Vielfache Pläne.

Es war eine schwere und aufreibende Zeit gewesen. Mit der Papierfabrik wollte es nicht vorwärts. Im Herbst 1823 musste König selbst nach London gehen, um von den neuesten Erfindungen und Verbesserungen der Papierfabrikation Kenntnis zu nehmen. Die Geldsorgen endigten vorläufig durch den Beitritt Cottas zu diesem Geschäft; 1831 übernahmen jedoch König & Bauer dessen Anteil wieder. Obwohl das Unternehmen somit schliesslich festen Boden gewann, so war die Zersplitterung der Kräfte doch kaum als ein Glück für das Schnellpressen-Etablissement zu betrachten, dessen rasche Förderung noch nicht gelingen wollte, sie gewährte aber eine fortwährende Beschäftigung für Königs regen Geist. Er brachte an den Times-Maschinen Verbesserungen an, beschäftigte sich mit dem Gedanken einer Roundabout-Presse mit zehn Druckcylindern, welche stündlich 5000 Exemplare liefern sollte, und mit dem bereits erwähnten Verfahren, geschlagene Matern herzustellen. Selbst die Setzmaschine spielte eine Rolle in seinen damaligen Plänen.

Verbreitung der Schnellpresse.

Am 12. Juli 1824 erhielt Cotta eine Schnellpresse für die Allgemeine Zeitung in Augsburg. König selbst leitete die Aufstellung im Verein mit seinem Neffen Fritz Reichenbach, der bei Decker gelernt hatte und den König von Berlin mitgenommen hatte, um ihn als Maschinenbauer auszubilden; ein zweiter Neffe, Friedrich Helbig, zeichnete sich später in Wien aus.

Um die Anbringung der Maschinen zu erleichtern, wollte König solche auf eigenes Risiko bauen und sie auf Gewinn-Anteil ausleihen. König litt jedoch unter demselben Mangel an Betriebskapital, der die Buchdrucker selbst drückte, und der Plan liess sich nicht durchführen. Er musste nun darauf bedacht sein, kleinere und billigere Maschinen zu bauen, die sich durch Menschenhände bewegen liessen und von denen er gleichzeitig mehrere Exemplare bauen könnte, wodurch die Herstellung wesentlich billiger zu stehen kommen würde. Der Erfolg bewies, dass die Rechnung eine richtige gewesen. 1826 wurden elf Maschinen fertiggestellt, darunter die ersten für Stuttgart (J. B. Metzler) und Leipzig (F. A. Brockhaus). Schon Fr. Arn. Brockhaus hatte an Anschaffung einer Schnellpresse gedacht, schreibt jedoch 1819 an König, dass ihm der Mut fehle (Kap. [XII]). Nach Paris wurde die erste Maschine an A. Guyot & Scribe, die zweite an E. Pochard geliefert; für Enchedé & Sohn in Harlem waren bereits zwei solche abgesandt.

Rückgang und dann neue Erfolge.

Somit schien alles im besten Gange zu sein, da kam die Julirevolution. Die Drucker zerschlugen die Schnellpressen, die Bestellungen sowohl aus Frankreich wie aus Deutschland blieben aus; niemand hatte Lust, Kapitalien in Maschinen, welche der Zerstörung ausgesetzt waren, anzulegen, und als Ruhe und Vertrauen wiederkehrten, konnte Frankreich seinen Bedarf selbst decken. Die Fabrik in Oberzell, die über hundert Arbeiter beschäftigt hatte, behalf sich jetzt mit vierzehn. Die Teilhaber verloren jedoch den Mut nicht und machten alle Anstrengungen, um die Buchdrucker für die Maschinen zu interessieren. In einem diesbezüglichen Zirkular finden sich merkwürdige Äusserungen. Die Firma erklärt, vierfache Maschinen bauen zu können, die wenigstens 4000 Exemplare in der Stunde liefern, glaubt jedoch, „dass es nirgends Verhältnisse giebt, in welchen eine so grosse Geschwindigkeit besondere Vorteile gewähren würde“, und fährt dann fort: „Wir halten noch andere seltsamere Kombinationen — mit endlosem Papier — nicht nur für möglich, sondern auch für leicht ausführbar. Allein, obgleich man damit ein ungeheures Resultat erhalten würde, so treten doch, nach unserer Meinung, so viel praktische Hindernisse, die in der Beschränktheit des Bedarfs und den bestehenden Formen und Gewohnheiten ihren Grund haben, ein, dass wir uns nie zu einem Versuche entschliessen könnten, wiewohl wir dazu alle Mittel zur Hand haben. Zum wohlfeilen und schnellen Druck ist genug geschehen, zum besseren Druck bleibt noch viel zu thun übrig“.

Königs Verheiratung und Tod.

Im Jahre 1825 heiratete der 50jährige König eine 18jährige junge Dame aus Suhl. Sie schenkte König drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. König fühlte sich sehr glücklich, sollte jedoch leider nicht lange sein Glück geniessen. Die Entbehrungen in den jüngeren Jahren, die fortwährenden Anstrengungen und aufreibenden Sorgen hatten seine Gesundheit untergraben. Er starb nach einem Schlaganfall am 17. Januar 1833. Seine treue Gefährtin lebte bis zum 1. April 1882. Sein Freund Bauer überlebte ihn fast 30 Jahre Königs Nachfolger.und ruht seit 1860 an seiner Seite. Die Söhne Wilhelm (geb. am 9. Dezember 1826) und Friedrich (geb. am 29. Januar 1829) übernahmen das Geschäft. König und Bauer, aus einem ganz verschiedenen Stoff gebildet, ergänzten sich vortrefflich. Der erste hochstrebend, weitblickend, rasch schaffend; Bauer bedächtig überlegend, minutiös im Arbeiten und genau rechnend. Nur einmal in dem schweren Jahre 1824 trat eine vorübergehende Missstimmung zwischen Beiden ein, die sich jedoch schnell ausglich.

Wachstum des Etablissements.