Stigmatypie von Fasol.

Ein anderes Verfahren oder vielmehr eine besondere Verwendung der einfachsten typographischen Figur, des Punktes, zur malerischen Typographie, die Stigmatypie, fand besonders in Wien durch Carl Fasol Pflege.

Mit fünf Graden von Punkten liefert derselbe nicht allein die kompliziertesten Ornamente, sondern auch förmliche bildliche Darstellungen: Porträts, Architektonisches, Landschaftliches, Blumen- und Fruchtstücke mit Licht- und Schatteneffekten, die, wenn man des benutzten Materials eingedenk bleibt, geradezu wunderbar sind. Die Zeichnung wird auf karriertes Papier übertragen und zur Erleichterung beim Setzen die Stärke der zu wählenden Punkte durch Farbennuancierungen kenntlich gemacht. Um die unendliche Mühe einer solchen stigmatypischen Arbeit zu beurteilen, mag die Erwähnung des Umstandes genügen, dass zu einem Fruchtstück in der Grösse von 11×13 Zoll etwa 80000 Punkte gehörten. Man muss dem bedeutenden Talent und der grenzenlosen Ausdauer des Künstlers seine Achtung zollen, jedoch nicht ohne eine herbe Beimischung von Bedauern, dass doch nur bedingungsweise Gelungenes zustande gebracht werden kann, was man mit weniger Mühe und Aufwand in anderer Weise besser und leichter hätte erzielen können. Doch bleiben diese stigmatypischen Arbeiten eine Anspornung für den Typographen, sein Material gut zu benutzen, wenn er sieht, mit wie wenigen Mitteln sich etwas Hübsches schaffen lässt und deshalb verdienen die von Fasol herausgegebenen Proben („Album der Buchdruckerkunst“, fünf Hefte in Folio, 1868–1881) einen Platz in jeder grösseren Druckanstalt und in jeder typographischen Gesellschaft.

Fußnoten:

[168] Zu dem 50jährigen Jubiläum am 28. Februar 1883 erschien „Chronik der Schriftgiesserei Genzsch & Heyse“.

[169] C. R. Lepsius, Standard-Alphabet. II. Ed. London 1863. — Fr. Ballhorn, Alphabete orientalischer und occidentalischer Sprachen. 12. Aufl. Nürnberg 1880. — F. Theinhardt, Liste hieroglyphischer Typen. Berlin 1875. — H. Brugsch, Mémoire sur la réproduction imprimée des caractères démotiques. Berlin 1868.

[170] F. Soennecken, Das deutsche Schriftwesen. Bonn 1881. — H. Smalian, Praktisches Handbuch für Buchdrucker im Verkehr mit Schriftgiessereien. 2. Aufl. Leipzig 1877. — J. H. Bachmann, Die Schriftgiesserei. Leipzig 1868.

[171] Journ. f. B. 1879, Nr. 29.

[172] Die in zwanglosen Zwischenräumen erscheinenden „Typographischen Mitteilungen von J. G. Schelter & Giesecke“ dienen ihrem Geschäft als Organ, enthalten aber auch Nachrichten und Belehrungen von allgemeinem Interesse.