Hinsichtlich der Dekoration des Leinwandbandes sind in jüngster Zeit ganz wesentliche Fortschritte gemacht worden. Die schreienden Farben der Leinwand haben den zarteren Modefarben und der Pergament-Imitation Platz machen müssen[167]. Das „Bemalen“ oder „Ausmeisseln“ der Bände durch Figurales, Landschaftliches etc. hat mehr und mehr aufgehört und wird durch Flachornamente ersetzt, für welche man die vielen trefflichen Vorbilder früherer Zeit benutzt oder tüchtige Künstler gewinnt. Ein Fehler ist noch ziemlich verbreitet: der übergrosse Reichtum der Ornamentierung und Überladung mit Silber, Gold und Mosaik imitierenden Farben. Je mehr man sich gewöhnen wird, die körnige Chagrin-Imitation und einfache Ornamentierung zu verwenden, um so mehr wird das Leder-Surrogat, welches wir nun einmal nicht werden entbehren können, seinen Platz in zweckmässiger Weise ausfüllen.

Die Handarbeit.

Die Handarbeit, namentlich den Halbfranz, lernt man in der letzten Zeit in Deutschland wieder schätzen und es sind hierin tüchtige Fortschritte gemacht worden. Von Lederbänden wird nicht viel die Rede sein können, solange die Kreise der wohlhabenden Kaufleute und Fabrikanten, sogar Magnaten keine gewählte Bibliothek besitzen. Die Sammler sind meist unter den Gelehrten, Beamten, selbst unter den weniger gut dotierten Landgeistlichen zu suchen. Deshalb haben die Buchbinder, falls es ihnen wirklich um die Förderung ihrer Kunst Ernst ist, sich vor der Klippe zu hüten, als Revanche für den Druck, den sie durch die Verleger und Grosssortimenter zu erleiden hatten, das Publikum zu überteuern und zu glauben, dass jeder, der gern ein Buch hübsch binden lassen will, ein reicher Büchernarr sei, dem man jeden Preis abverlangen könne. Begnügt sich der Buchbinder bei reeller Bedienung mit einem mässigen Vorteil, so wird er immer noch in Deutschland ein kaufendes Publikum finden.

Die Buchbinderkunst in Österreich.

In Bezug auf ein solches ist der Buchbinder in Österreich schon besser situiert und die Buchbindung hat demzufolge auch schon beträchtliche Fortschritte gemacht. Doch betreffen diese im allgemeinen noch mehr die Album- und Portefeuille-Fabrikation als die eigentliche Buchbinderei. Eine mächtige Einwirkung auf den Geschmack hat das Kunstgewerbe-Museum in Wien geübt. Man schliesst sich mehr der Art der Franzosen an und übertrifft diese in der Ledermosaik, die eine wirklich eingelegte Arbeit ist.

Die Vorteile der Maschinen.

Was den Betrieb der Buchbinderei betrifft, so hat dieser einen sehr wichtigen Anteil an den Vorteilen gehabt, welche das Maschinenwesen jedem Geschäft gebracht hat (vgl. Kap. [XI]). Die Maschinen besorgen das Falzen der Bogen, das Walzen des gefalzten Bogens, das Heften desselben mit Faden oder Draht, das Beschneiden und Pressen des Buches, das Abrunden des Rückens, das Einfassen, die Anbringung der Kapitäle, das Schneiden und Abschrägen der Pappen, das Pressen und Vergolden der Deckel. Für die sonstigen Arbeiten der Buchbinder sind die Couvert- und Klebemaschinen, Liniier- und noch viele andere Maschinen da.

Fußnoten:

[150] Zwei wertvolle neuere Einlagen in der Streitfrage „Antiqua oder Fraktur“ sind: F. Soennecken, Das deutsche Schriftwesen und die Notwendigkeit seiner Reform, Bonn 1881, und Dr. Johann Kelle, Die deutsche und die lateinische Schrift, Separatabdruck aus der Rundschau 1882.