Lemercier.
Ein bedeutender Künstler in jeder Branche der Lithographie ist A. Lemercier. In den polychromen Unternehmungen fast aller Pariser Verleger finden sich die Erzeugnisse seiner Thätigkeit vor. Sein grosses Musterbuch ist eine so lehrreiche Geschichte der Lithographie, A. Racinet.wie man sie nur wünschen kann. Auch die Anstalt von Didot unter des verdienten A. Racinets künstlerischer Leitung nimmt in dem Chromodruck eine höchst bedeutende Stellung ein. Weltruf hat des letzteren L'Ornement polychrome erworben.
Lithographischer Buntdruck.
Im Bilderdruck leistete Frankreich im Verhältnis zu Deutschland wenig; die besten Leistungen sind die von Jehenne, Hangard-Maugé, J. F. Dupuy, Omer-Henry. Dagegen ist es Deutschland quantitativ und qualitativ voraus in der Verwendung des Farbendruckes zu illustrativen Zwecken. Es entstand in dieser Weise eine Reihe unvergleichlich schöner Werke, namentlich über Architektur, Kunstindustrie, Kulturgeschichte, ja selbst über Kochkunst, welche Meisterstücke sind sowohl hinsichtlich der korrekten Zeichnung als auch der technischen Durchführung und Naturtreue des Kolorits und dabei zu ungewöhnlich billigen Preisen geliefert werden. Auch in der Verwendung des Farbendruckes für die unzähligen Gegenstände der Papeterie behaupteten die Franzosen lange Zeit den Vorsprung. In dieser Branche zeichneten sich Testu & Massin (jetzt Champenois & Co.) und F. A. Appel aus. Letzterer lieferte Vorzügliches im Miniaturdruck und ist zugleich Spezialist im Plakatdruck auf Zink, dessen eigentlicher Erfinder Max Cremnitz ist. Ebenfalls im Plakatdruck erzielt J. Chévet grossen Effekt mit wenigen Farben; für Arbeiten zu wissenschaftlichen Zwecken ist Bequet & Fils bekannt. Etikettendruck betreiben in grossem Umfang Pichot & Co. Als ein seltener Fall ist noch das gute Gelingen der Assoziations-Anstalt unter der Firma Romanet & Co. zu erwähnen. Im Zinkdruck steht Monroq obenan. Die hervorragendste Erscheinung in der Photochromie ist Vidal und seine Trésor artistique de la France und Histoire générale de la tapisserie sind nicht übertroffen; doch dürfte seine Methode, als zu teuer und umständlich, nicht rasch in die Praxis dringen.
Als Kunstdrucker für Stiche ist Chardon hervorragend. Im Stichverlage dürfte wohl Goupil mit den Filialen in London, New-York, Brüssel, Haag, Berlin und Wien die erste Weltfirma sein. In ihren grossartigen Ateliers in Asnières bei Paris, unter der künstlerischen Leitung von Rousselon, wird der photographische Lichtdruck, hauptsächlich jedoch der Woodburydruck und die heliographischen Methoden in vortrefflichster Weise geübt.
E. Schieble * 1823, † 23. Okt. 1880.
Im Kartendruck erwarb sich Erhard Schieble (gen. Erhard) aus Forchheim in Baden einen bedeutenden Namen. Er verwendete alle Erfindungen der Neuzeit und brachte durch pastosen Auftrag der Farben vortreffliche reliefartige Wirkungen hervor. Die schönsten Karten der Regierung sowohl als der privaten Verleger stammen aus seiner Offizin.
A. Collas.
Erwähnt sei hier noch die von Achill Collas geübte Methode, erhabene Medaillons u. dgl. mittels des Storchschnabels zu gravieren (Glypthotik), in welcher die mehr oder weniger anschwellenden Linien vollständig den Eindruck von Reliefs gewähren. Le Trésor de numismatique in dieser Weise durchgeführt giebt einen glänzenden Beleg für den Wert der Glypthotik. Die ersten Versuche dieser Kunst hatte schon ein Deutscher Christ. Gobrecht in Philadelphia 1817 gemacht. 1819 kam die Maschine nach London und wurde von Turrel & Saxton verbessert. Für die Bank zu London konstruierte 1829 Bate eine die früheren weit übertreffende Maschine, die jedoch immer noch gegen die von Collas sehr zurückstand.