Die Typographie in Italien.

So finden wir bis um die Mitte unseres Jahrhunderts die Typographie und das Buchgewerbe Italiens in einem wenig erfreulichen Zustande. Die Zensur war eine ausserordentlich strenge und die Bücher, die in einem Teil des Landes gedruckt waren, konnten nicht unbehindert in einem anderen vertrieben werden. In Neapel existierten Zölle, die gleich einem Verbot wirkten; dabei florierte der Nachdruck und der Verkehr mit dem Auslande bot die grössten Schwierigkeiten.

Statistisches.

Im Jahre 1833 gab es 464 Buchdruckereien und Buchhandlungen; 1835 wurden 2819 Werke in 4295 Bänden herausgegeben. 1836 zählte man, einschliesslich der offiziellen Zeitungen der verschiedenen Staaten, nur 185 Zeitschriften, davon 26 in Neapel, 19 in Mailand, je 10 in Rom und Turin, je 8 in Palermo und Florenz.

Die 1848 in Piemont eingeführte Pressfreiheit trug zwar bald Früchte, jedoch datiert der eigentliche Fortschritt erst von der Einigung Italiens. 1859 gab es gegen 600 Buchdruckereien mit etwa 2000 Pressen. Turin hatte 780 Setzer, 164 Handpressen und 47 Schnellpressen, bei deren Einführung man nicht darauf drucken wollte, bevor die Macht des Satans über sie durch Besprengung derselben mit geweihtem Wasser seitens eines Geistlichen beseitigt war. 1872 bestanden bereits 911 Buchdruckereien, in welchen 745 Schnellpressen, 2691 Handpressen und nahe an 11000 Personen beschäftigt wurden. Unter den 1083 Buchhandlungen verdienten allerdings eine ziemliche Anzahl kaum diesen Namen. Viele, selbst bekannte Schriftsteller mussten ihre Werke auf eigene Kosten drucken lassen.

Die buchhändlerische Produktion, welche 1863 4243 Werke betragen hatte, war 1872 auf 6798 neue Werke gestiegen. 6509 Fortsetzungen waren noch im Gange, wozu noch 2666 Gesetze, Statuten etc. kamen, so dass die ganze Produktion 15973 Nummern betrug[139].

Im Jahre 1869 war die Zahl der Zeitschriften auf 450 angewachsen. Damals zeigte sich die grösste journalistische Thätigkeit in dem Norden, dem eigentlichen Herde der Freiheit Italiens. Turin zählte derzeit über 100 Zeitschriften, Mailand 80, Florenz 51, Genua 37. Zwei Drittel derselben waren politischen Inhalts; 75 erschienen täglich, 65 zwei- bis dreimal, 179 einmal wöchentlich. 1872 war die Zahl schon 723. Obenan stand damals Florenz mit 101, während Turin auf 75 gesunken war. Im Jahre 1873, mit 1126 Zeitschriften, hatte Mailand mit seinen 137 den Vorsprung über Florenz und Turin gewonnen, Rom zählte 109; ihm folgte Florenz mit 107 auf dem Fusse, dann Turin mit 85, Neapel mit 81, Genua mit 51, Palermo mit 48, Venedig mit 38, Bologna mit 36. Die Gesamtauflage einer Nummer aller Zeitschriften betrug 1¾ Millionen Stück. Die Post versandte jährlich gegen 100 Millionen einzelne Nummern. Zeitungen mit einer allgemeinen grossen Verbreitung gab es in Italien nicht; jedes Städtchen hängt an seinem Lokalblättchen.

Wie rasch Italien sich unter seinen neuen Verhältnissen entwickelt, geht schon daraus hervor, dass 1881 die Zeitschriften auf 1854 gestiegen waren, unter welchen 159 Tageszeitungen.

Werfen wir noch einen Blick auf die Pressthätigkeit der einzelnen Städte.