X. KAPITEL.
DIE SCHRIFT UND DIE ILLUSTRATION
IN DEUTSCHLAND-ÖSTERREICH.
Aufschwung der Schriftgiesserei. Ed. Hänel. Die deutsche Druckschrift. Walbaum Vater und Sohn. Hamburg, Berlin, Leipzig, Frankfurt a. M. Österreich. G. Haase, C. Faulmann. Die Stereotypie, die Galvanoplastik, die Dynamo-Elektrik. Die Giessmaschine. Die Illustration: Verfall im XVIII. Jahrhundert, Wiedererwachen des Holzschnitts. Die Unger, Gubitz, Unzelmann, Kretzschmar u. a. Österreich: Prestel, Höfel, Knöfler u. a. Die Planotypie. Die Stigmatypie: Carl Fasol.
Aufschwung der Schriftgiesserei.
Ed. Hänel
LANGSAMER als in England und Frankreich entwickelte sich die Schriftgiesserei in Deutschland. Erst aus den dreissiger Jahren datiert der eigentliche Aufschwung des reineren Geschmacks in den Produktionen derselben und an Einfluss in dieser Richtung kam niemand Eduard Hänel gleich. Er führte die neuesten und schönsten französischen und englischen Antiquaschriften ein, liess die geradestehende griechische, Kanzlei, fette und halbfette, gothische und andere Zier- und Auszeichnungsschriften schneiden oder erwarb aus dem Auslande die besten Matern zu denselben.
Im Accidenzdruck brachte Hänel eine vollständige Umwälzung hervor und aus seiner Magdeburger Offizin, und nach dem Brande derselben im Jahre 1838 aus seinem Berliner Institut gingen vorzügliche Druckarbeiten hervor. Er war der erste, der den Compound-Druck (S. [80]), den er Congreve-Druck nannte, nach Deutschland brachte. Mit seinen Guillochen- und Unterdruckplatten, namentlich seinen Spitzenmustern enthusiasmierte er das deutsche Publikum. Fast kein Umschlag, ja kaum ein Rechnungsformular konnte damals ohne Guillochen und Buntdruck hergestellt werden. Bereits 1837 hatten seine Zierstücke die Zahl von 2813 erreicht.
Der Kampf mit der Lithographie ward damals mutig von den Buchdruckern aufgenommen. Viele der letzteren warfen sich mit Eifer auf das Accidenzfach und andere Schriftgiesser folgten dem Beispiel Hänels. Es war eine Zeit des regsten, lustigsten Schaffens, vom Guten, Halbguten und Geschmacklosen, vom Praktischen und Unpraktischen unter einander.
F. W. Gubitz.
W. Pfnorr.