Emporblühen Stuttgarts.

Unter diesen Verhältnissen gelang es einer bis 1750 in der Geschichte der Typographie kaum genannten Stadt, die noch tief in unser Jahrhundert herein hauptsächlich nur als Sitz der Cottaschen Verlagshandlung und des Nachdruckes in der graphischen Welt bekannt war, in der Zeit von knapp einem Menschenalter sich zum dritten typographisch-bibliopolischen Hauptplatz des Deutschen Reiches emporzuschwingen, und zwar hauptsächlich nur durch die Energie der Gewerbtreibenden selbst, verbunden mit Tüchtigkeit, kaufmännischer Klugheit und dem nötigen Mut „ins Zeug zu gehen“ gepaart.

Joh. Fr. Cotta * 27. April 1764, † 29. Dez. 1832.

Seinen ersten Ruhm verdankt Stuttgart, wie erwähnt, der Familie Cotta. Johann Friedrich Cotta, ein Urenkel des Begründers des Cottaschen Geschäfts in Tübingen (I, S. 134), Enkel des Kanzlers der Universität, war in Stuttgart geboren. Sein Vater hatte im österreichischen Reiterdienst gestanden und auch er fühlte Neigung für den Militärdienst und widmete sich namentlich dem Studium der Mathematik, ergriff jedoch als Brotstudium die Rechtswissenschaft und trat 1785 in Tübingen als Hofgerichtspraktikant ein. Die seinem Onkel gehörende Buchhandlung in Tübingen war in Verfall geraten und Johann Friedrich musste, um sie der Familie zu erhalten, sich entschliessen, die buchhändlerische Carrière zu ergreifen. Er trat am 1. Dezember 1787 unter unendlichen Sorgen und Mühen in Besitz des Tübinger Geschäfts und verband sich zuerst mit einem redlichen, aber für den Buchhandel nicht geeigneten Mann, Dr. Zahn. Dieses Geschäftsverhältnis wurde jedoch nach wenigen Jahren gelöst.

Cottas Verbindung mit Schiller und Goethe.

Bekannt ist Cotta namentlich durch sein intimes Verhältnis zu Goethe und Schiller, ein Verhältnis so schön, wie es zwischen Autor und Verleger nur gedacht werden kann. Cotta hatte den Plan zu einer deutschen Zeitung gefasst, die von Schiller redigiert werden sollte, jedoch Goethes Pläne führten zur Herausgabe der Horen (1795). Nun verständigte sich Cotta mit Dr. Posselt über die Herausgabe der Allgem. Zeitung.„Allgemeinen Weltkunde“, aus der dann die „Allgemeine Zeitung“ entstand. Posselt erkannte jedoch selbst, dass er sich zur Herausgabe einer Tageszeitung nicht eigne. Nach mehrmaligem Redactionswechsel wurde die Zeitung 1798 nach Augsburg verlegt und ging nunmehr gewöhnlich unter der Bezeichnung „die Augsburgerin“.

Übersiedelung nach Stuttgart.

Cotta siedelte 1810 nach Stuttgart über; der alte Adel wurde wieder aufgenommen und Cotta Freiherr von Cottendorf.

Thätigkeit Cottas.

Es gelang Cottas Thätigkeit, Umsicht und Liberalität, nach und nach alle deutschen Dichter von Bedeutung und viele andere hervorragende Schriftsteller an seinen Verlag zu fesseln. Für ein aufkommendes Talent wog der Umstand, sein Werk im Cottaschen Verlag erscheinen zu sehen, mehr als alle sonstigen Empfehlungen. Bezeichnend für Cotta und seine Handlungsweise sind seine Worte an Schiller: „Ich wünsche, Sie bestimmten das Honorar für die Sammlung Ihrer theatralischen Schriften. Sie werden dabei finden, dass Sie es mit einem Manne zu thun haben, der neben der Überzeugung, dass bei Schriftstellern, wie Sie, das Honorar nie ein Äquivalent für die Arbeit sein könne, und dass mithin ein Akkord nie die Verbindlichkeiten des Buchhändlers in einem solchen Falle erschöpfe, sobald der Erfolg ihm noch mehr zu thun erlaubt, auch Ihre Freundschaft zu schätzen weiss“.