XI. KAPITEL.
DIE TYPOGRAPHISCHEN MASCHINEN
IN DEUTSCHLAND.
Fr. König und die Schnellpresse. Die Bedeutung derselben. Jugendgeschichte Königs. Seine Rückkehr aus England. Etablissement König & Bauer in Oberzell. Kampf und Sieg. Die Zweifarbenmaschine. Die Endlose. Die Maschinenfabrik Augsburg und andere Fabriken Deutschlands. Helbig & Müller in Wien und andere Fabrikanten Österreichs. Die lithographische und die zinkographische Schnellpresse. Die Handpressen. Die Satinier-Schnellpresse. Die Farbenfabrikation.
Fr. König und die Schnellpresse.
AM 17. April 1874 waren hundert Jahre vergangen seit dem Tage, an welchem Friedrich König, der Erfinder der Schnellpresse, in Eisleben das Licht der Welt erblickt hatte[189]. „Eine kleine Stadt war sein Geburtsort, aber ihr Name hatte Weltruf erlangt, denn in Eisleben stand die Wiege des grossen Reformators, Luther, den hunderte, über das ganze Erdenrund verbreitete Millionen als den Befreier von dem auf dem Geiste lastenden Druck verehren; dessen Name jeder gebildete Deutsche, der Genuss und Belehrung in den Werken sucht, welche die Heroen der deutschen Litteratur und Wissenschaft schufen, als den des Reformators der Muttersprache hoch hält, selbst wenn er dem Träger desselben auch nicht als Reformator in Glaubenssachen huldigt.“
Kulturhistor. Bedeutung der Erfindung.
„Wie wäre jedoch die weltbewegende Wirksamkeit Luthers gehemmt gewesen, wenn er nur auf das gesprochene Wort und auf die Verbreitung desselben durch Niederschrift angewiesen gewesen wäre, wenn ihm nicht die thätigen Pressen Wittenbergs und Leipzigs fördernd zur Seite gestanden hätten. Glücklich müssen wir uns preisen, dass die deutsche Erfindung Gutenbergs es ihm möglich machte, seine zündenden Blitze nach überall hinzuschleudern.“
„Und doch, wie unvollkommen und langsam war die damalige Hülfe der Presse, wenn wir sie mit derjenigen vergleichen, welche sie uns heute leistet. Vergegenwärtigen wir uns, wie viel durchgreifender und wie unendlich schneller die Erfolge der reformatorischen Thätigkeit Luthers hätten sein müssen, wenn man derzeit über diejenigen mechanischen Hülfsmittel zu verfügen gehabt hätte, die uns jetzt zu Gebote stehen; wenn die Schnellpresse damals dienend zur Seite gestanden hätte; wenn diejenige Reform im Druckwesen, welche die Times vom 29. November 1814 den staunenden Lesern verkündete, gleichzeitig mit der Reform des Glaubens und der deutschen Sprache ins Leben getreten wäre.“
»Doch verlieren wir uns nicht in Phantasien über das, was hätte werden können, und halten wir uns an die grosse Errungenschaft, wie wir sie wirklich jetzt besitzen. Die Schnellpresse gehört unserer Zeit. Sie ist ein Kind des XIX. Jahrhunderts und hat wieder so unendlich viel dazu beigetragen, dieses zu einem der denkwürdigsten in der Geschichte der Entwickelung der Menschheit zu machen. Sie hat die Presse zu der sechsten, oder wenn wir wollen, zu der ersten Grossmacht herangebildet, sie hat der öffentlichen Meinung, verkörpert in dem Journalismus, eine Macht verliehen, vor der sich selbst die Mächtigsten der Erde beugen, sie trägt die Bildung bis in die Hütte und macht es dem Ärmsten möglich, an den geistigen Genüssen, welche gottbegabte Männer uns bereiteten, teilzunehmen, sie hat, wie die Grabschrift des Erfinders sagt, „der Presse Flügel verliehen, ohne welche sie ihr zehnfaches Tagewerk nicht genügend würde erfüllen können.“
Königs Jugendgeschichte.