In Ungarn steht die Buchdruckerei im allgemeinen nicht auf einem sehr hohen Standpunkte. Buda-Pest ist selbstverständlich der Sammelpunkt der bedeutendsten Offizinen. Im Jahre 1851 waren dort 8 Druckereien vorhanden mit 22 Schnellpressen; 1870 bereits 50 mit 140 Schnellpressen; 1882 48 Buchdruckereien und 23 lithographische Anstalten mit 130 Schnellpressen und 200 Tret- und Handpressen.
Staatsdruckerei.
Die Staatsdruckerei Ungarns besteht in ihrem jetzigen Umfange (16 Schp., 18 Hdp., 250 Arbeiter) erst seit der Trennung der Verwaltung Ungarns und Österreichs und befand sich früher in Temesvar als Filiale der Staatsdruckerei in Wien. Sie liefert sehr viele Accidenzarbeiten und Wertpapiere, die nicht auf der Höhe der Vollkommenheit stehen. Neben Gutem findet sich unter ihren Arbeiten manches Mittelgute. Die, unter ausgedehnter Anwendung der Galvanoplastik, gelieferten Kartenwerke haben einen grossen Umfang.
Druckereien in Buda-Pest.
Einen bedeutenden Aufschwung hat die Pester Buchdruckerei-Aktien-Gesellschaft, geleitet von Siegm. v. Falk, genommen; sie arbeitet in gedeihlicher Weise mit 15 Schnellpressen, 8 Handpressen und 200 Personen. Die Aktiengesellschaft Athenäum (12 Schp., 12 Giessm., 250 Arb.) druckt nicht weniger als zwanzig periodische Schriften. Die Offizin der Aktiengesellschaft Franklin-Verein (Rotm., 11 Schp., über 200 Arb.) hat sowohl als Werk- wie als Accidenzdruckerei einen guten Ruf. Im Jahre 1873 erwarb der Verein den bedeutenden Verlag von Gustav Heckenast, der einen wesentlichen Anteil an dem Aufblühen des Buchhandels in Ungarn gehabt hat. Er kam als Apotheker nach Pest, übernahm aber, als der dort etablierte Otto Wigand aus Göttingen auf Grund politischer Verhältnisse Ungarn schleunigst verlassen musste, dessen Geschäft und verband sich 1840 mit dem Buchdrucker Landerer. Mit seinen nationalen Verlagsunternehmungen hatte Heckenast viel Glück, namentlich mit dem von Kossuth redigierten Pesti Hirlap. Später gab er die illustrierte „Sonntags-Zeitung“ heraus.
Die von der Gesellschaft Hungaria 1869 gegründete, schön eingerichtete, Buchdruckerei (verbunden mit Verlagsgeschäft) druckt mit Rotationsmaschine das „Neue Pester Journal“ und das „Volksblatt“ und beschäftigt 170 Arbeiter. Das grosse Geschäft von Gebr. Légrádý liefert namentlich zahlreiche Jugendschriften, Victor Hornyánsky viele sehr gut gedruckte Bibeln in verschiedenen Sprachen. Ausserdem sind zu erwähnen die Universitäts-Buchdruckerei (7 Schp.) und die bedeutenden Zeitungsdruckereien: Khór & Wein, welche das „Illustrirte Tageblatt“ auf Augsburger Rotationsmaschine drucken, Ph. Wodianer, M. Deutsch (10 Schp.). Vortreffliche Arbeiten im kaufmännischen Accidenzfach gehen aus den Pressen der typo-lithographischen Anstalt von C. L. Posner (7 Schp., 11 Hdp.) hervor.
Mor. Ráth gab als Verleger zwar eine Reihe von vorzüglich ausgestatteten Prachtwerken heraus, da er jedoch die Mehrzahl in Wien drucken liess, so kann man aus denselben sich kein Bild der Leistungsfähigkeit der Pester Typographie machen.
Hervorragende Druckanstalten besitzt Transleithanien sonst nicht. In Agram befindet sich die wohleingerichtete Druckerei und lithographische Anstalt von C. Albrecht mit 6 Schnellpressen und die der Landesregierung gehörende Offizin des Narodne Noviny (4 Schp.). Gutes leisten in Raab Sandor Czéh; in Temesvar Gebr. Magyar; in Szegedin Burger & Co.; in Neusatz befindet sich die Druckerei des Serbischen National-Vereins. Das „okkupierte“ Bosnien hat eine nach neuestem Zuschnitt gut eingerichtete K. K. Landesbuchdruckerei in Serajewo.
Während in dem Jahre 1856 der österreichische Gesamtstaat (die italienischen Provinzen nicht mitgerechnet) kaum 200 Druckoffizinen aufwies, besassen die cis- und transleithanischen Länder 1882 in 372 Städten 756 Buchdruckereien, 345 lithographische Anstalten, 29 Schriftgiessereien und 1183 Buchhandlungen. Die Zahl der vorhandenen Schnellpressen betrug 1568, die der Hand- und Tretpressen 2250. Beschäftigung fanden gegen 15000 männliche, 3500 weibliche Arbeiter und 2000 Lehrlinge. 38 Gehülfen-Vereine hatten 4162 Mitglieder und, darin eingerechnet das Vermögen des Wiener Unterstützungs-Vereins von etwa 300000 Mark, ein Gesamtkapital von über einer Million Mark.