Trotzdem dass die Firma, wie auch aus dem Obigen hervorgeht, in mancher Hinsicht ihre Thätigkeit beschränkte, wird sie sicherlich noch lange den berühmten Namen mit Ehren behaupten. Für Frankreichs Typographie hat die Familie Didot eine Bedeutung, welche die der Familie Stephanus noch überragt.


Andere ältere Familien.

Neben dem Geschlecht der Didot besass Frankreich noch eine Anzahl bedeutender Druckerfamilien, die, aus dem XVIII. in das XIX. Jahrhundert herüberreichend, die verbindenden Glieder in der grossen Kette bilden, in welcher sich die modernen vortrefflichen Typographen an die alten Meister anreihen.

Unter diesen Familien nahm die der Panckoucke, wennauch nur auf kürzere Zeit, eine sehr glänzende Stellung ein.

J. Panckoucke * 1736, † 1799.

Joseph Panckoucke, geboren zu Lille, war ein tüchtiger Mathematiker und bereitete sich für den Beruf eines Dozenten vor, etablierte sich jedoch zuerst als Buchhändler, dann 1774 als Buchdrucker. Eine der ersten seiner Unternehmungen sollte eine Gesamtausgabe von Voltaires Werken sein, für deren Durchsicht und Emendation er den berühmten Verfasser selbst gewonnen hatte. Die Kaiserin von Russland war ersucht worden, die Widmung anzunehmen, da jedoch nach Ablauf von sieben Monaten die Erlaubnis zur Dedikation noch nicht eingegangen war, betrachtete Panckoucke die Sache als gescheitert und verkaufte seine Rechte P. Beaumarchais † 1799.an den bekannten Schriftsteller P. Beaumarchais, der die Absicht hatte, etwas noch nicht Dagewesenes von einer Prachtausgabe zu liefern. Am Tage nach dem Abschluss kam — zu spät! — die Erlaubnis der Kaiserin, begleitet von einer Anweisung auf 150000 Livres.

Beaumarchais liess in Kehl, Strassburg gegenüber, eine Offizin errichten und Arbeiter aus Deutschland und der Schweiz kommen. Seine Abgesandten nach Holland studierten die dortige Papierfabrikation und errichteten danach Fabriken in den Vogesen. Die Stempel und Matern Baskervilles wurden erworben (S. [74]). Der Hauptherausgeber war Condorcet; die typographische Redaktion besorgten Decroix und Letellier. In fünf Jahren (1784–89) verausgabte man mehr als drei Millionen auf eine Oktavausgabe in 70 Bänden und eine Duodezausgabe in 92 Bänden. Um allen Ansprüchen gerecht zu werden, wurden von beiden Ausgaben Exemplare auf fünf Sorten Papier gedruckt in einer Gesamtauflage von 28000 Exemplaren. Zu dem grossen Aufwand stimmte nicht recht die nachlässige Korrektur. Pekuniär war das Unternehmen ein vollständiger Misserfolg und kostete Beaumarchais für seinen Anteil eine Million.

Der Moniteur.

Von Panckoucke stammt auch der Gedanke des Moniteur. Nachdem er in England den Wert und die Macht der periodischen Presse kennen gelernt hatte, wollte er ein solches Institut, das auch äusserlich mit einem der grossen englischen wetteifern konnte, in Frankreich gründen. Der erste Redacteur war Maret, später Herzog von Bassano. Das Blatt erreichte die damals ganz ausserordentliche Auflage von 15000 Exemplaren und wurde ein Quellenwerk für die Geschichte, das an Interesse wenige Konkurrenten hat.