Wäre Breitkopf der Fraktur abhold und ein eifriger Freund der Antiqua gewesen und hätte er letztere zu einer Zeit, wo man anfing sich nach schön gedruckten Büchern zu sehnen, zum Gegenstand seiner reformatorischen Pläne gemacht, so hätte möglicherweise die Frage: „Antiqua oder Fraktur“ unter seiner Autorität längst eine Entscheidung im Sinne der Vertreter der Antiqua gefunden. Denn damals lag die Angelegenheit weit einfacher als heute, wo sie bei der Mehrzahl der Gegner der Antiqua weit eher eine nationale Gefühlssache als eine Frage der Zweckmässigkeit und der Schönheit geworden ist.
Der Musiknotendruck.
Einen ganz wesentlichen Anteil an dem Weltruhm Breitkopfs haben seine Verbesserungen des typographischen Musiknotendrucks. Der Umstand, dass die Buchdruckerkunst gleich bei ihren ersten Erzeugnissen auf die Bedürfnisse der Kirche geführt wurde, musste die Gedanken auf den Notendruck richten; doch war die Technik damals nicht so weit vorgeschritten, dass man an die Überwindung der durch die Verbindung des Druckes der horizontalen Linien und der vertikalen Notenzeichen entstehenden Schwierigkeiten denken konnte. Man musste deshalb beim Drucken des Textes Raum lassen, für die nachträglich einzuschreibenden Noten. Später wurden Linien und Text rot gedruckt, die Choralnotenköpfe eingezeichnet, teilweise auch mit der Hand durch Stempel einzeln aufgedruckt oder das Ganze in Holz geschnitten. Das erste mit Holzschnitt-Choralnoten gedruckte Buch ist das bei Hans Froschauer in Augsburg erschienene Lilium Musicae planae des Michael Kiensbeck aus dem Jahre 1473. Die ersten Proben von Figuralmusik in Holzschnitt kommen in einem Werke des Nic. Burtius vor, gedruckt von Hugo de Rugeriis in Bologna 1487.
Noten in Holzschnitt.
Solche in Holz geschnittene Noten wurden noch benutzt, nachdem das Verfahren mittels beweglicher Choralnotentypen zu drucken erfunden war, z. B. in den Liederbüchern Luthers. Wann und wo der Versuch mit letzteren zuerst geschah ist nicht zu ermitteln, denn das Verfahren wurde ziemlich gleichzeitig an vielen voneinander sehr entfernten Orten, z. B. um das Jahr 1488 in Basel, geübt.
Oct. dei Petrucci.
Hat es nun auch Choralnotentypen vor der Erfindung des typographischen Druckes der Figuralmusik gegeben, so ist es doch unzweifelhaft, dass letzterer eine Erfindung des Octaviano dei Petrucci aus Fossombrone war[206]. Dieser, von edlen jedoch armen Eltern geboren, kam als Buchdrucker nach Venedig. Im Jahre 1498 erhielt er seitens des Senates ein Patent auf Druck von mehrstimmiger Musik für „Gesang und Laute“, dem später ein ähnliches des Papstes Leo X., datiert 1513, folgte. Sein erster Notendruck war harmonice musices Odhecaton 1501. Er entwickelte eine so grosse Thätigkeit, dass er bereits in den Jahren 1501–1507 zwanzig verschiedene Werke gedruckt hatte. Unvermögenheit veranlasste ihn den Betrieb seiner Druckerei den thätigen Buchhändlern Amad. Scotti und Nic. da Raphael zu überlassen.
Petruccis System.
Petruccis System war auf Doppeldruck gegründet. Die Linien bestanden aus Stücken in der Grösse der Formatbreite. Die Noten wurden für sich gesetzt und auf die Linien gedruckt. Die Genauigkeit der Typen ist eine grosse und der Druck, besonders der Linien, ein vorzüglicher. In allen Ausgaben Petruccis sowie seiner Nachfolger für lange Zeit wurden die einzelnen Stimmen für sich meist nebeneinander gedruckt, für den Druck von Partitur-Ausgaben war man damals technisch noch nicht weit genug fortgeschritten.
Andere Notendrucker.