ST. GALLEN erhielt erst 1578 eine Buchdruckerei durch Leonhard Straub, der eine sorgfältige Erziehung genossen und in den besten Offizinen gearbeitet hatte. Ein von ihm gedruckter Wandkalender hat eine zu merkwürdige Geschichte, um sie hier mit Stillschweigen zu übergehen. Auf dem Kalender waren die Wappen der 13 Kantone, darunter das Appenzeller, ein Bär, abgebildet. In Appenzell bemerkte man indes, dass es eine Bärin, nicht ein „männlicher Bär“ sei! Grosse Aufregung entstand; man verlangte Rüstung zu einer Fehde gegen St. Gallen. Der dortige Rat erbat sich drei Tage Bedenkzeit, die aber nicht gewährt wurde. In dieser kritischen Lage übernahm der Abt von St. Gallen die Vermittelung. Der Bär hatte jedenfalls nur den Vorwand abgegeben, der arme Straub musste jedoch Abbitte leisten und eidlich erklären, er habe nur aus Einfalt gehandelt. Straub lebte in ewigem Hader mit der Zensur; schliesslich musste er die Stadt verlassen, und starb 57 Jahre alt 1607 in Konstanz. Sein Geschäft blühte noch im Besitz seiner Söhne und Enkel über hundert Jahre fort[10].
Wien.
In WIEN eröffnete Hieronymus Victor aus Liebenthal im Fürstenthum Jauer seine Offizin im Jahre 1510. Die Kunst hatte er wahrscheinlich in der Hallerschen Druckerei in Krakau erlernt. Er vereinigte sich mit Joh. Singriener aus Oetting in Bayern, trennte sich jedoch 1514 wieder von ihm, worauf letzterer seine eigene Druckerei eröffnete. Joh. Singrieners Wirksamkeit durch 33 Jahre war eine bedeutende und eine grosse Zahl gut ausgestatteter Werke ging aus seiner Offizin hervor, unter welchen das 1517 erschienene Tripartium opus juris consuetudinarij incluti regis Hungarie, über 70 Bogen stark, einen bedeutenden Platz einnimmt. Die vielen in dem Werk vorkommenden Druckfehler entschuldigt der Drucker damit, dass er das Werk in 40 Tagen (!) habe liefern müssen, eine Leistung, die selbst heute für eine grosse Druckerei eine bedeutende gewesen sein würde. Singriener war nicht nur ein tüchtiger Buchdrucker, sondern auch ein wissenschaftlich gebildeter, von den Gelehrten und Geistlichen gern gesehener Mann. Unter seinen vielen Drucken sind besonders schön ausgeführt: Pomponius Mela in Fol.; Bandinus auf Pergament; Cicero, Pro lege Manilia. Seine Söhne Matthäus und Johannes setzten das Geschäft fort, bis es mit dem Tode des letzteren erlischt.
Hans Kohl.
Hans Kohl (Johannes Carbo) gehörte zu den fahrenden Buchdruckern und arbeitete in Wien von 1549 bis 1551. Er war gut mit deutschen, hebräischen und griechischen Lettern versehen und druckte zuerst in Verbindung mit Aegidius Adler (Aquila), aus den Niederlanden gebürtig. Im J. 1550 arbeitete letzterer allein und übertraf seinen früheren Compagnon durch die Menge und Schönheit seiner Ausgaben. Er starb bereits am 17. Aug. 1552.
Michael Zimmer-
mann.
Die Offizin wurde von Michael Zimmermann (Cymbermannus) übernommen, dem bedeutendsten Buchdrucker Wiens aus dieser Zeit. Er druckte Werke in italienischer, spanischer, arabischer, hebräischer und syrischer Sprache, zu denen er die Schriften von Kaspar Kraft aus Ellwangen bezogen hatte. Seine Ausgaben schmückte er mit rotem Druck, sowie mit illuminierten Figuren und Landkarten.
Raf. Hofhalter.