Angriffe gegen die Staatsdruckerei.

Die Staatsdruckerei ist zwar bereits seit der ersten Revolution fortwährend Gegenstand der Angriffe gewesen, es haben diese jedoch in jüngster Zeit an Heftigkeit zugenommen. Man hält die Konkurrenz der Anstalt mit der Privatindustrie nicht allein für unnötig, sondern für sehr schädigend. Zur Hebung der Kunst sind solche Anstalten nicht mehr nötig. Was Didot aussprach, denkt gewiss Jeder: Eine Staatsanstalt soll nicht den Steuerzahlenden unnötige Konkurrenz machen. Die Typographie ist mündig geworden und bedarf keines öffentlichen Mentors.


Die Familie Didot.

Noch in einem höheren Grade als das Wirken der Staatsdruckerei war in dem ganzen Abschnitt der Buchdrucker-Geschichte Frankreichs von 1750 bis auf den heutigen Tag das Vorgehen der Familie Didot massgebend[103]. Während die Buchdruckerei als Kunst und der höhere Buchhandel in der Revolutionszeit gänzlich darnieder lagen, waren die Didot fast die einzigen, die unentwegt und unbekümmert um den ringsum tosenden Sturm die Flagge Gutenbergs stolz vom hohen Mast wehen liessen.

Das ganze Sein dieser Familie ist von einem so edlen Geist durchdrungen; alles, was sie geschaffen hat, trägt so sehr den Stempel der Gediegenheit, dass der Name Didot noch langezeit als Stern erster Grösse glänzen wird.

Zudem besitzen alle Unternehmungen dieser Firma neben den Vorzügen des französischen Charakters auch das Gepräge einer echt germanischen Wissenschaftlichkeit und Gründlichkeit, wie auch manche der hervorragendsten Werke ihrer Pressen unter Mitwirkung deutscher Gelehrten durchgeführt wurden. Schliesslich ist die Verbindung dieses Hauses mit Deutschland seit langen Jahren eine weit innigere, als es sonst seitens französischer Firmen der Fall zu sein pflegt. Das alles macht, dass der deutsche Gewerbsgenosse sich dieser Familie näher stehend fühlt als den übrigen hervorragenden Repräsentanten der graphischen Gewerbe in Frankreich.

François Didot * 1689, † 2. Novbr. 1757.

Der Stammvater des Hauses war François Didot aus Paris (1713). Schon er machte sich bekannt durch seine vielen wichtigen Unternehmungen, darunter die Histoire générale des Voyages von Abbé Prevost in 20 Quartbänden mit einer grossen Anzahl von Kupfern und Karten. François Didot hatte elf Kinder, von welchen François Ambroise und Pierre François den Beruf des Vaters ergriffen. Zwei seiner Töchter waren an berühmte Buchhändler, Guillaume de Bure und Jacques Barrois in Paris, verheiratet. Als Druckerzeichen nahm er die goldene Bibel an und sie ist es auch bis auf heute geblieben.

Ambr. F. Didot * 7. Jan. 1730, † 10. Juli 1804.