Staatsdruckerei.
Die Staatsdruckerei[100] stand seit dem 1723 erfolgten Rücktritt Claude Rigauds 71 Jahre lang unter der Direktion von Mitgliedern der Familie Anisson. Die Ernennung des letzten derselben, Étienne Alex. Jacq. Anisson Duperon, zum Direktor geschah 1789.
Erwerbungen unter Ludwig XV.
L. Luce † 1773.
Bedeutend waren die Fortschritte während der Regierungszeit Ludwigs XV. nicht. Für die Summe von 100000 Livres erfolgte 1773 die Erwerbung der aus 15 Graden bestehenden neuen Antiqua und Cursiv, welche der königliche Graveur Louis Luce in den Jahren 1740–1770 geschnitten hatte, zugleich seiner gothischen und Schreibschriften, sowie seiner zahlreichen Vignetten und Ornamente. Diese neuen Schriften Luces waren ganz anders gehalten als die von Ludwig XIV. veranlassten. Luce wollte, wie er selbst sagte, etwas von dem Vorhandenen ganz Verschiedenes schaffen, was ihm auch, jedoch nicht zum Vorteil der Sache, gelang. Die Schriften sind sehr schmal gehalten, es fehlen ihnen die besonderen Kennzeichen (I, S. 210) der Schriften der Staatsdruckerei. Sein Nachfolger als königlicher Graveur war Fagnion.
Eine weitere Acquisition bestand in einer Sammlung der Vignetten Jean Papillons (I, S. 200). Sie hat, wie die Sammlungen von Luce, zwar den Wert des historischen Museums der Anstalt sehr erhöht; für die Praxis waren diese Vermehrungen bei den Fortschritten der Kunst ohne Interesse.
Einfluss Ludwigs XVI.
Ludwig XVI. begünstigte ebenfalls die Staatsdruckerei und liess die kleinen Offizinen in den Tuilerien und in Versailles unter die Direktion derselben stellen. Das Verhältnis des Direktors zu der Anstalt war ein ziemlich kompliziertes. Er war nicht ein einfacher, fest salarierter Beamter, sondern zu einem wesentlichen Teil gingen die Arbeiten für Rechnung des Direktors, wurden nach der Taxe bezahlt und mit einem dem Direktor selbst gehörenden Material ausgeführt. Wie bedeutend dieses war, geht aus der später zu erwähnenden Auseinandersetzung mit der Witwe Anisson hervor, wobei es sich um eine Summe von einer halben Million Livr. handelte. Staatseigentum waren hauptsächlich nur die Stempel und Matern der Schriften, ausserdem vielleicht 10000 Pfund Schrift und etwa ein Dutzend Pressen.
Zustande während der Revolution.
Nach dem Ausbruch der Revolution begann eine unerfreuliche Periode für die Staatsdruckerei. Die wissenschaftlichen und die administrativen Arbeiten traten in den Hintergrund, die Hauptbeschäftigung war der Druck der vielen Gesetze und Dekrete, der ebenfalls auf Rechnung des Direktors ging, welcher die Zahl der Pressen fast auf 100 vermehren und bei der Unzulänglichkeit der Lokalitäten im Louvre zwei Succursales errichten musste.