Wie Frankreichs Fürsten ausnahmslos die Typographie liebten, wenn sie auch die Presse hassten, so erhielt sich im Volke fortwährend eine Liebe für schöne Bücher, und der Wunsch, solche zu besitzen. Es war weniger eine Bibliophilie oder Bibliomanie im Sinne der englischen Sammler, die enorme Summen für ein mangelhaftes Produkt zahlten, nur weil es alt und selten war; man fand in Frankreich Lust an dem Besitz „schöner“ Ausgaben auf Extra-Papier und in feinen und kostbaren Einbänden mit Stichen in ersten Abdrücken. Es wurden, um dieser Liebhaberei zu genügen, sehr viele Bücher in Frankreich gedruckt und gekauft nur der Ausstattung halber, und ein Bücherliebhaber erwarb unter Umständen zehn Exemplare eines und desselben Werkes, wenn es in zehn schönen Ausgaben zu haben war.

Die archaïstische Druckrichtung.

L. Perrin * 12. Mai 1799.

Natürlich war es demnach auch, dass das Zurückgreifen auf die Renaissance vornehmlich von Frankreich ausging und dort Nahrung fand. Unter den französischen Buchdruckern dieser Richtung zeichnen sich besonders zwei aus, Louis Perrin und D. Jouaust. Louis Benedict Perrin, in Lyon geboren, war mit bedeutendem Sinn für Kunst begabt. 23 Jahre alt etablierte er sich mit Durand. Perrin war von dem Gedanken beseelt, die Druckerei zu regenerieren. Das Mechanische sei zwar vollendeter geworden, jedoch die Kunst in der Schriftgiesserei fehle. Ein tüchtiger Maler Pierre Revoil bestärkte Perrin in seinen Ansichten, dass man zu den Formen zurückkehren müsse, deren sich Vascosan, de Tournes und andere bedient hatten. Perrin war nicht in der Lage, seine Ideen ohne Rücksicht auf die Kosten durchsetzen zu können, und in Frankreich war es einem Provinzialbuchdrucker doppelt schwierig, durchzudringen. Gegen das Jahr 1846 liess er eine Sammlung von schönen Kapitalschriften aus der Zeit des Kaisers Augustus schneiden. Die damit gedruckten Inscriptions antiques de Lyon 1854, ein grosser Quartband mit über 400 Inschriften, machte grosses Aufsehen und Didot erklärte das Buch für ein Meisterwerk ersten Ranges. 1854 konnte Perrin das erste Werk mit der von ihm nach Mustern des XVI. Jahrhunderts veranlassten Antiqua und Cursiv drucken: Luigi Cibarios Delle Artiglerie, welches er auch mit Vignetten im Renaissancestil schmücken liess.

In seinen Bestrebungen war ihm auch der Zufall günstig. Beim Durchsuchen der Nachlassenschaft des alten Hauses Rey in Lyon fand er eine vollständige Sammlung von Matern aus dem Ende des XVI. Jahrhunderts oder aus dem Anfang des XVII. Jahrhunderts, so dass er imstande war, eine Ausgabe von Rabelais mit denselben Typen zu drucken, die seinerzeit François Just und Etienne Dolet verwendeten. Unter seinen Drucken gelten für besonders schön Le Théâtre du Molière mit Vignetten von Hillemacher; die Généalogie de la maison de Savoye; Parfums, chants et couleurs. Der Sohn setzte das Geschäft mit Marinet fort.

D. Jouaust.

Als sein Rival ist D. Jouaust[123] zu nennen, welcher namentlich die Werke der Académie des bibliophiles, den Verlag des Herausgebers der Bibliothèque Elzévirienne, P. Janet, später Paul Daffis', sowie des A. Lemerre druckte. Seine Ausgabe des Dichters Régnier gilt als eine Musterleistung. Der Druck solcher Ausgaben erfordert je nach der Verschiedenheit des Papiers eine andere Behandlung und bedingt eine fortwährende Aufmerksamkeit. Das Papier Whatman, von einer feinen, festen und durchsichtigen Masse, zeichnet sich durch eine blendende Weisse aus, welche nicht das Resultat irgend eines chemischen Prozesses ist, sondern nur von der Vorzüglichkeit des verwendeten Materials herrührt. Das chinesische Papier, in welches die Schwärze leichter eindringt, giebt einen Druck von milderer und gleichmässigerer Färbung und ist namentlich für Bücher mit Vignetten geeignet. Das Pergament zeigt sich dagegen widerspenstig in der Annahme der Farbe und verlangt die allergrösste Sorgfalt in der Behandlung.

Derjenige Verleger, der sich am meisten um die Verbreitung der Ausgaben für Bücherliebhaber und die archaïstische Richtung in der Druckerei bemüht hat, ist Pierre Janet, aus Bordeaux gebürtig. Seine Elzevierbibliothek alter und klassischer französischer Autoren des XVI. und XVII. Jahrhunderts umfasst mehr als 100 Bände und wurde von Paul Daffis fortgesetzt. Daneben beschäftigte sich Janet eifrigst mit der Verbesserung der Zeichen für die chinesische Sprache, welche er sich selbst zu eigen gemacht hatte.

Unterstützung fanden solche Bestrebungen nicht minder bei Bachelin-Deflorenne durch dessen Bibliophile français illustré; Album de Relieures; Armorial du Bibliophile und seine Collection des bibliophiles français. Léon Téchener Fils ist Herausgeber von Bulletin du bibliophile und Bulletin universel de la Bibliographie.