G. Charpentier * 1805.
Durch den Buchdrucker Henri Delloye unternahm G. Charpentier eine Sammlung französischer Werke in dem nach ihm benannten und oft zur Verwendung gekommenen hübschen Format in 18°. Diese elegant und kompakt gedruckten Bände, von denen in wenigen Jahren über 400 erschienen, fanden durch ihre Eleganz und den damals wohlfeilen Preis von 3½ Franken grossen Beifall.
Unter den Herausgebern von Werken der schönen Litteratur ist Ch. A. Perrotin, der Verleger Bérangers, zu nennen. Er erwarb des letzteren Gedichte gegen Zahlung einer Jahresrente, die er freiwillig bedeutend erhöhte, und blieb Bérangers Freund bis an dessen Ende und nachher sein Testamentsvollstrecker. Pourrat Frères druckten eine sehr schöne Ausgabe von Chateaubriands Werken in 36 Bänden. Bekannt waren auch Gustave Barba, Vater und Sohn, welche den Roman in Heften zu 20 Cent. einführten. Mit immensem Erfolg lieferte Charles Gosselin die Werke W. Scotts, Coopers, Lamartines u. a.
Die bedeutendsten Romanverleger waren jedoch Michel Lévy Frères (1836), jetzt Calman Lévy, deren jährliche Produktion etwa 1¾ Millionen Bände beträgt, in etwa 200 neuen Werken und 650 neuen Abdrücken. Sie gaben eine grosse Zahl der Werke Scribes, Dumas' u. v. a. heraus und führten die billigen Ausgaben in Bänden zu 1 Frank (jetzt 1 Frank 25 Cent.) ein, deren Zahl mehr als 1500 beträgt, während die Zahl der Theaterstücke an 6000 heranreicht. Sie gründeten auch L'Univers illustré.
Wir wenden uns jetzt einer Firma zu, welche sich in keine Klasse einordnen lässt, fast einzig in ihrer Art dasteht und, obwohl zu den jüngeren gehörend, alle anderen überflügelt hat: L. Hachette & Co.
L. Hachette & Co.
„Sollte jemand dem Verleger die Eigenschaft als Produzent streitig machen, und ihn zu einem einfachen Händler stempeln wollen, der nichts zu thun hat, als das Manuskript in die Druckerei zu tragen und dann das zurückempfangene Druckwerk einfach zu verkaufen, so möchten wir ihm die Leistungen der Firma Hachette entgegensetzen“[121], sagt ein Bericht über die Wiener Ausstellung 1873 und diese Worte müssen sich unwillkürlich dem aufdrängen, welcher das Entstehen und das Wachstum dieses Hauses[122] ins Auge fasst. Sein Begründer Louis Hachette, geboren in Rethel, lag erst den Studien ob und begründete dann, 1836, eine pädagogische Buchhandlung unter der Devise: Sic quoque docebo. 1837 erhielt er auch Brevet als Buchdrucker, die Firma übte jedoch dies Geschäft nicht. Im Jahre 1859 traten seine Schwiegersöhne L. Breton und A. Templier dem damals bereits bedeutenden Geschäfte als Teilhaber bei. Unverrückt wurde von der Begründung ab die Thätigkeit auf alles gewendet, was für die Erziehung des Kindes, die Belehrung und Veredlung des Jünglings oder der Jungfrau, die Fortbildung des Mannes oder der Frau dient, und mit Stolz kann die Firma auf ihren, eine ganze und grosse Bibliothek bildenden Verlag zurückblicken und mit dem Bewusstsein, nie die edelste der Künste anders als in würdiger Weise verwendet zu haben. Und dies bezieht sich nicht allein auf das Innere der Bücher, sondern auch äusserlich ist alles in der besten Ausstattung hergestellt, manchmal zu erstaunlich billigen Preisen. Dieses konsequente, nie nachlassende Streben hat auch seinen äusseren Lohn gefunden und das Haus Hachette steht durch seine Grösse und die vortreffliche Organisation wohl unübertroffen da. Die mit 300 Angestellten arbeitende Anstalt unter Leitung der Teilhaber G. Hachette, Breton, E. und A. Templier und R. Fouret versendet monatlich gegen 18000 Kolli und hat einen jährlichen Umsatz von etwa 15 Millionen Franken. Wie Mame widmen sie dem billigsten Buche dieselbe Sorgfalt wie dem teuersten, und was dies sagen will begreift sich, da die Verlagswerke der Zahl 5000 nahekommen. Aus dieser Masse Einzelnes herauszugreifen hat seine Schwierigkeiten, es seien nur kurz erwähnt die bändereichen Kollektionen Bibliothèque variée; Bibliothèque des chemins de fer; die Guides-itinéraires; die Bibliothèque rose illustrée; der Dictionnaire des contemporains von G. Vaperau; das in mehr als 150000 Exemplaren gedruckte illustrierte Journal pour tous, schliesslich ein monumentales Druckwerk für Jahrhunderte: die Prachtausgabe der vier Les Évangiles.Evangelien, zwei Bände im grössten Folioformat. Bida lieferte hierzu im Format des Werkes 128 Zeichnungen, die von fünfzehn der besten Künstler radiert wurden. Die Zeichnung zu der von der fonderie générale geschnittenen Schrift rührt von Ch. Rossigneux her, der ebenso 290 Zeichnungen zu den in Stahl gestochenen Anfangs- und Schlussvignetten, sowie zu den Initialen, unter Vermeidung der Anwendung jeder menschlichen Figur, komponierte. Jules Claye führte den typographischen Druck aus. Rote, quer über das ganze Format gehende Linien umgeben den Text. Die Anwendung der verschiedenen Druckweisen, Kupfer- und Bücherdruck, und der rote Druck, verlangten, dass jeder Bogen 32 mal durch die Hände der Arbeiter ging, ehe er als fertig bezeichnet werden konnte. Elf Jahre wurden unausgesetzt auf die Arbeit verwendet.
Die Bibliophilie.