J. F. Unger * 1753, † 26. Dezb. 1804.

Unter den älteren Buchdruckereien Berlins aus dieser Periode werden mit besonderer Achtung Unger Vater und Sohn genannt. Ersterer, Johann Georg Unger, bei Pirna geboren, kam 1740 als Drucker nach Berlin. Er etablierte sich hier als Formenschneider und starb als angesehener Künstler[226]. Der Sohn Johann Friedrich Unger erfreute sich ebenfalls eines guten Rufes als Formenschneider, erwarb 1780 eine Buchdruckerei und legte 1791 eine Schriftgiesserei an, namentlich um die Didotschen Schriften allgemein einzuführen, welche damals so sehr beliebt waren, dass die Fraktur Gefahr lief, von ihnen verdrängt zu werden (S. [283]). Später wendete sich jedoch Unger, wie früher Breitkopf, der Fraktur zu, suchte aber das Heil für diese auf einem Irrwege durch Annäherung ihrer Formen an die runde Antiqua. In dieser Weise schuf er die sogenannten Ungerschen Lettern und liess diese durch Joh. Chr. Gubitz, den er aus der Breitkopfschen Offizin in Leipzig engagiert hatte, schneiden, welche Schriften sich jedoch nicht einbürgern wollten[227]. Im Jahre 1800 wurde Unger zum Professor ernannt. Nach seinem Tode konnte die Witwe trotz all ihrer Tüchtigkeit und Arbeitsamkeit doch nicht das weitverzweigte Geschäft in dem bisherigen Schwung erhalten. Während der Drangsale der Kriegsjahre verfiel es nach und nach und gelangte 1821 zum grossen Teil in den Besitz von Trowitzsch & Sohn, die den grössten Kalenderverlag haben und mit der umfangreichen Buchdruckerei (9 Schp.) eine bedeutende Schriftgiesserei verbinden.

Gebr. Unger.

Mit der genannten Familie Unger stehen die Gründer der Firma Gebr. Unger in keiner verwandtschaftlichen Beziehung. Otto Ludwig Unger[228] und Jul. Ferd. Unger erwarben 1824 die von F. W. Maas gegründete Buchdruckerei. Der Sohn des Julius, Carl Joh. Friedr. Unger, ward 1856 Hofbuchdrucker. Die an orientalischen Schriften reiche Offizin lieferte viele vorzügliche Werkdrucke.

Die von Chr. S. Spener 1773 erworbene Buchdruckerei ging bei dessen Tod 1813 auf seinen Bruder J. K. Ph. Spener über, der mit derselben 1815 die, 1785 gegründete, vorzügliche Offizin von G. H. Wegner vereinigte. Wie erwähnt, führte er zugleich mit Decker die Schnellpresse in Berlin ein (S. [308]). 1826 gingen das Geschäft und die „Berlinischen Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen“ in den Besitz des Bibliothekars Dr. S. H. Spiker über.

G. A. Reimer * 27. Aug. 1776, † 26. April 1842.

G. A. Reimer aus Greifswalde war eine der Zierden des deutschen Buchhandels, ebenso bekannt durch seine patriotische Gesinnung als seine geschäftliche Tüchtigkeit. Im Jahre 1817 legte er eine Buchdruckerei für seinen eigenen Bedarf an. Zu seinem bedeutenden Verlag erwarb er noch die Weidmannsche Buchhandlung in Leipzig und gehörte somit sowohl Berlin als Leipzig C. Reimer † 29. Juli 1859.an. Der Weidmannsche Verlag ging 1830 auf den ältesten Sohn Carl Reimer über, der ihn, zuerst im Verein mit seinem Schwager Salomon Hirzel, dann allein fortsetzte. Im Jahre 1855 verlegte C. Reimer das Geschäft nach Berlin.

E. S. Mittler * 26. Jan. 1785.

E. S. Mittler aus Halle war einer der tüchtigsten und beliebtesten der deutschen Buchhändler. Im Jahre 1816 übernahm er, erst als Leiter, dann als Besitzer, die Buchdruckerei seines Schwiegervaters Wilhelm Dieterici und druckte seinen eigenen meist aus Militaria bestehenden Verlag. Im Jahre 1862 nahm er seinen Enkel Dr. Th. Töche als Teilnehmer auf, der nach Mittlers Tode das Geschäft mit aller Energie fortsetzt.

Die Druckerei der Akademie der Wissenschaften (jetzt unter Leitung von G. Vogt) ist an Umfang nicht bedeutend, jedoch reich an seltenen Schriften, mit welchen die Werke der Akademie gedruckt wurden, darunter Schotts chinesische Grammatik.