J. Albert.
Einen bedeutenden Namen erwarb sich gleichfalls Jos. Albert, besonders durch seine Lichtdrucke (Albertotypie) und seine Photographien in Farben. Als der eigentliche Erfinder des Lichtdruckes, der jedoch das Verfahren nicht zuerst praktisch in Anwendung brachte, gilt J. B. Obernetter. Die Arbeiten desselben stehen in hohem Ansehen, darunter die Facsimile-Ausgabe der „Meister von 1440–1694“; die „Kunstschätze aus dem bayrischen Nationalmuseum“ u. s. w. Ein Portrait des Kaisers wurde in einer Auflage von einer Million gedruckt. Auch Jul. Allgeyer und C. Bolhoevener zeichneten sich in ihrem photochemischen Verfahren aus. In neuester Die Autotypie.Zeit erregte die Autotypie des Ingenieurs G. Meisenbach Aufsehen. Ein Mangel bei der Zinkhochätzung war die Notwendigkeit, eine Vorlage in scharfen Linien oder mit lithographischem Korn versehen zu haben; eine getuschte Zeichnung, sowie eine Aufnahme nach der Natur oder einem Ölgemälde war nicht zu benutzen. Dem will die Autotypie abhelfen. Die Aufnahme des Bildes für die Hochätzung findet durch ein System von Linien statt, wodurch der notwendige Halt für die Reproduktion in Zinkographie geschaffen wird.
Fr. Bruckmann.
Die berühmte Bruckmannsche Kunstanstalt, jetzt eine Aktiengesellschaft, wurde 1865 gegründet. Im Jahre 1869 erwarb Friedr. Bruckmann das durch Patent geschützte Woodbury-Verfahren; 1875 nahm er den Lichtdruck auf; 1882 die Photogravüre, die sich namentlich zur Reproduktion von Ölgemälden eignet[238]. Bruckmann lieferte eine grosse Anzahl Galerien zu den vielen deutschen Dichtern und unter Zuhilfenahme der Xylographie grossartige Prachtwerke, z. B. Krelings „Faust“ und die „Geschichte der Hohenzollern“, die zu den bedeutendsten Erzeugnissen der neuen Zeit gehören.
Der Farbendruck.
Die Chromolithographie wird in ziemlichem Umfange in München betrieben. Bekannt sind die Anstalten von Gebr. Obpacher, Lehmann & Wentzel, W. Forndran, F. Gypen, Th. König, Mey & Widmayer, sie arbeiten hauptsächlich für das Papeteriegeschäft oder beschäftigen sich mit der Herstellung religiöser Bilder. Als Kunstverleger sind thätig A. Ackermann, F. Finsterlin, E. A. Fleischmann, G. Franz, P. Kaeser u. a.
Nürnberg.
Nürnberg erhielt in neuerer Zeit wieder eine erhöhte Bedeutung durch das Germanische Museum und seine Kunstgewerbeschule, welche beide direkt und indirekt, auch durch Ausstellungen, auf das graphische Gewerbe fördernd wirken. Die Stadt ist auch der Sitz verschiedener Fabrikationen, die mit den graphischen Gewerben in naher Verbindung stehen, z. B. Bronce, Farbe, Zeichenmaterial. Auch die Zahl der eigentlichen graphischen Anstalten ist noch eine bedeutende, namentlich für den lithographischen sowie für den Kupfer- und Stahldruck. Die Zahl der Buchdruckereien ist 26 mit 49 Schnellpressen, darunter G. B. J. Bieling (5 Schp.), U. E. Sebald (7 Schp.). Die älteste Druckerei ist die von W. Tümmel, seit Ende des XVI. Jahrhunderts bestehend, welche mit 2 Rotationsmaschinen den „Fränkischen Kurier“ druckt. Unter den 46 lithographischen und Kupferdruck-Anstalten, welche mit 79 Schnellpressen und gegen 300 Handpressen arbeiten, sind zu nennen: G. Brunner, hauptsächlich Phantasieartikel liefernd (15 Schp., 24 Hdp.); Karl Mayer für Farbendruck, Luxuspapier und Kupferdruck (5 Schp., 30 Hdp.); C. A. Pocher (16 Schp., 35 Hdp.); C. Schimpf (5 Schp., 18 Hdp.); Franz Schemm; H. Serz & Co.; J. G. Martin (4 Schp., 22 Hdp.); E. Nisler (12 Schp., 14 Hdp.). Man sieht aus diesen Angaben, dass der Export Nürnbergs immer noch ein bedeutender ist. In dem benachbarten Fürth arbeiten J. Hesse (5 Schp., 15 Hdp.) und G. Löwensohn (5 Schp., 5 Hdp.).
Regensburg. Fr. Pustet.
Regensburg ist berühmt durch die liturgischen Druck- und Verlagswerke von Fr. Pustet (17 Schp.) und J. G. Manz (9 Schp.). Einzelne mit Aquarellen geschmückte Bände erreichen einen Preis von 1000 fl. und mehr. Viele der Ausgaben sind mit vortrefflichen Miniaturen in xylographischem Farbendruck von Knöfler in Wien geschmückt. Von den Pustetschen Drucken seien erwähnt: das Missale in Gross-Folio von 1863; das Graduale in zwei mächtigen Folianten; die musica sacra des Kanonikus C. Proske, 6 Bände in Quart; das Missale Romanum mit Einfassungen und Illustrationen von Prof. Klein in Wien. Dass neben dem wirklich Schönen auch mancher Flitterstaat vorkommt, lässt sich bei Werken dieser Art J. G. Manz.kaum vermeiden. Manz wendet in seinem Verlag mehr den Stahlstich an, hat ausserdem noch einen bedeutenden katholisch-wissenschaftlichen Kempten.Verlag. In Kempten verfolgt Jos. Kösel ebenfalls den liturgischen Verlag, ohne sich mit dem Regensburger messen zu können. Dort wirkt auch Tob. Dannheimer.