Ein Pole, Rafael Hofhalter (Skrzetuski), der sein Vaterland auf Grund religiöser Misshelligkeiten verlassen hatte, kam nach vielen Wanderungen nach Wien, wo er mit Kaspar Kraft, 1556, ein Privilegium für eine Buchdruckerei „mit schönen, zierlichen, auf die neue französische Art geschnittenen Buchstaben“ erhielt. Er lieferte sehr hübsche Ausgaben. Eine interessante Erscheinung ist das bei ihm (1561) erschienene „Thurnier Buch“ mit einem kunstreich geschnittenen Titel und Wappen in Holzschnitt, sowie mit sieben grossen und kostbaren Kupferstichen, von Hanns Lautensack gestochen. Im Jahre 1562 wanderte Hofhalter, ebenfalls wohl aus religiösen Gründen, nach Ungarn aus; 1565 druckte er in Debreczin calvinistische Schriften. Sein Sohn Rudolph betrieb die Buchdruckerei in Grosswardein und folgte später dem Ruf des Fürsten Johann nach Weissenburg in Siebenbürgen.

Die Jesuiten-
druckerei.

Ferdinand i. hatte 1551 die Jesuiten nach Wien berufen. Der Rektor Johann Victoria, ein geborener Spanier, kam auf den Gedanken, zum besten der Religion und armer Studenten durch milde Beiträge eine Druckerei anzulegen, die schon 1559 eröffnet wurde. Ein Hauptartikel war der, auf Befehl des Kaisers von dem bekannten Pater Canisius aus Nymwegen verfasste Katechismus, der in viele Sprachen übersetzt wurde und noch jetzt in österreichischen Volksschulen im Gebrauch ist. Die Druckerei hörte 1565, kurz nach dem Tode des kaiserlichen Beschützers der Jesuiten, auf, und wurde 1577 als „Zeug“ an den Generalvikar von Gran, Nikolaus Telegdi, verkauft, der damit eine Druckerei zu Tyrnau gründete.

Buchdruck im
xvi. u. xvii. Jahrh.

Die Buchdruckerkunst in Wien hatte, namentlich durch Fremde gepflegt, im xvi. Jahrh. im ganzen genommen auf einer hohen Stufe gestanden. Dasselbe war mit der Xylographie der Fall. Unter den Verlegern, die eine besonders gute Einwirkung auf die Wiener Buchdruckerei dieser Periode übten, ist die Familie Atlantsee zu erwähnen, die unter den Buchhändlern damaliger Zeit einen bedeutenden Namen hatte, namentlich was Lukas Atlantsee betrifft.

Joh. von Gehlen.

Im xvii. Jahrh. dagegen ging es zu Wien, wie überall, mit der Kunst zurück. Die Folgen des dreissigjährigen Krieges und der Türkenkriege blieben nicht aus; die Bedeutung der Wiener Buchdruckereien sank fast auf ein Nichts und die meisten Verlagswerke wurden in Nürnberg, Augsburg und Ulm gedruckt. Der bedeutendste Wiener Drucker ist Johann von Gehlen. Er stammte aus einem alten westfälischen Geschlecht und war zu Antwerpen am 17. Mai 1645 geboren, widmete sich den Studien und erlernte dann den Buchhandel und die Buchdruckerei. Durch Geschicklichkeit und Fleiss erwarb er sich bald ein Vermögen, sodass er 1672 die Buchdruckerei seiner Schwägerin, der Witwe des Buchdruckers J. B. Haquet, kaufen konnte. Er war in Besitz bedeutender linguistischer Kenntnisse und erwarb sich die Freundschaft der Gelehrten. Vom Kaiser Leopold i. erhielt er im Jahre 1678 das Privilegium eines k. k. italienischen Hofbuchdruckers und wurde ermächtigt, eine italienische und lateinische Zeitung herauszugeben. Während der Belagerung von Wien durch die Türken liess er die Druckerei ruhen und stellte sich in die Reihe der Verteidiger. Nach aufgehobener Belagerung versuchte er eine deutsche Zeitung zu gründen, welche in unbestimmter Zeitfolge herausgegeben wurde. Die Regierung, welche das nützliche einer regelmässigen Zeitung einsah, sicherte einer solchen bedeutende Vorteile zu, infolgedessen Gehlen die erste regelmässige Zeitung unter dem Titel „Posttäglicher Mercurius“ 1703 zweimal wöchentlich herausgab. Am 8. Aug. d. J. begann er eine zweite politische Zeitung „Das Wiener Diarium“, ebenfalls posttäglich. Dasselbe wurde später Organ der Regierung und es entstand daraus die k. k. privilegierte Wiener Zeitung.

Gehlen starb am 13. Mai 1724, 72 Jahre alt. Sein Sohn Joh. Peter Gehlen wurde in den Adelstand erhoben.

Breslau.

BRESLAU hatte in seiner „Stadtbuchdruckerei“ ein sehr angesehenes Geschäft, das noch nach 350 Jahren blüht. Der Begründer Andreas Winkler war ein gelehrter Mann, der in Krakau studiert hatte und die Kunst in echt wissenschaftlichem Sinne (1538-1555) übte. Auf ihn folgten Crispinus Scharffenberg, dessen Sohn Johann, dann Georg Baumann und dessen gleichnamiger Sohn; die späteren Nachfolger gehören der nächsten Periode an.