Rückgang und neuer Aufschwung.
Nach einer kurzen Blüte folgte wieder Stillstand unter der Regierung Selims III. und während des Anfangs der Regierung Mahmuds des Grossen. Nachdem jedoch durch Ausrottung der Janitscharen Ruhe im Innern hergestellt war und Mahmud sich den Werken des Friedens widmen konnte, kam die Reihe auch bald an die Staatsdruckerei. Im Jahre 1831 wurde dieselbe von Skutari wieder nach Stambul übergeführt und erhielt dort eine grosse Lokalität. Neue Pressen wurden aus London, neue Typen aus Venedig eingeführt und Arbeiter namentlich aus Deutschland herbeigeschafft.
Ein rascher Aufschwung machte sich bemerkbar. Die überall versteckten Schätze der türkischen Litteratur wurden gesammelt, um in guten und billigen Ausgaben dem Volke zugänglich gemacht zu werden. Man veröffentlichte die Werke der Reichsgeschichtsschreiber und liess viele tüchtige Fachwerke, namentlich militärische und medizinische, aus europäischen Sprachen übersetzen.
Nach einer Glanzperiode von etwa zwanzig Jahren trat unter Abdul Aziz und unter unglücklichen politischen und finanziellen Konjunkturen ein Rückgang ein, der erst unter Abdul Medschid aufhörte.
Jetziger Zustand.
Konstantinopel besitzt vier kaiserliche Druckereien, zwei unter Leitung des Ministeriums des Innern, von welchen die eine sich mit der Herstellung von allen offiziellen Aktenstücken, die andere sich mit Bücherdruck beschäftigt. Die dritte, unter das Kriegsministerium ressortierende Druckerei dient nur militärischen Zwecken; die vierte, mit welcher eine lithographische Anstalt für die Arbeiten des Generalstabes verbunden ist, befindet sich in dem Palast Dolma-Bagdsche und steht unter der unmittelbaren Leitung des Palastmarschalls. Die Ausführung der öffentlichen Arbeiten ist eine durchweg gute.
Von Privatdruckereien waren 1880 etwa 25 vorhanden, unter welchen sich die Offizinen des armenischen und des griechischen Patriarchen, sowie die des Gross-Rabbi befinden. Von lithographischen Anstalten gab es ebensoviele. Die Zahl der Schnellpressen war gegen 70, der Tret- und Handpressen 120, beschäftigt waren gegen 500 Personen. In den nationalen Sprachen erschienen etwa 200 Werke.
Zeitungswesen.
Das Zeitungswesen entstand erst spät. Im Jahre 1852 erschien in Smyrna der Spectateur de l'Orient; 1831 wurde der Moniteur ottoman (Wekaje) gegründet, der später auch türkisch gedruckt wurde. Nach den offiziellen Angaben aus dem Jahre 1878 erschienen in Konstantinopel 72 Zeitungen und Zeitschriften, unter welchen 30 Tagesblätter. Von den Zeitschriften sind 16 in türkischer, 20 in französischer, 12 in griechischer, 13 in armenischer Sprache. Eine Verordnung von 1879 verbot, vor 6 Uhr türkischer Tageseinteilung (ungefähr unsere Mittagsstunde) die Zeitungen auszugeben, was für diese, deren Verteilung sonst um 6 Uhr früh stattfand, ein grosser Schlag war. Eine illustrierte Zeitung Mussaveri Turkestan (Illustrierte Türkei), herausgegeben von der Gesellschaft der Freunde des Vaterlandes, erscheint wöchentlich.
Asiat. Türkei.