Dem Ambroise François verdankt Frankreich die Einheitlichkeit seines Schriftsystems (S. [145]), die Freiheit und Eleganz seines Schriftschnittes, daneben die Vervollkommnung des Velinpapieres und die Einführung der Druckerpresse mit nur einem Zuge. Unter seinen Druckwerken sind hervorzuheben die früher schon erwähnte Collection d'Artois, eine Sammlung von Romanen in 64 Bänden, ferner die Sammlungen von französischen Klassikern in 18°, 8° und 4°, welche, wie ebenfalls erwähnt wurde, im Auftrage des Königs Ludwig XVI. zum Unterrichtszwecke für den Dauphin gedruckt wurden.

Pierre F. Didot * 9. Juli 1732, † 7. Dezb. 1793.

Der Bruder Pierre François leistete bedeutendes als Buchdrucker, Buchhändler, Papierfabrikant und Schriftgiesser, führte viele Verbesserungen in der letzteren Branche ein und legte die berühmte Papierfabrik in Essonnes an.

Pierre Didot * 21. Jan. 1760, † 31. Dez. 1853.

Pierre, der älteste Sohn Ambr. François', übernahm 1789 die Druckerei des Vaters und zeichnete sich so aus, dass seine Offizin im Louvre installiert wurde. Hier druckte er mit Schriften, die sein Bruder Firmin geschnitten hatte, die prachtvollen sog. Louvre-Ausgaben: den Virgil in Folio mit 23 Kupfern (1798); den Horaz in Folio (1799); den Racine, drei Bände in Folio mit 57 Stichen (1801–5), die Fabeln des La Fontaine. Die Jury der damaligen Ausstellung in Paris erklärte den Racine für das vollkommenste typographische Erzeugnis aller Zeiten. Noch manche andere grossartige Werke, z. B. Viscontis griechische und römische Iconographie; Denons Reise in Ägypten; Nodiers malerische Reise im alten Frankreich, und die berühmte Oktav-Ausgabe der französischen Klassiker „für Freunde der Typographie“, die dieser Bezeichnung vollständig würdig war, gingen aus seinen Pressen hervor.

Jules Didot * 5. Aug. 1794 † 18. Mai 1871.

Sein Sohn Jules spielte eine zeitlang eine glänzende Rolle, die jedoch keinen Bestand hatte. Mit grossen Kosten hatte er eine bedeutende Offizin in Brüssel gegründet, die nicht gedeihen wollte und von der Regierung als Grundlage einer Staatsdruckerei erworben wurde. Nach Paris zurückgekehrt, errichtete Jules Didot ein ausgedehntes Etablissement, in welchem er eine grosse Zahl vorzüglich schöner Ausgaben alter und neuer Schriftsteller für verschiedene Pariser Verleger druckte. Im Jahre 1823 erhielt er auf Grund einer Prachtausgabe von Phädrus' Fabeln, in Folio auf Seide gedruckt, und anderer schöner Arbeiten die goldene Medaille. Geschäftliche Misserfolge zerstörten jedoch vollständig seine bereits geschwächten Geisteskräfte.

Firmin Didot * 14. April 1764, † 24. April 1836.

Firmin Didot, der zweite Sohn Ambroise François', hielt als Buchdrucker und namentlich als Schriftgiesser und Schriftschneider den berühmten Namen des Vaters in Ehren. Seine Schreibschriften (1806) liessen alles Dagewesene weit hinter sich, und seine Antiquaschriften, mit welchen sein Bruder Pierre die erwähnten Louvre-Ausgaben druckte, gelten als die musterhaftesten. Er verbesserte (1795) ganz wesentlich die Stereotypie und stereotypierte fast alle französischen, italienischen und englischen Klassiker in 18°-Ausgaben, die durch ihre Korrektheit und Billigkeit bekannt wurden. Der Virgil, fehlerfrei und mit Vignetten illustriert, kostete 15 Sous. Später acceptierte er die vorzügliche Stanhopesche Methode. Ausserdem druckte er eine grosse Anzahl Prachtausgaben, darunter (1817) die Lusiaden und die Henriade. Er ward Mitglied der Akademie und des Instituts und 1834 königlicher Buchdrucker. Das Geschäft Didots war ein Sammelplatz von Notabilitäten Frankreichs und des Auslandes. Im Jahre 1814 besuchte Kaiser Alexander seine Offizin und liess zwei junge Russen zurück, um bei ihm zu lernen. Sein Haus war überhaupt eine Bildungsschule der Typographie, aus welcher Renouard, Paul Dupont, Claye, Rignoux, Brun und andere, später berühmte französische Buchdrucker hervorgingen, ebenso die drei ersten Buchdrucker Griechenlands: Coromilas, Dobras, Apostolidès, sowie viele Missionsbuchdrucker. Um sich ganz dem öffentlichen Leben zu widmen, überliess er im Jahre 1827 seinen Söhnen das Geschäft. Auch als tüchtiger Schriftsteller war Firmin Didot bekannt.

Eine der Töchter Pierre François' heiratete Bernardin de Saint-Pierre, welcher eine zeitlang bei der Papierfabrik in Essonnes beteiligt war, wo er Paul et Virginie schrieb. Von seinen drei Söhnen sind namentlich Henry und Didot Saint-Léger zu erwähnen.