XII. KAPITEL.
DAS ZENTRUM DER GERMANISCHEN GRUPPE.

J. G. I. Breitkopf, seine Reformen, der Musiknotendruck vor Breitkopf und dessen Verbesserungen, Breitkopf & Härtel. G. J. Göschen. Friedr. Arnold Brockhaus und seine Nachfolger. B. G. Teubner. Karl Tauchnitz. Fr. Nies und seine Nachfolger. B. Tauchnitz. Das Jubelfest 1840. Giesecke & Devrient. Das Bibliographische Institut. Verschiedene Offizinen Leipzigs. — Dresden: Meinhold & Söhne u. a. — Halle: Waisenhausdruckerei, Schwetschke & Sohn. — Weimar: Hofbuchdruckerei. — Gotha: Just. Perthes. — Braunschweig: Vieweg & Sohn, G. Westermann, Dr. Heinrich Meyer und das Journal für Buchdruckerkunst.

J. G. I. Breitkopf.

ZIEMLICH gleichzeitig mit dem Begründer der nationalen Grösse Deutschlands, Friedrich II., und mit den Bahnbrechern des nationalen Kultur- und Kunstlebens: Lessing, Klopstock, Gellert, Kant, Just. Möser und Winckelmann wurde der Reformator der deutschen Typographie Johann Gottlob Immanuel Breitkopf am 23. November 1719 in Leipzig geboren, welches nunmehr unter der Führung Breitkopfs und anderer tüchtiger Gesinnungsgenossen die Stellung als Vorort der deutschen Typographie behaupten sollte[205].

Breitkopf war ein Sohn des rühmlichst bekannten Bernh. Christoph Breitkopf (I, S. 149). Von Natur sehr aufgeweckt und geistig begabt, hatte er keine Neigung, dem Wunsche des Vaters gemäss, sich der Buchdruckerei zu widmen, dagegen zog es ihn unwiderstehlich zu den Studien hin. Der Kampf zwischen dem Vater und dem Sohne schloss mit einem Kompromiss, wozu beide, und Gutenbergs Kunst dazu, sich nur Glück wünschen konnten: Johann Immanuel sollte sich sowohl den Studien, als dem Geschäft widmen.

Seine Ausbildung.

Er legte sich nun mit grossem Eifer auf die Wissenschaften und versuchte sich auch schriftstellerisch. Grossen Einfluss auf seine Ausbildung übte Gottsched. Erst in späterer Jugend machte sich die Lust an der Mathematik, der er später einen grossen Teil seines Ruhmes verdanken sollte, bei ihm geltend. Das Werk Albrecht Dürers „Unterweysung der Messung mit dem Zirkel u. s. w.“ fiel ihm in die Hände. Die mathematische Berechnung der Schriftverhältnisse interessierte ihn, und nun war er für die Typographie gewonnen. Er ging an das Vergleichen mit den alten Drucken und fand, wie die sich immer mehr verschlechternde Form mit dem Verfall der Schönschreiberei in Verbindung stand. Mit grossem Eifer fing er an die Buchstaben mathematisch zu berechnen. Er sammelte emsig alle Musterschriften und Werke über Schriftenkunde und begann nun seine Reformen, namentlich arbeitete er unablässig für die Verbesserung Breitkopf und die Fraktur.und Verschönerung der Frakturschrift. Die Gründe, die ihn bewogen an dieser festzuhalten und seine Anstrengungen der Regeneration derselben zu widmen, hat er später in einer Schrift: „Über Bibliographie und Bibliophilie“ (1793) entwickelt. Seiner Ansicht nach wäre die deutsche Schrift der lateinischen unbedingt vorzuziehen; sie eigne sich selbst für Transkription fremdländischer Werke, als hebräischer und arabischer, besser als die Antiqua. Nur die Verachtung, welche die Gelehrten der deutschen Schrift bewiesen, trage die Schuld, dass dieselbe nicht eben so verbessert und verschönert worden sei, wie die allgemein beliebte lateinische. Es bedürfe aber nur der Aufmunterung, um die Künstler zu veranlassen, unter Zugrundelegung der Schöfferschen Muster, oder der Theuerdank-Type eine Frakturschrift zu schaffen, welche der schönsten Antiquaschrift die Wage halte.

So lautete der Ausspruch Breitkopfs und er ging nun auch daran, seiner Ansicht praktische Geltung durch eine verbesserte Frakturschrift zu verschaffen, welche zuerst in: „Einige Lieder für Lebensfreuden“ angewendet wurde, während die neue Antiqua zuerst in Forbigers Ausgabe des „Catull“ zum Abdruck gelangte.