Die Papierfabrikation.

Die Papierfabrikation Deutschlands ist eine sehr bedeutende und beträgt nahe an 250 Millionen Kilogramm. Zur Herstellung sind 785 Papiermaschinen und 185 Bütten und die Arbeit von etwa 80000 Menschen notwendig. Ausserdem wirkten noch 260 Holzschleifereien, 45 Rohstofffabriken und 20 Cellulosefabriken, zusammen mit etwa 7500 Arbeitern. Rechnet man hinzu etwa 40000 Menschen, die mit Hadernsammeln und Nebenarbeiten beschäftigt sind, so giebt das ein Arbeiterkontingent von rund 128000 Köpfen. Um den Umfang dieser einen Branche richtig zu beurteilen, wären noch alle diejenigen mitzuzählen, die sich mit dem Papierhandel und der Fabrikation von Brief- und Luxuspapieren, Pergamentpapier, Couverts, Tapeten, Handlungsbüchern, Papierwäsche etc. etc. beschäftigen[165].


Die Buchbinderkunst[166] stand, als nach der Mitte unseres Jahrhunderts die Buchdruckerkunst auf ihrem Höhepunkt angelangt war, noch beträchtlich zurück und es dauerte auch noch eine zeitlang, ehe sie einen frischen Anlauf nahm.

Der Leinwandband.

Der Leinwand-„Einband“ dominierte vollständig. Man begnügte sich nicht wie in England mit diesem als einer provisorischen Hülle, sondern die Leinwanddecke war in Deutschland das definitive Kleid des Buches für Jahrhunderte (?). In der Verzierung solcher Bände ging man noch weiter als in England und verwendete neben den Goldverzierungen oft die Hochprägung, bei welcher Medaillon-Porträts, Büsten, allegorische Figuren, Lyras, Palmenzweige, sogar Landkarten zur Verwendung kamen. Die Hautreliefs wurden bald flach gedrückt. Man gewöhnte sich, den Einbanddeckel als etwas zu betrachten, was er nicht ist und nicht sein soll: ein illustrierter Titel oder ein Frontispice, um den Inhalt des Buches zu erläutern.

Die Massenbände.

Der Betrieb des deutschen Buchhandels und die deutschen Verhältnisse waren dieser Verwendung des Leinwandbandes günstig. Die Verleger liessen ganze Auflagen in Leinwand binden und unter dem Publikum verbreiten. Ausser den Verlegern waren es noch die „Grosssortimenter“, welche dem Leinwandband Vorschub leisteten. Die Genannten kaufen von den Verlegern grosse Partien gangbarer Bücher, lassen dazu „stilvolle“ Platten anfertigen und verkaufen nun die gebundenen Bücher an die eigentlichen Sortimentshändler zu Bedingungen, die es den letzteren noch möglich machen, dem Publikum so wohlfeile Preise zu stellen, wie sie ein einzelner Privatbesteller beim Buchbinder auch nicht annähernd erzielen kann.

Im Prinzip ist diese Einrichtung gewiss eine höchst praktische, aber die Preise werden der Konkurrenz halber dem Buchbinder gegenüber so heruntergedrückt, dass Pfennige den Ausschlag geben, wodurch es dem Buchbinder fast unmöglich wird, auf Falzen, Heften und auf die Zuthaten an Pappe, Vorsetzblättern u. dgl. die nötige Sorgfalt und Ausgabe zu wenden.

Fortschritte im Geschmack.