Œuvres de Frédéric le Grand.
Die Druckerei blieb nicht zurück, und lieferte Werke, die für alle Zeiten ihren Rang behaupten werden. Anlässlich der Gutenbergfeier 1840 wurde das Prachtwerk „Zwanzig alte Lieder von den Nibelungen“ herausgegeben von Prof. Carl Lachmann mit eigens dazu in Annäherung an die gothische Schrift geschnittenen Typen gedruckt. Eine wahre Zierde der deutschen Druckkunst und Xylographie ist die Jubelausgabe der Œuvres de Frédéric le Grand, 30 Bände Quart, durch welche die redaktionellen Fehler der ersten Ausgabe in gelungenster Weise gutgemacht wurden. Die Redaktion leitete auf Veranlassung des Königs Friedrich Wilhelm IV. Professor Preuss. Das Werk, mit den trefflichsten Holzschnitten von Unzelmann und den Brüdern Vogel nach den genialen Zeichnungen Menzels geschmückt, wurde in 200 Exemplaren gedruckt, die nur zum Verschenken bestimmt waren. Nichts wurde an Arbeit, Material und Kosten verabsäumt, um ein wahres Meisterwerk zu schaffen, welches, 1844 begonnen, erst nach dem Tode des königlichen Förderers 1860 vollendet wurde[224].
Das Neue Testament.
Das Krönungswerk.
Ein Druckwerk ersten Ranges ist ebenfalls das nur in 80 Exemplaren für die Londoner Ausstellung ausgeführte „Neue Testament“ nach Luther in gr. Folio mit bildlichem Schmuck von Cornelius und Kaulbach. Als eine „grosse“ Leistung in den verschiedenen Bedeutungen des Wortes ist die Krönung I. M. des Königs Wilhelm und der Königin Augusta am 18. Oktober 1861 zu nennen. Das Buch hat eine Höhe von 74 cm und eine Breite von 53 cm; aufgeschlagen bedeckt es eine Tischfläche von 7844 □cm. Die 135 Blätter des Buches sind einzeln gedruckt und auf Falz geklebt. Typographisch konnte das Werk nicht besser ausgeführt sein, als geschehen. Die edle Einfachheit verdient volles Lob. Von den genealogischen Tafeln misst die eine in der Länge 416 cm. Kopf- und Schlussvignetten sind dem einfachen Stil des Werkes angepasst. Das Buch hat eine besonders interessante Geschichte. Zweimal wurde der Druck durch Kriege unterbrochen und als es im Sommer 1872 erschien, konnte der Bericht über die Krönung des preussischen Königs Wilhelm dem deutschen Kaiser Wilhelm dediziert werden.
Lieder des Mirza Schaffy.
Rudolf von Deckers — denn er war anlässlich des hundertjährigen Bestehens des Hauses in den Adelsstand erhoben — letzte typographische That war die Jubelausgabe der „Lieder des Mirza Schaffy“, ein Prachtwerk, in welchem die Leistungen der Typographie und der Chromolithographie sich den Rang streitig machen.
Doch nicht nur die Prachtwerke, sondern jede auch die gewöhnlichste Arbeit wurde mit der grössten Sorgfalt behandelt. So waren das Coursbuch und nicht minder die demselben beigegebene typographisch ausgeführte Eisenbahnkarte, eine Arbeit des späteren Frankfurter Buchdruckers A. Mahlau, ganz vorzügliche Leistungen. Zu dem umfangreichen Geschäft erwarb R. Decker im Jahre 1852 noch die Papierfabrik Eichberg in Schlesien.
Wennauch das Verhältnis zu der Regierung dem Deckerschen Geschäft ausserordentliche Vorteile brachte, so lässt es sich andererseits nicht in Abrede stellen, dass die Reihe der Besitzer ernstlich bemüht war, ihre Anstalt auf eine Stufe, die einer solchen bevorzugten Stellung entsprach, zu bringen und auf einer solchen zu erhalten[225].
J. G. Unger * 26. Okt. 1715, † 15. Aug. 1788.