Münchener Unternehmungen.

Im Jahre 1815 ging Cotta im Auftrag mehrerer der geachtetsten Buchhändler Deutschlands nach Wien, um bei dem Kongress die Interessen des Buchhandels zu wahren. Eine seiner erfolgreichen Unternehmungen aus damaliger Zeit war Dinglers „Polytechnisches Journal“. Von seiner Liebe zur Kunst geleitet gründete er in München eine grossartige Anstalt für Kupferstecherei und Lithographie, verbunden mit einer Kunst- und Landkarten-Handlung. Dort erfolgte nun die Herausgabe vieler grösserer die Kunst fördernder Werke: Gaus' Prachtwerk über „Nubien“; Platners topographisches Werk über „Rom“, das jedoch nicht zur Vollendung gelangte; Bröndsteds „Reise in Griechenland“; die Werke von Moritz Retzsch, Eugen Neureuther, Weitbrecht u. a.

Johann Friedrich starb am 29. Dezember 1832. Seine Thätigkeit im Dienste des Vaterlandes und seine Vorzüge als Landwirt gehen über den Rahmen dieses Handbuches hinaus.

G. v. Cotta * 19. Juli 1796, † 1. Febr. 1863.

Sein Sohn Georg von Cotta fand ein zwar hochberühmtes, aber auch auf Grund der Vielseitigkeit der Unternehmungen stark belastetes Geschäft vor. Es gelang ihm aber durch seine grosse Energie, alle Schwierigkeiten zu beseitigen, dabei doch vollständig im Geiste des Vaters fortwirkend. Im Jahre 1839 erwarb er das Göschensche Geschäft in Leipzig, wodurch er so ziemlich der Alleinverleger der deutschen Klassiker wurde. Im Jahre 1845 kaufte er noch die Vogelsche Verlagshandlung in München und brachte die litterarisch-artistische Anstalt dort in lebhaften Schwung. Er veranstaltete zahlreiche neue Ausgaben der Klassiker. Gegen die Autoren war er äusserst liberal, weniger gegen den Sortimentshandel, auch wurde nicht immer die nötige Sorgfalt auf die Korrektheit und gute Ausstattung der Ausgaben verwendet. Unter den von ihm ins Leben gerufenen Zeitschriften hat die „Deutsche Vierteljahrsschrift“ besondere Bedeutung.

Cotta war, der politischen Gesinnung nach, ein ausgeprägter Grossdeutscher und in diesem Sinne wurde auch die „Augsburger Allgemeine“ geleitet, bis die Ereignisse auch dieser einen anderen Stempel aufdrückten (S. [398]). Im Jahre 1882 siedelte die Zeitung nach München über.

Änderungen im Geschäft.

Mit dem Tode Georg Cottas 1863 ging das Geschäft in den gemeinschaftlichen Besitz der Familie über. Die Firma Cotta war selbstverständlich diejenige, welche die grösste Einbusse durch den Bundesbeschluss: vom 6. November 1867 ab alle Privilegien zu gunsten des Schutzes der Schriften einzelner Autoren nicht zu erneuern, erlitt. Im Jahre 1869 wurde die Literar.-Artistische Anstalt in München verkauft.

1879 übergaben Cottas ihre Buchdruckerei für zehn Jahre in Pacht an Gebrüder Kröner. So ganz ausserordentlich gross die Verdienste der Firma um die Litteratur sind, so lässt es sich nicht leugnen, dass die Typographie nicht in derselben Weise von ihr begünstigt wurde. Erst in späterer Zeit schloss sich die Cottasche Druckerei den besten Deutschlands an und lieferte Prachtwerke von Bedeutung, z. B. Goethes Faust, illustriert von G. Seibertz; Reineke Fuchs in Goethes Übersetzung, illustriert von W. v. Kaulbach; Herders Cid, illustriert von E. Neureuther; die Jubelausgabe von Schillers Gedichten u. a.