Der Schatz, welchen Antwerpen in dem Plantin-Museum besitzt, durch welches diese Stadt ein typographisches Mekka geworden, ist bereits (I, S. 225) ausführlicher besprochen[136].
Statistisches.
Die Zahl der Buchdruckereien in Belgien beträgt 639; davon kommen auf Brüssel 101, Antwerpen 51, Lüttich 37, Gent 34, Brügge 21. Unter den Schriftgiessereien zeichnen sich Vanderborght und Meline Cans & Co. aus. Die Zeitungspresse[137] Belgiens teilt sich in zwei, einander gegenüberstehende Lager, das katholische und das liberale. Im Jahre 1840 hatte Belgien nur 75 Journale, darunter 39 vlämische. 1880 war die Zahl auf 388 gestiegen, darunter 143 in vlämischer Sprache. 54 Zeitungen erscheinen täglich. Die älteste derselben ist das 1764 gegründete Journal de Liège. Unter den Fachblättern sind zu nennen die Annales de l'imprimerie.
ITALIEN.
Italien.
Italien seufzte in der vorliegenden Periode unter dem Druck der Fremdherrschaft bald österreichischer, bald spanischer und französischer Machthaber. Jede freiere Geistesregung war verschwunden und infolge davon vegetierte auch die einst so blühende Typographie nur in kümmerlichster Weise fort. Der kleinen Stadt Parma allein war es beschieden, durch den einzigen bedeutenden Meister dieser Zeit einen grossen, jedoch nur kurz andauernden Ruf zu gewinnen.
J. B. Bodoni * 16. Febr. 1740, † 30. Nov. 1813.
Dieser Meister, Johann Baptist Bodoni[138], ward in Saluzzo von einfachen aber respektablen Eltern geboren. Die Anfänge der Kunst lernte er bei dem Vater und bereits frühzeitig entwickelte er ein nicht gewöhnliches Zeichentalent und schnitt in seinen Freistunden Vignetten in Holz, die später, nachdem der unbekannte Holzschneider ein berühmter Buchdrucker geworden war, von Sammlern sehr gesucht wurden.
Bodoni in der Propaganda.
Achtzehn Jahre alt begab er sich mit einem Freunde nach Rom, wo der letztere einen Onkel hatte, von welchem die Wanderer Unterstützung erwarteten. Die kleine Barschaft war unterwegs bald aufgezehrt, da half Bodoni durch Verkauf von Holzschnittvignetten an Buchdrucker. Den nach Rom Gekommenen erklärte der Onkel nicht helfen zu können. Bodoni war zur Rückkehr entschlossen, wollte jedoch wenigstens der berühmten Offizin der Propaganda einen Besuch abstatten. Bei diesem erregte die Lebhaftigkeit und das gefällige Wesen Bodonis die Aufmerksamkeit des Direktors, Abbé Ruggieri, und er wurde engagiert. Auf Veranlassung der obersten Spitze der Anstalt, des Kardinals Spinelli, der Bodonis Streben wohlgefällig bemerkte, nahm dieser an einem Kursus der orientalischen Sprachen Anteil und lernte auch Arabisch und Hebräisch lesen. Mit der typographischen Ausführung eines arabisch-koptischen Missale und des Alphabeticum Tibetanum des Paters Georgi betraut, entledigte er sich der Aufgaben in so befriedigender Weise, dass Ruggieri dem Schlusse des Werkes den Vermerk: „Roma, excudebat J. B. Bodoni, Salutiensis 1762“ aufdrucken liess.