Ist Chaix' Druckerei als typisch für eine Druckerei des Augenblicks zu betrachten, so kann die am Place de la bourse gelegene Offizin der Agence Havas, der politischen Korrespondenz Frankreichs, als das Bild einer Zukunftsdruckerei gelten. Es werden hier nur Setzmaschinen verwendet, und zwar Kastenbeinsche, die durchweg von Frauen bedient werden. Diese Druckerei liefert für die Provinzblätter stereotypierte Satzspalten, die, in Stücke zersägt, sich mit dem eigenen Satz der Blätter zusammen verwenden lassen.

P. H. Plon * 1805.

Einen bedeutenden Namen als Werkdrucker erwarb Ph. H. Plon[113]. Er war Setzer in der Offizin Béthunes, bei dem das Dictionnaire de la conversation in 52 Bänden erschien. Bei der Herausgabe zeigte Plon eine grosse Thätigkeit und wurde Teilnehmer des Geschäfts. Als auf Grund entstandener Verlegenheiten Béthune sich zurückzog, übernahm Plon allein das Geschäft, welches sich äusserst rasch hob und Luxus- und Farbendrucke von Bedeutung lieferte, besonders aber gute Werkdrucke. 1854 wurde Plon Buchdrucker Napoleons III. und druckte und verlegte dessen Leben Caesars. Sein wissenschaftlich und künstlerisch ausgebildeter Sohn übernahm nach dem Tode des Vaters das Geschäft.

Den Farbendruck hat die Firma so gut wie fallen lassen. Ohne gerade als Meisterstücke hervortreten zu wollen, zeichnen sich, wie die älteren, so auch die neueren Verlagserzeugnisse Plons, als: Collection des classiques français in 32°; Les Chartes et les archives nationales in 4°; die Bibliothèque historique in mehr als 300 Bänden in 8°; die Bibliothèque des voyages und die Bibliothèque des romans durch Tüchtigkeit in der Ausführung aus.

Lacrampe.

Die Firma Lacrampe & Co. wurde 1837 als Assoziationsdruckerei von 19 Arbeitern, alles tüchtige, arbeitsame und für ihren Beruf enthusiasmierte Männer, begründet. Sie wählten ihren Chef und wirtschafteten gemeinschaftlich. Das Resultat war trotz der redlichsten Anstrengungen und zahlreichen Aufträge kein günstiges. Nicht besser ging es der unter der Firma François & Co. gegründeten Assoziationsbuchdruckerei, gewöhnlich „die Zehn“ genannt.

Crété fils.

Crété Fils ist zwar in Corbeil ansässig, gehört jedoch thatsächlich zu den Pariser Buchdruckereien, da das kolossale Etablissement nur für Pariser Verleger beschäftigt ist; Crété konkurriert würdig mit Claye in der Herstellung illustrierter Werke, namentlich für Hachettes Verlag, und wird hinsichtlich einer sich stets gleichbleibenden Güte und Gleichmässigkeit des Schriftdrucks kaum übertroffen.

Gauthier-Villars.

Gauthier-Villars macht eine Spezialität aus solchen Arbeiten, die andere am liebsten von sich weisen möchten; bei ihm heisst es aber, je schwieriger, desto besser. Seine für die wissenschaftlichen Institute und Akademieen gelieferten Tabellen-, arithmetischen und mathematischen Arbeiten, unter welchen sich die Werke des de Laplace und Lagrange befinden, sind mit grossem Fleisse und mit typographischem Verständnis ausgeführt, würden jedoch in Deutschland nicht für so epochemachend gehalten werden, wie es in Frankreich der Fall war. Als Schöpfer des modernen mathematischen Satzes muss der bis in sein 78. Jahr bei Gauthier-Villars arbeitende Bailleul † 30. Mai 1875.Setzer Bailleul betrachtet werden, der zuerst bei Crapelet ausgebildet war und bei dem Schriftgiesser Ch. Laboulaye in seinen Bemühungen Unterstützung fand. Er wurde zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Es sei dies als Zeichen eines anerkennenswerten Vorgehens der französischen Regierung angeführt, dass sie den hochverdienten Arbeiter ganz in derselben Weise wie den ersten Bürger ehrt, und andererseits ist es von den französischen Buchdruckern zu loben, dass sie neidlos die Verdienste ihrer Kollegen und Gehülfen in ein helles Licht zu setzen suchen, damit die Regierung sie kennen und schätzen lernt.