Zu grossem Ansehen gelangte auch Johannes Oporinus[8] (Herbster). Unter ärmlichen Verhältnissen am 25. Jan. 1507 zu Basel geboren, wurde er in einem Kontubernium armer Schüler in Strassburg, woher sein Vater stammte, erzogen. Später bekleidete er eine Lehrerstelle an der Klosterschule St. Urban im Kanton Luzern, gab jedoch, von der neuen Lehre angezogen, jene auf, fand 1526 bei Froben Beschäftigung als Korrektor und gewann die Freundschaft des Erasmus. Später folgte er dem berühmten Theophrastus Paracelsus als Famulus nach Strassburg, wo er unter dessen Leitung die Medizin studierte, kehrte jedoch nach zwei Jahren nach Basel zurück und wirkte als Professor erst im Lateinischen, dann im Griechischen. Im Jahre 1539 kaufte er mit drei Anderen, darunter seinem Schwager Rob. Winter, die Offizin des Andreas Brabander. Die Teilnehmer wirtschafteten jedoch nicht gut und Oporin versuchte es nun mit Winter, später, unter schweren Sorgen, allein.

Oporin wetteiferte in Beziehung auf Schönheit der Ausgaben, Sorgfalt der Korrekturen und inneren Wert der Verlagswerke mit Froben. Selbst sehr wissenschaftlich gebildet, stand er mit vielen Gelehrten in innigem Verkehr und zeigte in allen Verhältnissen einen eisernen Fleiss und eine unermüdliche Ausdauer. Er beschäftigte über fünfzig Arbeiter und druckte mehr als siebenhundert und fünfzig grössere und kleinere Werke, darunter viele von ihm selbst emendierte oder übersetzte Klassiker.

Die Anatomie
des Vesalius.

Bis jetzt hatte man den Holzschnitt hauptsächlich nur als künstlerischen Schmuck der Bücher verwendet, jetzt sollte man durch die berühmte Ausgabe von Vesalius' Anatomie verstehen lernen, welchen Wert der Holzschnitt für den wissenschaftlichen Zweck und das leichtere Verständnis eines Werkes hat. Der berühmte Arzt und Anatom Andreas Vesalius hatte in Venedig von Johann de Calcar, einem Schüler Tizians, zahlreiche Holzschnitte anfertigen lassen, durch die mit grossem Talent die Anatomie des Menschen erläutert wurde. Diese sandte Vesalius seinem Freunde Oporin (1543), um damit sein Werk: De humani corporis fabrica zu illustrieren. Das grosse Portrait Vesalius' an der Spitze des Buches konnte für ein Meisterwerk Tizians gehalten werden. In seiner Sorgfalt um den guten Druck ging Vesalius so weit, dass er den Faktor der berühmten Bombergschen Druckerei in Venedig mitfolgen liess, dass er die Ausführung überwache. Um so mehr mussten ihn die schlechten Ausgaben der Nachdrucker empören.

Im Jahre 1566 zog sich Oporin von dem Geschäft zurück und starb am 6. Juli 1568. Er war viermal verheiratet, ohne jedoch besonderes häusliches Glück zu geniessen.

Unter die verdienten Buchdrucker Basels gehören ferner Michael Isengrin, welcher eine zweite, die erste des Aldus Manutius an Schönheit übertreffende, vollständige Ausgabe des Aristoteles druckte, dann auch Josias Münsch (1550), Konrad von Mecheln (1685) und Emanuel Thurneisen.

Zürich.
Chr. Froschauer.

Mit Stolz blickt ZÜRICH auf Christoph Froschauer[9] (oder Froschower), dem es zu einem grossen Teil die Blüte seines litterarischen Lebens verdankt. Im xv. Jahrhundert zeigt sich in Zürich noch keine Spur der Buchdruckerkunst. Der erste bekannte Druck ist ein, am 6. Januar 1504 von dem Rate erlassenes Mandat, ohne Namen des Druckers. Wahrscheinlich war dieser Hans am Wasen, der 1508 einen Kalender mit guten Vignetten druckte. Von Wasen hörte man weiter nichts.

Erst 1519 erhielt Christoph Froschauer aus Neuburg bei Oetting in Bayern das Bürgerrecht. Sein Geburtsjahr kennt man nicht; es fällt jedoch wahrscheinlich in das zweitletzte Jahrzehnt des xv. Jahrh. Ob Christoph ein Verwandter des Augsburger Druckers, Johann Froschauer, war, ist nicht bekannt.

Froschauers
Thätigkeit.