Im Jahre 1879 nahmen Kröners die Cottasche Offizin mit 27 Schnellpressen auf zehn Jahre in Pacht. Nachdem die ehemalige Mäntlersche Buchdruckerei in das Cottasche Lokal übergesiedelt war, bietet sich das für den Typographen interessante Schauspiel zweier, nach verschiedenen Systemen eingerichteter und vollständig getrennt in einem Raum arbeitender Druckereien; doch wird wohl auch die Zeit kommen, wo diese beiden Druckereien wie die Preussische Staatsdruckerei und die Geheime Oberhofbuchdruckerei v. Deckers in eine „zusammengeschmolzen“ werden.
Beginn des illustrierten Druckes.
Doch die genannten Firmen sind nur einige der Anstalten, die dazu beigetragen haben, Stuttgarts Ruhm als Verlags- und Druckort zu begründen. Derselbe datiert von dem Ende der dreissiger und dem Beginn der vierziger Jahre. Als in Paris um diese Zeit die illustrierten Unternehmungen sich geradezu überstürzten, erwachte auch der Unternehmungsgeist in Stuttgart und die rührigen Verleger und Drucker dort fanden, ganz im Gegensatz zu den Verhältnissen in Leipzig, bereitwillige Unterstützung bei den dortigen Geldmännern. Unter denjenigen, welche die Mittel in Bewegung F. G. Franckh.zu setzen wussten, stand obenan F. G. Franckh. Unter der Firma „Verlag der Klassiker“ in Pforzheim, der 1839 in den Besitz von Dennig, Finck & Co. überging und nach Stuttgart übersiedelte, erschien eine Reihe von Unternehmungen, die hauptsächlich mit französischen Clichés illustriert wurden. Doch wagte man sich bald daran, Eigenes zu produzieren. So waren die Illustrationen zu „1001 Nacht“ deutsche Originale, dienten jedoch zur Ausschmückung einer französischen Ausgabe. J. Scheible brachte ein kleines „Universum“, C. Krabbe die Übersetzung von Swifts „Gullivers Reisen“ u. s. w.
Ed. Hallberger * 22. März 1822, † 29. Aug. 1880.
Derjenige, welcher die grössten und andauerndsten Erfolge in dieser Stuttgart charakterisierenden Richtung erringen sollte, war Eduard Hallberger, eine der bedeutendsten Erscheinungen des modernen Buchhandels und der neuen Typographie.
Hallberger trat zuerst in das väterliche Geschäft, gründete jedoch 1848 eine eigene Firma und übernahm 1850 die mit drei Schnellpressen arbeitende Buchdruckerei des Vaters. 1853 gründete er die Zeitschrift „Illustrierte Welt“; 1858 fasste er den Plan zu einem „Über Land und Meer.“grossen illustrierten Unterhaltungsblatt „Über Land und Meer“[234]. Hackländers Name als Redacteur war ein tüchtiges Zugmittel; 1862 wagte Hallberger den Sprung von acht Thalern auf vier Thaler Abonnementspreis und hiermit war sein Erfolg entschieden. Holzschnitte und Zeichnungen sind durchweg vortrefflich und haben einen grossen Einfluss auf die Xylographie in Stuttgart geübt.
Dorés Bibel.
Unter den Druckwerken Hallbergers nimmt die Heilige Schrift, illustriert von Gustav Doré, in zwei Ausgaben, für Lutheraner und Katholiken, einen hohen Platz ein. Sein Meisterstück ist jedoch „Ebers' Ägypten“.„Ägypten in Wort und Bild“ mit mehr als 700 Illustrationen und mit Text von Georg Ebers. Alles ist hier deutschen Ursprungs und bildet ein hervorragendes Monument der graphischen Künste Deutschlands im XIX. Jahrhundert. Würdig schliesst sich an dieses „Palästina“.an, wenn es dasselbe auch nicht ganz erreicht: „Palästina“, zu welchem Werk England einen Teil des künstlerischen Schmuckes lieferte. Auch die grossen Ausgaben von Shakespeare, Goethe und Schiller zusammen mit gegen 2400 Holzschnitt-Illustrationen sind bedeutende Erscheinungen, die von vielen geringeren Umfanges gefolgt wurden. Ein wichtiges Werk sind die „Klassiker der Musik“, herausgegeben von J. Moscheles. Der Romanverlag, dessen Perlen die ägyptischen Romane von G. Ebers sind, ist daneben ein sehr ausgedehnter.
Hallbergers Offizin.
Hallbergers Druckerei kann als eine Musteranstalt betrachtet werden. Früher wurden seine illustrierten Blätter auf Alauzetschen Komplettmaschinen vorzüglich gedruckt, jetzt verrichten drei Rotationsmaschinen der Augsburger Fabrik die Arbeit und Hallberger selbst hat wesentlichen Anteil an der glücklichen Durchführung der Aufgabe dieser Maschinen; ausserdem sind 27 Schnellpressen in Thätigkeit. Die Zahl der Arbeiter war etwa 400, dazu beschäftigt die Buchbinderei jetzt 24 Maschinen und etwa 400 Personen; grosse Papierfabriken gehören der Anstalt.