Henry Didot * 15. Juli 1765, † 1852.
Henry Didot that sich als Schriftschneider, Schriftgiesser und Mechaniker rühmlichst hervor. Noch in einem Alter von 66 Jahren schnitt er für seine „mikroskopischen“ Ausgaben, z. B. von Horaz, Rochefoucauld u. a., seine nec plus ultra-Schrift. Um dieselbe giessen zu können, musste ein neues Giessinstrument erfunden werden, welches Henry Didot polyamatype nannte, in welchem 160 Buchstaben auf einmal gegossen wurden.
Didot St.-Léger.
Der Bruder Henrys, bekannt unter dem Namen Didot Saint-Léger, dirigierte die Papierfabrik in Essonnes. Seiner Verdienste um die Papierfabrikation wurde bereits (S. [161]) gedacht.
Firmin Didot hatte drei Söhne: Ambroise Firmin, Hyacinthe und Firmin Frédéric (gest. 1836).
Ambr. F. Didot * 20. Dez. 1790, † 24. Febr. 1876.
Ambroise Firmin genoss eine ausgezeichnete Erziehung und legte sich mit besonderem Eifer auf griechische Sprache und Litteratur. Er machte Reisen in Kleinasien, Syrien, Palästina und Ägypten und war eine zeitlang Attaché bei der französischen Gesandtschaft in Konstantinopel. Nach der Erhebung Griechenlands zeichnete er sich als einer der eifrigsten Förderer der griechischen Sache aus. Er schenkte unter anderem Griechenland die erste Buchdruckerei. Die Bürgerschaft von Athen hat in dankbarer Erinnerung der Verdienste Didots noch in letzter Zeit einer Strasse in Athen den Namen Didot-Strasse beigelegt.
Ambr. F. Didot.
Im Verein mit seinem Bruder Hyacinthe druckte und verlegte er eine Reihe bedeutender Werke, z. B. die Reisen Champollions d. j. in Ägypten, dessen Ägyptische Grammatik und Wörterbuch; Texiers Reisen in Kleinasien und Armenien, fünf Bände, Folio; das Glossarium mediae et infimae latinitatis von Du Cange; in sechster Auflage das Wörterbuch der Akademie, 1835, welches in erster Auflage bereits 1694 erschienen war, und eine grosse Anzahl anderer Wörterbücher; die Encyclopédie moderne, 39 Bände mit einem Atlas in fünf Bänden; das Dictionnaire de la conversation, 21 Bände; die Encyclopédie d'histoire naturelle, 22 Bände mit neun Bänden Atlas; die Nouvelle Biographie générale, 46 Bde.; die Biographie universelle des musiciens von Fétis, acht Bände; J. C. Brunets: Manuel de la librairie; die Bibliothèque grecque in mehr als 60 Bänden; die Bibliothèque latine-française, 27 Bände; die Bibliothèque française; das Univers pittoresque, 67 Bände mit 4000 Stahlstichen. Wenn die Bändezahl dieser Kollektionen schon imponiert, so ist noch zu erwägen, dass es sich hierbei grösstenteils um Bände in grossem Oktav, in gespaltenem Satz mit kleiner Schrift gedruckt, handelt, so dass in der Regel ein Band den Stoff von sechs bis acht gewöhnlichen Oktavbänden enthält.
Als ein Hauptwerk Didots, zugleich für Deutschland doppelt interessant, weil es hauptsächlich durch gelehrte Kräfte Deutschlands durchgeführt wurde, ist der Thesaurus graecæ linguæ zu nennen. Diese unerschöpfliche, von Heinrich Stephanus stammende (I, S. 207) Fundgrube griechischer Lexikographie wurde unter Zusammenwirken einer grossen Anzahl Gelehrter Frankreichs und Deutschlands nach 300 Jahren neu herausgegeben und damit der Wissenschaft ein Denkmal hergestellt, das seinesgleichen sucht. Die Redaktion übernahmen die Professoren Hase, Wilhelm und Ludwig Dindorf. Das Werk bildet neun Bände in Folio.