Venedig.
Venedigs hoher typographischer Ruhm war wie sein politischer zu Grabe getragen, wennauch einzelne bedeutendere Erscheinungen sich sporadisch zeigten, zu welchen Alvisopolis vortreffliches Prachtwerk Le fabbriche più cospicue di Venezia, zwei Bände in Folio, gehörte. Aus alter Zeit hat sich nur die armenische Offizin Mechitaristen.der Mechitaristen auf der Insel S. Lazaro (I, S. 186) erhalten. Das Kloster entging auf Grund seiner wissenschaftlichen Bestrebungen der Aufhebung unter napoleonischer Herrschaft und wurde zu einer armenischen Akademie erhoben, die noch existiert und für welche die Offizin eine Monatsschrift Pasmaveb (der Polyhistor) druckt, von welcher dreissig Bände erschienen. Die Akademie erwählte auch auswärtige Mitglieder, zu welchen Lord Byron zählte, der oft und gern dort verkehrte und armenische Studien trieb. Zu ihren bedeutenderen Leistungen aus neuerer Periode gehören der Thesaurus linguae armenicae und die Chronik des Eusebius in armenischer, lateinischer und griechischer Sprache, sowie das Dizionario armeno-letterale. Als Probe ihrer Produktionsfähigkeit liessen die Brüder-Typographen 1837 die Preces sancti Nercetis in 24 Sprachen erscheinen[140].
In Udine erschien bei den Brüdern Mattiuzzi eine schöne Ausgabe von Vitruvii Pollionis Architectura, vier Bände in Quart, 1825.
Panfilo Castaldi.
Ein sonderbares Schauspiel vollzog sich am 25. September 1868 in dem Städtchen Feltre, an welchem Tage unter grossen Festlichkeiten ein Monument des Erfinders der Buchdruckerkunst — selbstverständlich nicht Gutenbergs, sondern des Italieners Panfilo Castaldi — enthüllt wurde.
Der Prätor Antonio Cambruzzi schrieb um 1556 in seiner Geschichte der Stadt Feltre: »Um diese Zeit (1456) lebte Pamfilio Castaldio, Doktor der Rechte und Dichter, in Feltre, der die Erfindung (!) der Buchdruckerkunst entdeckte (!!). Der Burggraf Faust lernte von ihm diese Kunst, als er in seinem Hause zu Feltre wohnte, um die italienische Sprache zu studieren. Er führte die Druckkunst nach Deutschland, übte sie in Mainz und bekam nachher von Einigen den Titel des ersten Erfinders. Andere haben diese Erfindung einem Deutschen namens Cuttembergo aus der Stadt Strassburg zugeschrieben, allein der erste Erfinder ist, »„wie aus den Chroniken von Feltre erhellt««, Pamfilio Castaldio gewesen“.
Recht schade ist es, dass diese „erhellenden Chroniken“ nicht existieren. Indes dies geniert die „späteren Zeugen“, die auf Cambruzzi fussen und ihn sogar fälschen, nicht, wie es auch Gutenbergs Manen nicht genieren wird, dass seinen Konkurrenten in Feltre und Haarlem Statuen errichtet wurden. Fast möchte man aber glauben, dass es Italien besser angestanden hätte, der Zierde der italienischen Typographie, dem Aldus Manutius, ein würdiges Monument zu setzen, statt einer mythischen Person zu huldigen, zu einer Zeit, wo der Nebel, welcher die Geschichte der Erfindung bisher umhüllte, wenigstens so weit zerstreut ist, dass man nicht Erfindern à la Castaldi und Coster Denkmäler errichten sollte.
In jüngster Zeit hat der Vorsteher des Staatsarchives zu Mailand, Cesar Cantu, zwei Urkunden entdeckt, nach welchen sich ergiebt, dass Castaldi im Jahre 1472 in seinem 74. Lebensjahre als Lehrer der Buchdruckerkunst von dem Herzog Galeazzo Maria Sforza in Mailand nach dort berufen und dass ihm das Recht erteilt wurde, eine Druckerei zu eröffnen. Wie damit eine Erfindung seitens des Castaldi bewiesen werden soll, ist nicht leicht ersichtlich[141].
Padua.
Padua beansprucht den etwas zweifelhaften Ruhm, in seinem sogenannten Dantino das mit der kleinsten Schrift gedruckte Buch hervorgebracht zu haben. Im Jahre 1834 hatte bereits Antonio Farina eine Schrift, die er Occhio di mosca (Fliegenauge) nannte, geschnitten. In demselben Jahre trat Claudio Wilmant mit einer noch kleineren, Milanina, hervor. Nach vielem Herumirren derselben schloss der letzte Besitzer dieser Schrift, Giovanni Gnocchi, 1873 einen Vertrag mit den Gebrüdern Salmin in Padua über den Druck einer Ausgabe von Dantes göttlicher Komödie ab und nach fünf Jahren erschien dieselbe.