Ed. Hänel * 1804, † 16. Aug. 1856.
Auf die Verdienste Ed. Hänels ist bereits oben (S. [281]) hingewiesen. Er war in Magdeburg geboren, wo sein Vater C. J. Hänel königl. Hofbuchdrucker war, hatte sich in England tüchtig ausgebildet und ging später nach Paris und Belgien. 1835 druckte er die preussischen Kassenanweisungen, zu welchem Zweck er eine Zweiganstalt in Berlin etablierte. Nachdem das Magdeburger Geschäft durch Feuer verheert worden war, zog er ganz nach Berlin und überliess seinem Bruder Albert das Magdeburger Etablissement. Das Berliner Geschäft, welches er 1852 an Carl David verkauft hatte, kam nach einigen Wandlungen 1864 in die festen Hände Wilh. Gronaus, der es im Hänelschen Geiste fortführt und namentlich der Schriftgiesserei seine Thätigkeit zuwendet.
J. Sittenfeld * 1801.
Carl Schultze * 30. Juli 1821.
Im Jahre 1835 kaufte Jul. Sittenfeld eine kleine Buchdruckerei, die er schnell in die Höhe brachte. Die Offizin war im Hebräischen besonders leistungsfähig; unter anderen druckte er den Talmud in acht Foliobänden. Der jetzige Besitzer (Dr. O. Löwenstein) hat das Geschäft bedeutend erweitert (15 Schp., 200 Arb.). Die Buchdruckerei von C. F. Amelang ging durch Kauf auf Carl Schultze über. Er richtete dieselbe besonders auf den Druck schwieriger wissenschaftlicher, namentlich orientalischer Schriften ein.
Der Zeitungsdruck.
Ein sehr bedeutender Teil der Druckkräfte Berlins wird durch das Zeitungsgeschäft in Anspruch genommen, indessen haben die einzelnen Blätter nicht solchen Umfang und Verbreitung, dass man dort Zeitungsdruckereien wie in England und Amerika aufweisen könnte, selbst Blätter von dem Umfang und dem Einfluss wie die „Kölnische Zeitung“ und die „Neue Freie Presse“ besitzt Berlin nicht. Im allgemeinen lassen Druck, Papier und Korrektheit der Zeitungen viel zu wünschen übrig. Das verbreitetste Blatt war 1880 das „Berliner Tageblatt“ mit 70000 Abnehmern. Diesem kamen am nächsten „Berliner Zeitung“, „Volkszeitung“, „Vossische Zeitung“ mit zwischen 20–30000 Exemplaren; dann folgten „Staatsbürger-Zeitung“, „Berliner Börsenzeitung“, „National-Zeitung“ in 15–20000 Auflage. Von Rotationsmaschinen besitzt Berlin 19. Die Zahl der Journale beträgt etwa 478, darunter 43 amtliche, 66 politische. Der Zeitungsdebit durch die Post bezifferte sich 1880 auf etwa 80 Millionen Nummern.
Zu den bedeutendsten Zeitungsdruckereien gehört die von Lessing („Vossische Zeitung“) mit 2 Rotations-, 4 Doppelmaschinen, nebst 5 Stereotyp-Apparaten; Ed. Krause (15 Schp. „Nationalzeitung“, „Bank- und Handelszeitung“, „Kladderadatsch“, „Wolffs Depeschen“ u. a.); Norddeutsche Buchdruckerei und Verlags-Anstalt (12 Schp. „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“, „Reichsanzeiger“ u. a.); R. Mosse (18 Schp. „Berliner Tageblatt“ etc.); Büxenstein (3 Rotm. und 21 Schp. „Börsen-Courier“, „Gerichtszeitung“, „Neue Volkszeitung“); Adam Wilh. Hayns Erben (9 Schp. „Berliner Intelligenzblatt“); die Buchdruckerei der „Berliner Börsenzeitung“ (10 Schp.).
Der Illustrationsdruck war bis jetzt nicht die starke Seite der Berliner Offizinen, doch dürfte bei dem Umstand, dass mehrere der grossen Berliner illustrierten Blätter in Leipzig gedruckt werden, neben dem guten Druck noch andere geschäftliche Verhältnisse mitreden. Die verbreitetsten sind: der von L. Schaefer gegründete „Bazar“, jetzt im Besitz einer Aktiengesellschaft; F. Lipperheides „Modenwelt“; „Das Berliner Modenblatt“, die „Illustrierte Frauenzeitung“. Von den politischen Witzblättern fand der „Kladderadatsch“ eine grosse Verbreitung.