Die Notjahre Preussens.
Auch in Berlin sollten schwere Schläge nicht ausbleiben. Die fortwährende Ausdehnung des dortigen Geschäfts hatte den Erwerb eines schönen Grundstückes in der Wilhelmstrasse veranlasst. Die Notjahre Preussens konnten jedoch nicht spurlos an Decker vorübergehen. Keine Schwierigkeiten vermochten indessen seine Energie und Anstrengungen für die technischen Fortschritte in der Druckerei zu schwächen. So war er der erste in Berlin, der die grossen Erfindungen der Neuzeit, die Lithographie, die eiserne Presse, die Stereotypie einführte, mit seinem Schwager Spener der erste in Deutschland, der eine Schnellpresse erwarb. Die Freude, letztere in Gang zu sehen, als Lohn für seine dabei bewiesene Opferwilligkeit, war ihm nicht beschieden.
Tod G. Jacob II Deckers.
So überstand Decker rüstig und mutvoll kämpfend die schweren Jahre, obwohl er während der französischen Okkupation an 80000 Thaler Lasten und Verluste zu tragen hatte. Vom Jahre 1813 aber trat wieder eine so starke Beschäftigung ein, dass er sich für die gehabte Not reichlich entschädigt sah. Nach langen Leiden entschlief er am 26. August 1819.
Über acht Jahre lang wurde das Geschäft unter Vormundschaft vortrefflich weiter geleitet, bis am 31. Januar 1828 der jüngste Sohn Rudolf Ludwig nach erreichter Volljährigkeit mit dem älteren Bruder Carl Gustav (der älteste der Brüder war bereits gestorben) das Geschäft übernahm, welches nach dem bereits 1829 erfolgenden Tode Carl Gustavs dem Rudolf allein zufiel.
Rudolf Decker * 8. Jan. 1804, † 12. Jan. 1877.
Rudolf Decker war durch eine vorzügliche technische und wissenschaftliche Ausbildung auf das beste für seinen Beruf vorbereitet und widmete sich mit vollem Eifer demselben. Durch ihn erreichte der Ruf des Hauses seinen Höhepunkt.
Seine Aufmerksamkeit war namentlich der Schriftgiesserei gewidmet, in welcher er sich sowohl im väterlichen Hause, wie in der Schriftgiesserei Molé in Paris tüchtige Kenntnisse erworben hatte. Mit besonderer Vorliebe pflegte er die Fraktur (S. [285]). Die Bestrebungen der Schriftgiesserei fanden Ausdruck in der grossen für die erste Londoner Ausstellung 1851 angefertigten und später vervollständigten Schriftprobe. Die Akademie der Wissenschaften in Berlin übertrug Decker den Schnitt ihrer koptischen, arabischen, Sanskrit- und anderen orientalischen Schriften, die in fast allen Universitätsbuchdruckereien eingeführt wurden. Für diese Arbeiten wirkten die Schriftschneider Beyerhauss, J. Schilling, Wotze, Schultz, Krumwiede u. a.
Prachtwerke.