Der Plakatdruck mit seinen grossen Schriften führte auf die geschäftsmässige Fabrikation der Holztypen. In Amerika begann diese im grösseren Massstab um das Jahr 1830 durch Wanderburgh Wills & Co. und durch Edw. Allen, der sich später mit der Firma W. H. Page & Co. verband. Zur Verwendung kommt fast nur Ahorn, mitunter Mahagoni oder Buchsbaum. Die Klötze werden erst in Querschnitte gesägt, mit Dampf behandelt und zwei Jahre lang aufgespeichert. Die Oberfläche poliert, man wiederholt mit Schellack und Sandpapier und teilt die Querschnitte in die benötigten Grössen. Die Buchstabenbilder werden vermittelst Maschinerie hergestellt[10].

Blindendruck.

Der in Frankreich zuerst geübte Blindendruck wurde in England wie auch Amerika in durchgreifender Weise verbessert. James Goll in Edinburgh wandte 1827 eckige Zeichen an; der Amerikaner Dr. Howe in Boston gab den gemeinen Buchstaben der Antiqua ebenfalls eckige Formen; ein ähnliches Alphabet von Fry in London erhielt 1857 von der dortigen Society of arts einen Preis. Das in England am meisten verbreitete und unter den willkürlichen eines der zweckmässigsten Alphabete ist das von T. M. Lucas in Bristol 1845 erfundene Chiffre-Alphabet, bestehend aus einem Zirkel und einem Halbzirkel in zwei Grössen, einer grösseren und einer kleineren Linie und einem Punkt. Hiermit liessen sich vierzig zweckmässige Zeichen kombinieren. — Der, selbst blinde, Vorsteher der Blinden-Anstalt in Brighton, Moon, erfand ein Chiffre-Alphabet von zehn Zeichen aus gebogenem Draht, die auf Zinkplatten gelötet wurden, ein Verfahren, das bereits 1839 von Frère geübt war. Nach Moons System wurden heilige Schriften in achtzig Sprachen gedruckt. Ausser den erwähnten bestehen jedoch noch viele Systeme.

Ausserordentlich zu bedauern bleibt es, dass man sich nicht über ein einheitliches System der Blindenschrift hat einigen können; nirgends wäre wohl eine Einheitlichkeit für den Lernenden sowohl als für den Lehrer nützlicher, und wie wäre die Bildung von Blindenbibliotheken hiermit befördert worden! Aus vielen Gründen dürfte eine Einigkeit, wenn sie überhaupt möglich ist, nur auf Grundlage des Antiqua-Alphabetes stattfinden können.


Die Stereotypie.

Die praktische Durchführung des vielfach versuchten Verfahrens der Stereotypie hat man, wie so manche andere Verbesserungen im Druckwesen, dem edlen Charles Mahon, Lord Stanhope zu verdanken. Derselbe war erst in Eton College, später unter des bekannten Le Sages Anleitung sorgfältigst erzogen. Mit besonderer Vorliebe wendete er seine Aufmerksamkeit der Typographie und der Schriftgiesserei zu, und fast zu gleicher Zeit traten sein Stereotypverfahren und seine eiserne Presse in Wirksamkeit.

W. Ged hatte seine Versuche nicht fortsetzen können (I, S. 266), Müller und van der Mey (I, S. 251) waren ganz in Vergessenheit geraten. Die Wichtigkeit der Stereotypie leuchtete aber mit der Zunahme der schwierigen Arbeiten und der grossen Auflagen immer mehr ein. Fast 50 Jahre nach Ged machte Dr. Tilloch in Glasgow, ohne dessen Erfindung zu kennen, eine ähnliche und übte diese in Verbindung mit dem Universitätsbuchdrucker Foulis. Sie brachten auch einige Bände fertig, gaben jedoch später ihre Arbeiten auf. Lord Stanhope liess sich von Tilloch und Foulis unterrichten und brachte es in Verbindung mit einem bekannten Londoner Buchdrucker, Wilson, nach zweijähriger Arbeit zur Vollkommenheit in dem Verfahren. 1804 konnte letzterer unter Lord Stanhopes Zustimmung beantragen, die Bibeln und Gebetbücher der Universität Cambridge mittels des neuen Verfahrens herstellen zu lassen. Es fand allgemeine Anerkennung und schleunige Verbreitung, denn Lord Stanhope litt durchaus nicht, dass diese, noch eine andere seiner Erfindungen Gegenstand eines Patentschutzes wurde; im Gegenteil, er liess jedesmal ein Caveat in dem Patent-Office einregistrieren, damit kein Unbefugter sich der Erfindungen bemächtigen und für sich patentieren lassen konnte.

Stanhopes Stereotypie.

Der Stanhopesche Prozess[11] ist folgender: Feiner, möglichst frischer Gips wird mit Boluswasser zu einem flüssigen Brei angerührt und die Schriftform oder die Holzschnittplatte, welche man stereotypieren will, mit der Masse erst eingepinselt, dann übergossen. Nachdem der Gips fest geworden, lässt er sich leicht von der Form abtrennen und man hat nun eine genaue vertiefte Kopie (Matrize) des zu stereotypierenden Gegenstandes. Diese wird mit grosser Vorsicht langsam in einem dazu eingerichteten Ofen getrocknet, dann, mit der Bildseite nach unten, in eine Pfanne gelegt, die in einen Kessel mit flüssigem Schriftzeug gesenkt wird. Letzterer dringt durch Öffnungen der Pfanne und füllt selbst die kleinsten Vertiefungen der Matrize aus. Nachdem die Pfanne aus dem Kessel herausgenommen und die Masse erkaltet ist, lässt sich die Mater von der Platte ablösen, erstere geht jedoch dabei verloren, dafür hat man das getreue Abbild des stereotypierten Gegenstandes in Schriftmasse[12].