Bereits 1651 gab es zu Köln eine Zeitung, die als Stammmutter der jetzigen „Kölnischen Zeitung“ zu betrachten ist: die im Besitz von Franz Köntgen erscheinende „Postamts-Zeitung“, welcher er den Namen „Kölnische Zeitung“ gab. Sie wurde bei Schaubergs Erben gedruckt, eine Offizin, die von Gereon Arnold Schauberg bereits anfangs des XVIII. Jahrhunderts gegründet war[232].

Als Schauberg das Blatt von Köntgen erwarb, hatte es eine Auflage von 250 Exemplaren. Der frühere Besitzer erhielt eine Rente von monatlich zwei Kronenthalern; stiege die Zahl der Abonnenten auf 400, so sollte monatlich ein halber Thaler zugelegt werden.

Am 10. Juni 1805 gingen sowohl die Schaubergsche Offizin als die „Kölnische Zeitung“ auf Marcus Du Mont über, welcher sich in demselben Jahre mit Catharine Schauberg verheiratete. Köln schmachtete damals wie das ganze linke Rheinufer unter der Herrschaft Napoleons und da in jedem Departement nur ein Regierungsblatt geduldet wurde, so musste die „Kölnische Zeitung“ 1809 einfach zu erscheinen aufhören. Der Kaiser entschädigte jedoch den Verleger durch eine Jahresrente von 4000 Franken. 1814 ist das Jahr der Wiedergeburt des Blattes und 1822, wo der Zeitungsstempel in Preussen eingeführt wurde, hatte es bereits über 2000 Abonnenten. Die Ereignisse von 1830, 1848 und namentlich die Kriegsjahre 1866 und 1870 trugen wesentlich zur Hebung und Verbreitung des Journals bei. Riesig waren die Opfer, welche dasselbe durch Errichtung eigener Telegraphenlinien, und Entsendung eigener Korrespondenten brachte, allein diese Aussaat ist auf guten Boden gefallen, die „Kölnische Zeitung“ ist heute ein Weltblatt und druckt täglich eine Auflage von 30 bis 40 tausend Exemplaren.

Unter solchen Verhältnissen wurden die Lokalitäten mehrmals zu enge und im Jahre 1846 entstand mit einem Aufwande von über 300000 Mark in der Breitenstrasse ein höchst zweckmässiger Neubau, der am 26. September 1847 bezogen und im Jahre 1871 durch Neubauten vergrössert wurde. Das erste Telegramm der Zeitung erschien am 5. Oktober 1849. Am 1. Januar 1858 nahm sie das Format an, in welchem sie noch heute erscheint.

Am 1. Januar 1845 hatten bereits die Brüder Joseph und Michael Du Mont das Geschäft im alleinigen Besitz und zwar übernahm Michael die Buchhandlung, Joseph behielt die Zeitung. Leider starb dieser bereits am 3. März 1861 und hinterliess seiner Witwe und seinen vier Kindern sowie seinem treuen Freunde und Associé Wilhelm Ferdinand Schultze aus Magdeburg, welcher 1844 in das Geschäft getreten war, das umfangreiche Institut. Am 31. Juli 1874 erhielt sie ihre eigene Drahtleitung von Berlin, nachdem bereits früher der Telegraph in grossartiger Weise benutzt worden war. In den Prozessen Kullmann und Graf Arnim betrugen die Kosten für Telegramme 25000 M. und öfters wurden mehr als 20000 Worte hintereinander depeschiert. Eine Wochenausgabe der Zeitung hatte bereits im Jahre 1866 am 5. Oktober begonnen.

Nachdem die „Kölnische Zeitung“ mehrmals ihre Pressen durch neue verbesserter Konstruktion ersetzt hatte, wurden 1877 Rotationsmaschinen, und zwar von König & Bauer gebaute, angeschafft. Die drei vorhandenen Exemplare liefern stündlich je 16200 komplette Bogen. Als Motoren für diese und noch für 10 Schnellpressen dienen vier Gasmaschinen. 1880 betrug die Zahl der Angestellten 155, ausserdem waren 78 Knaben beschäftigt. Reich dotierte Kranken- und Unterstützungskassen sind mit der Offizin verbunden.

Kurz nach dem Tode Ludwigs, des ältesten Sohnes Josephs, starb am 30. November 1881 der mit den reichsten Gaben des Verstandes und des Herzens ausgerüstete W. F. Schultze, der ausserordentlich viel dazu beigetragen hat, dass die Zeitung heute eine so hohe Stufe einnimmt, dabei war er von einer so grossen Bescheidenheit, dass nicht einmal sein Name in der erwähnten aus seiner Feder stammenden Festschrift genannt wird.

Es ist begreiflich, dass kaum ein Reisender, der die Aufgabe der Presse zu würdigen versteht, bei einem Aufenthalt in Köln die Offizin der „Kölnischen Zeitung“ unbesucht lässt. So erschien eines Nachmittags im Herbst 1877 der Feldmarschall Graf Moltke. Rasch entwarf einer der Redacteure, Hermann Grieben, einige begrüssende Zeilen, die, in wenigen Minuten gesetzt und in der Presse abgezogen, dem berühmten Besucher überreicht wurden; sie mögen hier einen Platz finden:

Heil und Dank Dir, Schlachtenleiter, dass Du auch bei uns erschienst,
Und auch unsre wackren Streiter inspizierst in ihrem Dienst.
Ja die kleinen Bleisoldaten sind, verhunderttausendfacht,
Wohlgeführt und wohlberaten eine respektable Macht.
Täglich rückt ihr Kriegsgeschwader tapfer aus zum Geisterstreit,
Ihre grossen Hinterlader schiessen tausend Meilen weit. —
Sieh im Kasten hier die Letter! Einzeln ist sie nur ein Zwerg,
Doch im Chor ein Siegsgeschmetter: „Freiheit, Licht und Gutenberg“.

Fußnoten: