Der Vater Königs war ein schlichter Ackerbauer, die Mutter eine vortreffliche Frau, die für einen guten Unterricht des Sohnes Sorge trug. Zu Johanni 1790 kam Friedrich in die Buchdruckerlehre bei J. G. J. Breitkopf und wurde Michaeli 1794 losgesprochen. Jede freie Stunde verwendet er auf seine Ausbildung, hörte später Vorlesungen und beschäftigte sich wahrscheinlich schon frühzeitig mit Plänen zur Verbesserung der Holzpresse und mit dem Gedanken, Stempel in Platten einzudrücken, um in letztere Stereotypplatten zu giessen. In betreff der Konstruktion einer Tiegeldruck-Schnellpresse[190] war er schon im Jahre 1805 mit sich ins Reine gekommen, denn in diesem Jahre wendete er sich von Wien aus an den Kaiser von Russland und bietet ihm die Erfindung an. Die Pläne wurden nach St. Petersburg gesandt; er selbst folgte am 12. Mai 1806. Anfänglich gestalteten sich die Aussichten vortrefflich und König schrieb an seine Mutter, mit der er auch später sich schriftlich in kindlicher Liebe unterhält, Berichte voll der schönsten Hoffnungen. Bald sollten jedoch diese vernichtet werden und noch in dem erwähnten Jahre ist König in London, um dort seine Pläne durchzusetzen.

König & Bauer.

Wie dies geschah ist bereits erzählt (S. [53]). König kehrte Ende August 1817 nach Deutschland zurück, wo es ihm gelungen war, das reizend gelegene frühere Benediktiner-Kloster Oberzell, eine halbe Meile von Würzburg, zu erwerben. Erst später, im Mai 1818, kam der treue Freund Bauer nach Oberzell. Dieser, 1783 in Stuttgart geboren, war ein sehr tüchtiger Mechaniker und hatte durch sieben Jahre treu alle Arbeiten und Sorgen mit König geteilt, ohne dass ein festes Geschäfts-Verhältnis zwischen beiden stattgefunden hatte. Erst wenige Tage vor Königs Abreise von London wurde, am 9. August 1817, der erste Vertrag zwischen beiden abgeschlossen. Nach demselben sollte König als Erfinder und als Ersatz für seine bisherigen Opfer zwei Anteile am Gewinn haben, während ein Anteil Bauer zufallen sollte; auch würde Oberzell Königs Eigentum bleiben. Im Jahre 1821 wurde der Vertrag dahin abgeändert, dass eine gleichmässige Teilung des Gewinns stattfand.

König über Bauer.

Über Bauers Anteil an der Erfindung und an der Fortbildung derselben thun wir am besten, uns an Königs eigene Worte zu halten, welche in wenigen Zeilen das Verhältnis so trefflich und schön charakterisieren: „Wenn zwei Männer gemeinschaftlich und im höchsten Vertrauen zu einander einen Zweck verfolgen, so dürfte es schwer sein, den Anteil zu bestimmen, den ein Freund gehabt hat, der bei allem zu Rate gezogen, mit dem jede Angelegenheit des Geschäfts überlegt worden ist und wir haben uns selbst nie Rechenschaft darüber abgelegt oder abgefordert“.

Man hatte nun nicht nur ein Dach über dem Kopfe, sondern war, was Lokalität anbetrifft, eingerichtet, wie es nicht besser sein konnte, aber es galt jetzt, alles aus nichts zu schaffen, nicht nur Werkzeug und Hülfsmaschinen, sondern auch Arbeiter, denn die Verhältnisse lagen nicht wie in England; aus rohen Bauern waren erst tüchtige Gehülfen auszubilden.

Erste Bestellung.

Dann mussten Bestellungen herbeigeführt werden. Cotta, an den man sich zuerst wandte, konnte „Staatsgeschäfte halber“ vorläufig sich nicht mit dem Maschinenwesen befassen. Dagegen fanden Königs Vorstellungen offene Ohren bei Georg Jacob Decker in Berlin und dessen Schwager K. Spener. Bereits während Königs Aufenthalt in England waren nähere Unterhandlungen mit Decker angeknüpft, die jedoch durch Königs Absicht, England zu verlassen, unterbrochen wurden. Am 15. Oktober 1817 kam es mit den Genannten zu dem Abschluss eines Kontraktes über die Lieferung von zwei Schnellpressen, die innerhalb zwei und einem halben Jahre fertig zu stellen waren. Die Abnehmer sollten 7000 Thaler zahlen, ausserdem alle Spesen tragen und, anstatt der von König anfänglich geforderten jährlichen Abgabe, ein für allemal ein Prämium von 10000 Thalern gewähren. Man sieht aus dem obigen, dass es den Bestellern nicht an Opferfreudigkeit und Zutrauen zu den Ideen Königs fehlte.

Schwierigkeiten aller Art.

Die Ausführung gestaltete sich für beide Teile zu einer langen Leidensgeschichte. Nicht nur die oben erwähnten Schwierigkeiten der Arbeiterverhältnisse, sondern auch der Mangel an Fonds machten sich in quälender Weise für König & Bauer geltend. Zwar erhielten sie ein zinsfreies Darlehen von 20000 fl., jedoch zunächst um eine Papierfabrik in Gang zu bringen. Die ersten 10000 fl. waren bereits absorbiert, ohne dass die Arbeiten, an welche die Auszahlung der zweiten 10000 fl. geknüpft waren, ihr Ende erreicht hatten. John Walter, für welchen König noch Arbeiten auszuführen hatte, ward unwillig, weil er sich unmöglich die Jämmerlichkeit der deutschen Arbeiterverhältnisse vorstellen konnte. Das langsame Vorwärtsschreiten machte Decker und Spener ärgerlich, trotzdem unterliessen sie nicht, der Fabrik allen möglichen Vorschub zu leisten. Erst im Juli 1822 konnte der erste Probedruck in Oberzell gemacht werden. Am 15. November 1822, also erst fünf Jahre nach der Bestellung, waren die durch Nachbestellung auf vier vermehrten Maschinen zum Versand fertig. Im Januar 1823 befanden sie sich zwar im Gange und das erste Produkt war die Nr. 11 der Spenerschen Zeitung vom 25. Januar 1823; es dauerte jedoch fast ein Jahr, bevor die Leistungen zufriedenstellend ausfielen. Mit allen dazu gehörigen Einrichtungen kamen die Kosten für die Besteller auf etwa 30000 Thaler zu stehen, dazu im Jahre 1827 noch 5500 Thaler für Umbau.