text und Illustration legte.

Die Hauptwerke Grüningers sind der „Horaz“ in 4°, aus d. J. 1489; der „Terenz“ in Folio, von 1496; besonders aber der „Virgil“ in Folio, von 1492, mit über 200 „sorgfältig ausgeführten, durch Seb. Brant beigefügten Figuren und Bildern“, von welchen etwa 40 die Grösse von zweidrittel, 170 von einer halben Folioseite haben. Einen sonderbaren Eindruck machen die Helden und Götter in dem Kostüm des xvi. Jahrh. Eine in Lyon gedruckte Ausgabe bringt, ohne Wissen Seb. Brants, ausser den Holzschnitten der Strassburger eine Anzahl von weniger zarter Natur, die er in der letzteren unterdrückt hatte. Es ist dieses Buch nächst dem Theuerdank eins der interessantesten illustrierten Werke des xvi. Jahrh. Kunstkenner haben behauptet, die Schnitte seien Metallhochschnitte, sie sind aber die Beweise dafür schuldig geblieben.