Der Bahnbrecher für die eigentlichen Luxusbücher, die unter Benutzung der Chromoxylographie und der Chromolithographie entstanden, war Léon Curmer (1834). Er gehörte einer alten irländischen Adelsfamilie an, war aber in Paris geboren. Wenige Verleger haben in dem Grade ihre Zeit begriffen, wie er sie verstand, und wenige haben in gleicher Weise, wie er es that, auf die Ausbildung des Kunstdrucks gewirkt ohne selbst die Kunst zu üben. Stets wusste er eine Anregung, eine neue Idee zu bringen. Wie reich er an Initiative war zeigt jeder seiner Verlagsartikel. Er verstand es, sich mit Künstlern zu umgeben, die ganz auf seine Intentionen eingingen, und so entstanden seine Werke aus einem Gusse. Eine seiner bewunderten Unternehmungen war Paul et Virginie, illustriert mit Holzschnitten von Tony Johannot und Meissonier, und auf das vortrefflichste von Evérat gedruckt. Es folgten dann Le Jardin des plantes, La Grèce pittoresque, L'Irlande pittoresque, Les Anglais und Les Français peints par eux-mêmes, Les Beaux-Arts, Les Contes des fées von Perrault und andere Werke. Prachtvoll waren seine religiösen Bücher mit Randleisten in Farbendruck und anderem Schmuck. Alle überragt L'Imitation de Jésu-Christ mit einer grossen Anzahl Nachbildungen von Miniaturen und Einfassungen in Farben und Golddruck, ebenso Le Livre d'heures de la Reine Anne de Bretagne.

Sowohl in dem chromoxylographischen als in dem chromolithographischen Druck besass Frankreich Meister ersten Ranges, so für ersteren G. Silbermann und E. Meyer, für letzteren Engelmann Vater und Sohn.

G. Silbermann * 1801, † 23. Juni 1876.

Kaum giebt es unter den neueren Typographen einen Namen, ausser dem Didotschen, der überall einen so guten Klang hat wie der Gustav Silbermanns in Strassburg[116]. Die Anfänge des Hauses sind in einer dortigen kleinen Buchdruckerei des Andreas Ulrich zu suchen, welche die Grossmutter Silbermanns 1798 ankaufte. Letzterer lernte bei Didot und ging dann zu seiner Ausbildung nach England und Deutschland. Als 1840 Engelmann, ebenfalls ein Elsässer, mit seinen Chromolithographien die allgemeine Aufmerksamkeit erregte, gründete Silbermann 1846 ein Etablissement in Paris, zur Herstellung chromoxylographischer Drucke, gab dies jedoch bald in die Hände seines Mitarbeiters, Ernst Meyer, der trotz seiner Tüchtigkeit nicht recht prosperierte und 1863 das Etablissement an Marc verkaufte. Silbermann war nach Strassburg zurückgekehrt und vervollkommnete fortwährend den Buntdruck. Eine seiner ersten Arbeiten dort war eine Ausgabe von Pfeffels Fabeln mit bunten Einfassungen. Für die englischen Modezeitungen lieferte Silbermann in grossen Auflagen farbige Stickmuster. Einer seiner bedeutendsten Drucke ist die Nachbildung des Banners der Stadt Strassburg, ein Blatt von 60 × 50 Centimeter. Da das Banner selbst 1793, das Bild, nach welchem es angefertigt war, 1870 zugrunde ging, so hat das Blatt einen um so grösseren Wert. Als eifriger französischer Patriot verliess Silbermann nach dem Kriege Strassburg und verkaufte sein Geschäft an M. Schauenburg in Lahr, erwarb es jedoch 1872 wieder, um es in die Hände seines früheren Schülers und durch 35 Jahre treuen Mitarbeiters Fischbach zu geben[117].

G. Engelmann * 17. Aug. 1788, † 25. April 1839.

War auch die lithographische Kunst dem Worte nach durch den Grafen Lasteyrie 1814 nach Frankreich gebracht worden, so ist dem Sinne nach Gottfried Engelmann[118] aus Mülhausen der eigentliche Einführer. Im Jahre 1816 etablierte Engelmann ein Atelier in Paris, 1820 brachte er die Lithographie nach Spanien, 1826 gründete er ein Haus in London. Er muss als der bedeutendste Förderer der Kunst Senefelders bezeichnet werden und steht zu dieser etwa in dem Verhältnis wie Schöffer zu der Erfindung Gutenbergs. Engelmann ist der eigentliche Schöpfer der Chromolithographie. 1837 ward ihm für seine Erfindungen ein zehnjähriges Patent erteilt und 1838 erhielt er den Preis der Gesellschaft zur Aufmunterung der Künste.

Joh. Engelmann † 25. Juli 1875.

Den Ruhm des Vaters behauptete der Sohn Johann Engelmann. Seine im Verein mit Aug. Graf betriebene Chromolithographie blieb lange die einzige in Paris. Ganz besonders widmete sich diese der Reproduktion von Glasgemälden und Miniaturen älterer Manuskripte. Das erste Livre d'heures in Chromolithographie ging nach dreijähriger Arbeit aus dem Atelier hervor. Ein Meisterwerk sind auch die Statuts de l'ordre du Saint-Esprit 1853.

Ganz vorzüglich sind die sogenannten Diaphanie-Bilder von Engelmann und Graf, welche in transparenter Chromolithographie die Glasmalerei täuschend nachahmen. Mit acht bis höchstens neun Farben, — mehr dürfen der Durchsichtigkeit wegen nicht verwendet werden, — brachten sie, nachdem die Bilder mit Firnis getränkt waren, die vortrefflichsten Effekte hervor.