Der Accidenzdruck.

Auch das Accidenzfach war bis vor nicht langer Zeit in Berlin etwas vernachlässigt und ausser Hänels Druckerei hatte keine einen besonderen Ruf auf Grund von Accidenzarbeiten. In jüngster Zeit ist dies vielfach anders geworden. Ein grosses Ansehen geniesst W. Büxenstein (S. [268]), dessen neu eingerichtete mit Lithographie verbundene Buchdruckerei vorzügliches im Accidenz- und Illustrationsdruck liefert. In letzterer Richtung erwarb sich W. Möser (13 Schp.) einen sehr guten Namen. Auch Gebr. Grunert lieferten höchst beachtenswertes im Accidenz- und Luxusdruck. Ein eigentümliches Accidenzgeschäft ist das der Gebr. Litfass, welches sich namentlich dem Plakatdruck widmet und das Monopol der Anschlagesäulen besitzt. Während der Kriegszeit 1870 befand sich das „Depeschenhaus“ im andauernden Belagerungszustand, denn von Litfass' Offizin aus gingen die lakonischen aber inhaltsschweren Telegramme „aus dem Hauptquartier“ in das Publikum.

Der Letteverein.

Wollten wir alle grösseren Druckereien Berlins nennen, würden wir Seiten damit füllen, hier sei nur noch erwähnt die Aktiengesellschaft Letteverein, welche unter der Direktion von C. Janke dessen frühere Offizin als Frauendruckerei seit 1875 im Gang erhält; sie beschäftigt 45 weibliche, 20 männliche Arbeiter und 7 Schnellpressen.

Zuletzt ist noch die im Range erste Druckerei Deutschlands zu erwähnen.

Die Preussische Staatsdruckerei und die Reichsdruckerei.

Seit dem 1. April 1879 ist das Reich im Besitz einer Reichsdruckerei, entstanden aus einer Verschmelzung der Deckerschen geheimen Oberhofbuchdruckerei mit der königlich preussischen Staatsdruckerei.

Kgl. Preuss. Staatsdruckerei.

Letztere, verhältnismässig junge Druckanstalt hatte sich einen sehr guten Ruf erworben. Früher wurden die preussischen Banknoten und Kassascheine, wie erwähnt, bei Ed. Hänel und auch in der Deckerschen Offizin ausgeführt. Eine Zentralisation der Regierungsarbeiten wurde jedoch als notwendig erachtet und durch Kabinettsordre vom 30. August 1851 die Königliche Staatsdruckerei für Anfertigung von Wertpapieren ins Leben gerufen. Nach Auflösung des Königlichen Lithographischen Instituts fiel der Staatsdruckerei auch die Herstellung der Generalstabskarten zu.

Reichsdruckerei.