Im Jahre 1877 am 1. Juli wurden die Deckerschen Grundstücke und die Oberhofbuchdruckerei für die Summe von 6780000 Mark vom Reich angekauft. Von dieser Summe kamen auf die letztere 1780000 Mark. 1879 am 1. April beschloss der Reichstag, die Königlich Preussische Staatsdruckerei für die Summe von 3573000 Mark für das Reich zu erwerben und mit der Deckerschen Offizin zu einer Reichsdruckerei zu vereinigen. Die Lokalitäten der Staatsdruckerei in der Oranienstrasse wurden in zweckmässiger, auch äusserlich imponierender Weise umgebaut und beide Druckereien im eigentlichen Sinne des Wortes verschmolzen, denn die ganzen Schriftenvorräte von 333000 Kilo wurden ins Zeug geworfen und umgegossen, weil die Systeme der beiden Offizinen nicht mit einander stimmten, zugleich wohl auch, weil vieles veraltet war. Auch neue Maschinen wurden angeschafft, so dass die Reichsdruckerei augenblicklich mit einem Werte von etwa sieben Millionen Mark angesetzt wird. Ob, wenn einmal das Reich eine eigene Druckerei haben musste, eine solche nicht von neuem viel zweckmässiger und viel billiger hätte hergestellt werden können, ist nunmehr allerdings eine müssige Frage. Jetzt bleibt mehr zu wünschen, als zu hoffen, dass diese Anstalt sich streng auf diejenigen Arbeiten beschränken werde, welche wirklich nur die Bedürfnisse der Reichsregierung befriedigen. Nach manchen Zeichen zu urteilen, beabsichtigt man jedoch, aus der Reichsdruckerei eine Art von Vorbild für die deutsche Typographie zu schaffen, wie es seinerzeit die Wiener Staatsdruckerei für Österreich war, wobei man jedoch vollständig vergisst, dass erstere seit lange mündig geworden. Selbst die Herstellung der schwierigsten orientalischen Werke, diese Ausstellungs-Paradepferde der Staatsanstalten, mit Ausnahme der vortrefflichen St. Petersburger Wertpapierdruckerei, hat sich in den Privatdruckereien Deutschlands in einer Weise ausgebildet, dass es nur als eine Schädigung der ohnehin durch die starke gegenseitige Konkurrenz bedrohten Privatinteressen betrachtet werden müsste, wenn der Staat ihnen Konkurrenz bereiten sollte.
Die Anstalt beschäftigt 700 Personen, besitzt 55 Schnellpressen, 18 Handpressen und über 200 Hülfsmaschinen. In runder Summe werden jährlich 100 Millionen Bogen gedruckt und über 800 Millionen Poststempel und andere Wertzeichen zu einer Gesamtsumme von etwa 123 Millionen Mark, ferner etwa 3½ Millionen Stück Reichsbanknoten, Kassenscheine und andere Papiere, die einen Wert von nahe an einer Milliarde für die Besitzer repräsentieren.
Das Budget von 1881–82 ergab eine Einnahme von 3240000 Mark, eine Ausgabe von 2221980 Mark, doch da hiervon über 700000 Mark Zinsen und Abschreibungen abgehen und die Stellung der Preise bei Mangel an Konkurrenz keine geschäftliche Bedeutung hat, so ist es schwer zu sagen, wie es mit der Rentabilität, wenn mit den Leistungen von Privatdruckereien verglichen, sich verhält.
Die Reichsanstalt ist unter der bisherigen vorzüglichen Leitung der Königlich Preussischen Staatsdruckerei geblieben, die Direktion hat somit Herr Geheimrat Busse, die technische Führung Herr E. Ringer. Die neuesten, künstlerisch wenig befriedigenden Produktionen, die Fünfzig-, Zwanzig- und Fünfmarkscheine, sind auf Papier gedruckt, in dessen Masse, nach dem in Amerika angewendeten Verfahren, farbige Fasern strichweise hineingearbeitet sind. Das Papier wurde unter Aufsicht von Beamten der Reichsdruckerei von Gebr. Ebart in Spechthausen bei Eberswalde angefertigt. Über die Untrüglichkeit des Systems wird gestritten.
Lithographie.
Berlin ist der Hauptsitz für den lithographischen Farbendruck geworden in seinen verschiedenen Zweigen, welche sowohl der Herstellung von Öldruckbildern als der Zeitschriften- und Bücher-Illustrationen, sowie den vielen Bedürfnissen des Papeteriegeschäfts dienen. Die eigentliche Bedeutung erhielt der lithographische Farbendruck durch die Bemühungen Schinkels und Beuths, unterstützt durch das Wohlwollen, welches der nachmalige König Friedrich Wilhelm IV. schon als Kronprinz dem neuen Kunstzweig entgegentrug. Den Wert desselben bezeugte in glänzender Weise das grosse Werk Prof. Zahns über pompejanische Altertümer.
Kunstanstalten.
Guten Ruf erlangte die Anstalt J. Winckelmanns, der zuerst 1816 in Verbindung mit Heinr. Arnz das bekannte Institut Arnz & Co. in Düsseldorf begründet hatte. Die Leitung desselben lag eine zeitlang in den Händen von J. Storch, der später sich mit C. Kramer verband und tüchtiges im Landschaftsfache lieferte. Ganz vortrefflich sind Storch & Kramers für die Arundel-Society in London ausgeführte Reproduktionen der Freskogemälde altitalienischer Maler (S. [103]). Als Meister im architektonischen und landschaftlichen Aquarelldruck zeichneten sich Loeillot Und R. Steinbock aus, bekannt sind unter anderen Hildebrandts „Reise um die Welt“ und Köhlers polychrome Meisterwerke. Mit dem eigentlichen Ölbilderdruck beschäftigten sich mit mehr oder weniger Glück eine nicht kleine Anzahl von Firmen und es bleibt nur zu bedauern, dass neben dem Guten so vieles Geschmacklose, zumteil elendes Machwerk hervorgebracht wurde, welches eine Kunst für den Augenblick in Misskredit gebracht hat, die ein besseres Schicksal verdient hatte, und nun neue Wege suchen muss, um sich die verscherzte Gunst wieder zu erwerben. Unter den Firmen, die ausser den erwähnten tüchtiges leisteten, sind zu nennen Carl Gerold, Otto Troitzsch, Böhme & Fränkel.
Einen bedeutenden Einfluss auf die Verwendung des Farbendruckes übten die Gropiussche Buchhandlung (später Ernst & Korn) durch ihre grossartigen architektonischen Unternehmungen, Rud. Wagner durch die erwähnte Hildebrandts „Reise um die Welt“ und ähnliche Aquarell-Albums, Alex. Duncker durch eine Reihe von Prachtwerken aus.
In neuerer Zeit hat die Verwendung der Chromolithographie zu gewerblichen Zwecken eine enorme Ausdehnung gewonnen. Die Anführung einiger der bedeutendsten Firmen wird einen Begriff von dem Umfang solcher Etablissements geben.