Froschauer war ein wissenschaftlich gebildeter, sehr thätiger und zugleich glücklich spekulierender Mann. Er schloss sich sofort Zwingli an und blieb diesem und der Reformation ein innig ergebener, wenn auch nicht zelotischer Freund. Seinem Beruf gab er sich mit grosser Liebe und mit heiligem Ernst hin. Das ihm entgegengetragene Vertrauen und den erworbenen Wohlstand verwendete er in der edelsten Weise.

Seine ersten datierten Drucke fallen in das Jahr 1521. Es waren zwei von dem gelehrten Leo Jud ins Deutsche übersetzte Schriften des Erasmus: „Ein klag des Frydens“ und „Ein nützliche wndervisung eines Christenlichen Fürsten wol zw regieren“. Von Zwingli erschienen bei ihm gegen 80 Schriften, oft in mehreren Ausgaben, einige davon druckte Hans Hager (1520-1526). Von da ab hörte man vom letzteren nichts mehr, und Froschauer war der alleinige Drucker bis 1554, als sich Andreas Gessner, ein naher Verwandter des bekannten Conrad Gessner, etablierte. Zahlreiche Schriften von Leo Jud, Rod. Gualther (Walther), C. Pellikan, Peter Martyr, Ludwig Lavater und namentlich von Heinrich Bullinger, ausserdem eine grosse Anzahl Ausgaben der Klassiker wurden von Froschauer verlegt.

Der Bibeldruck.

Seine wichtigste Thätigkeit war jedoch sein Bibeldruck. In den Jahren 1524-1529 stellte er die erste vollständige Schweizerausgabe der Bibel in Folio fertig, und von da ab verging selten ein Jahr, in welchem nicht entweder die ganze Bibel oder wenigstens Teile derselben in deutscher, lateinischer, selbst in englischer Sprache erschienen. Zu der ersten deutschen Ausgabe wurde mit Ausnahme der poetischen und prophetischen Bücher, welche von Schweizer Gelehrten übersetzt wurden, die lutherische Übertragung benutzt. Später führten Einheimische das ganze Werk aus. Im Jahre 1535 wurde die berühmte englische Bibel, von Moses Coverdale übersetzt und mit Holzschnitten von Hans Sebald Beham illustriert, gedruckt. In den Jahren 1524-1564 erschienen nicht weniger als 27 Ausgaben der vollständigen Bibel und viele Abdrücke des Neuen Testaments. Anfänglich benutzte Froschauer die Antiquaschrift, später veranlasste er den Schnitt einer an die Schwabacher sich anlehnenden Schrift, liess Vignetten und Initialen anfertigen und verwandte überhaupt die grösste Sorgfalt auf die Ausstattung. Die lateinischen Ausgaben der Bibel waren von den Gelehrten sehr geschätzt.

Die Froschau.

Mit der Erweiterung des Geschäfts musste er auch nach einer grösseren Lokalität suchen und fand eine solche in einem ehemaligen Barfüsserkloster. Als diese Räumlichkeit jedoch i. J. 1551 eine andere Bestimmung erhielt, kaufte er ein früheres Dominikaner-Frauenkloster, welchem er den Namen: „Die Froschau“ gab, den es noch heute trägt. Auf dem Brunnenhäuschen dort befindet sich noch sein Insignium. Er modelte dasselbe in verschiedener Weise um, immer blieb jedoch der Frosch ein Hauptbestandteil. In der ältesten Ausführung wird dieser von einem behelmten Knaben geritten, der in der Linken den Zaun, in der Rechten eine Fahne, mit der Inschrift CR. FR., hält.

Die Frankfurter Messe besuchte Froschauer eine lange Reihe von Jahren zweimal jährlich und machte mit seinem Verlage vorteilhafte Geschäfte. Mit Gelehrten des In- und Auslandes stand er auf dem freundschaftlichsten Fusse und zeigte sich ihnen gefällig, wo er nur konnte; so räumte er beispielsweise ein ihm gehörendes Haus flüchtigen englischen Gelehrten vollständig ein, die sich mehrere Jahre hindurch in Zürich aufhielten.

Froschauers
Nachfolger.

In seinem Geschäft wurde er getreulich von seinem Bruder Eusebius und von dessen Söhnen Eusebius und Christoph unterstützt. Kinderlos verheiratet, hinterliess er dem Neffen Christoph Froschauer das ganze Geschäft zu sehr billigen Bedingungen. Er starb hochbejahrt am 1. April 1564. Der Neffe blieb unverheiratet. Nach dessen Tode, 2. Febr. 1585, wurde das Geschäft noch bis 1590 fortgeführt und dann aufgelöst. Die Druckerei ging auf Johann Wolf über, der jedoch noch bis 1595 einzelnen Werken die Bezeichnung typis Froschovianis beifügte. Das Verzeichnis des Froschauerschen Verlags zeigt 1564 bereits 601 Nummern, von da bis 1595 noch 264. Im J. 1626 kam die Druckerei in den Besitz der Familie Bodmer, 1723 an Heidegger & Rahn und wurde 1765 mit der Orellschen Buchdruckerei, die jetzt noch blüht, vereinigt.

St. Gallen.
Leonh. Straub.