Allmähliche Fortschritte.
BERLIN hatte, als die neue Periode der Buchdruckerkunst anfing, noch keine Bedeutung als Druckstadt; dieselbe zeigte sich erst nach und nach unter der Regierung des grossen Königs, hielt jedoch immer noch nicht Schritt mit der zunehmenden Bedeutung der Residenz eines mächtig emporblühenden Landes.
Die Hofbuchdrucker.
Im Jahre 1757 wurde Christ. Friedr. Henning zum zweiten deutschen Hofbuchdrucker ernannt mit der Aussicht, die Stelle des ersten, Chr. Alb. Gäberts, nach dessen Tode zu erhalten. Neben den „deutschen Hofbuchdruckern“ gab es auch „französische“. Den Titel eines solchen hatte bereits 1696 Robert Roger aus Amsterdam. In dem Jahre 1718 ging Rogers Offizin in die Hände J. G. Michaelis über. Er sowohl als Henning waren sehr tüchtige Buchdrucker, die einen wesentlichen Anteil an der Hebung des typographischen Geschmacks in Berlin hatten.
Die Familie Decker.
Die berühmtesten Hofbuchdrucker gehörten jedoch der Familie Decker an, der eine so glänzende Rolle zufiel, wie wenigen in Deutschland[223].
Die Familie stammt aus Eisfeld im Thüringschen. Der am 23. April 1596 geborne Georg Decker siedelte nach Basel über und Joh. Jac. I Decker * 1635.erwarb 1635 durch Heirat mit der Witwe des Buchdruckers Johann Schröter dessen Offizin, die er so rasch zur Blüte brachte, dass er bereits 1636 zum Universitätsbuchdrucker ernannt wurde. Sein Sohn und Nachfolger Johann Jacob i zog 1680 mit einem Teile der Druckerei nach Neu-Breisach, um Drucker des dortigen französischen Gerichtshofes zu werden.
Joh. Jac. II Decker * 1666, † 1726.