In jüngerer Zeit haben Didots sich auch mit Vorliebe den neueren Illustrationsmethoden zugewendet. Racinets L'ornement polychrome und Mantz' Les chefs-d'œuvre de la peinture italienne mit den Chromolithographien Kellerhovens müssen als Prachtwerke erster Klasse genannt werden. Höchst anziehend ist auch eine Reihe von reich mit Holzschnitten und Chromolithographien geschmückter Werke, welche namentlich Leben, Sitte und Kunst früherer Jahrhunderte illustriert und sich trotz der musterhaftesten Ausstattung durch einen sehr billigen Preis auszeichnet. Fast als ein Saulus unter den Propheten erschien 1860 in dem Didotschen Verlage nach dem Muster des „Bazar“ das Journal La Mode illustrée, welches an 100000 Abonnenten zählte.

Ein anstaunenswertes Unternehmen bleibt in seiner Art auch: Annuaire-Almanach du Commerce, von welchem mehr als 80 Jahrgänge vorliegen. Das Unternehmen ist jetzt in den Händen einer Gesellschaft, die es mit einem Kapital von 7½ Millionen Franken ausbeutet.

Mit Obigem haben wir nur einen Teil der grossartigen Wirksamkeit der Weltfirma andeuten können. Der bescheiden ausgestattete Verlagskatalog lässt kaum auf den hohen Wert der verzeichneten Unternehmungen schliessen, der schwerlich von dem irgend eines Verlagskataloges übertroffen werden dürfte.

Wenn wir noch sehen, welche bedeutende litterarische Thätigkeit Ambroise Firmin mit seiner geschäftlichen zu verbinden wusste, so muss unsere Achtung und Bewunderung für diesen Mann sich noch steigern.

Seine Mitwirkung bei dem Thesaurus wie bei vielen der encyklopädischen Unternehmungen des Hauses zeugen schon von seiner gelehrten und wissenschaftlichen Bedeutung, jedoch lieferte er ausserdem noch eine Reihe selbständiger Schriften. Wir können hier nur die bedeutendsten derjenigen erwähnen, die sich auf das graphische Gewerbe beziehen. Als Mitglied der Ausstellungs-Jury schrieb er L'imprimerie, la librairie, la papeterie à l'exposition 1851 à Londres (2. Auflage 1854). Sein 1863 erschienener Essai typographique et bibliographique sur l'histoire de la gravure sur bois ist ein vortreffliches Werk, das nur den einen Fehler hat, dass es mit ganz ausserordentlich kleiner Schrift gedruckt ist[104]. Sein letztes umfangreiches Buch ist das 1875 erschienene Alde Manuce et l'hellénisme à Venise. Über die Frage der Orthographie und des litterarischen Eigentumsrechtes gab er verschiedene wertvolle Schriften heraus. Unter seinen Monographien erwähnen wir: Étude sur les œuvres de Jean Sire de Joinville, zwei Bände, fünfte Auflage, 1870; Missel de Juvénal des Ursins, ein kostbares Manuskript, welches Didot für 23000 Franken erworben, jedoch der Bibliothek des Hôtel de Ville cediert hatte, bei dessen Brande es vernichtet wurde; Étude sur Jean Cousin, 1872. Didot besass eine Bibliothek typographischer Seltenheiten ersten Ranges, die nach Millionen von Franken geschätzt wurde und auch bei der Versteigerung nach Didots Tode wirklich enorme Summen einbrachte. Diese Sammlung hatte Didot Veranlassung zu dem Werke: Catalogue raisonné des livres de la Bibliothèque de A. F. Didot, I. 1: Livres à figures sur bois, Solennités, Romans de chevalerie, 392 zweispaltige Seiten, gegeben. Als Supplemente hierzu erschienen: Les apocalypses figurées und Essai de classification des Romans de chevalerie. Sein Bibliothekzimmer war Didots liebster Aufenthalt, und hier musste oft sein Diener den in die Arbeit Vertieften an die vorgerückte Nachtstunde erinnern.

Das Geschäft beschränkte sich nicht allein auf bibliopolisch-typographische Hyacinthe Didot * 1794, † 7. Aug. 1881.Th. Lefèvre * 17. Sept. 1798.Unternehmungen, sondern umfasste auch die bedeutende Papierfabrikation in Mesnil und Sorel. Dagegen sah sich Didot veranlasst, die Schriftgiesserei als selbständiges Geschäft aufzugeben; sie wurde der grossen Gesellschaft Fonderie générale einverleibt. Als die Einrichtung der Papiermaschinen viele bei der Fabrikation beschäftigt gewesene Mädchen in Mesnil arbeitslos machte, richtete Didot eine bedeutende Druckerei für Frauen ein, sorgte für tüchtige Anleitung und etablierte Schulen. Diese Anstalt war namentlich ein Werk Hyacinthe Didots, des treuen Mitarbeiters des Ambroise durch eine lange Reihe von Jahren. Sie stand unter der Leitung des Théotiste Lefèvre, und wurde nachträglich noch durch eine Abteilung für taubstumme Mädchen erweitert. Der jetzt 84jährige Th. Lefèvre, bekannt durch sein Handbuch für Setzer[105], arbeitet seit 46 Jahren in dem Hause Didots.

Dass es Ambroise Firmin Didot an äusseren Ehren der verschiedensten Art nicht fehlte, ist begreiflich. In den letzten Jahren seines Lebens genoss er noch die Auszeichnung, Mitglied des Instituts von Frankreich zu werden. Die höchste Ehre war es ihm jedoch, die unbegrenzte Achtung und Liebe seiner Mitbürger und Untergebenen zu besitzen und der Vater seiner Arbeiter zu sein, was er im vollen Sinne des Wortes war, bis ihn der Tod ihnen raubte.

Alfred und Paul Didot.

Das Haus Didot steht jetzt unter der Leitung des Sohnes des Ambroise Alfred Firmin Didot (geboren 1828) und des Sohnes des Hyacinthe Paul Firmin Didot (geboren 1826). Die Druckerei in Paris ging in den Besitz von G. Chamerot über.