Der Freiheitskampf.

Als 1821 der Freiheitskampf der Griechen überall in Europa die grösste Teilnahme erweckte, und die Bildung der philhellenischen Vereine veranlasste, fassten letztere auch die Beschaffung einer griechischen Druckoffizin ins Auge. Firmin Ambroise Didot, ein eifriger Griechenfreund, schenkte Griechenland eine vollständige Druckerei-Einrichtung (S. [180]), die in Nauplia ihre Stätte fand. Missolunghi erhielt eine Offizin durch Lord Byron, und Lord Stanhope brachte eine solche nach Athen; ausserdem erhielten Korinth, Patras, Hydra, Chios und Aegina Pressen. Auf Aegina erschien während der Präsidentschaft des Grafen Capo d'Istria das Regierungsblatt „Ephemeriden“; auf Hydra „Der Freund des Gesetzes“, in Missolunghi die „Hellenische Chronik“, in Korinth die „Trompete von Hellas“.

Regierung König Ottos.

Als König Otto 1833 nach Griechenland kam, war der Zustand der Druckereien, zu denen inzwischen noch einige lithographische Anstalten gekommen waren, ein so kläglicher, dass es nicht einmal möglich war, die notwendigsten Regierungsarbeiten alle im Lande auszuführen. Unter den mit dem Könige angekommenen bayrischen Soldaten befanden sich 11 Buchdrucker, 7 Lithographen und 13 Papiermacher, die nun bessere Dienste leisten konnten, als die Muskete tragen; von G. Jacquet in München war auch noch eine Druckerei-Einrichtung gesandt worden. In Athen wurde das, noch 1870 dreimal wöchentlich erscheinende „Jahrhundert“ gegründet. „Der Erlöser“ erschien zweimal wöchentlich in italienischer und neugriechischer Sprache. 1834 gründete die Amerikanisch-Englische Gesellschaft zur Verbreitung religiöser Ansichten eine gut eingerichtete Buchdruckerei, die viele Schulbücher, an welchen Griechenland noch sehr arm war, lieferte[271].

Ein organisierter Buchhandel[271] existierte natürlich noch nicht. Auch hier waren es, wie an so manchen Orten, Deutsche, denen die Aufgabe zufiel, in diesen Ordnung zu bringen, in welcher Hinsicht der am 27. Juli 1882 verstorbene Buchhändler und deutsche Konsul Karl Wilberg durch seine seit 1827 bestehende, vortrefflich organisierte Buchhandlung sich besondere Verdienste erwarb. Die deutsche wissenschaftliche Litteratur hat Wilberg viel zu verdanken, denn er trug nicht allein zur Verbreitung ihrer Erzeugnisse ausserordentlich bei, sondern stand auch den in Griechenland reisenden Forschern mit Rat und That zur Seite.

Aufblühen der Presse.

Bis 1837 gab es kein Pressgesetz. 1843 wurde durch die Verfassung vollkommene Pressfreiheit garantiert, diese jedoch trotzdem 1850 sehr beschränkt, bis die Presse nach der Thronbesteigung König Georgs 1863 wieder ganz frei wurde. 1873 erschienen 152 Journale, davon 74 in Athen, und das litterarische Leben ist in raschem Aufblühen begriffen. Eine illustrierte griechische Zeitung Hesperos, herausgegeben von Dr. J. Pervanoglou, wird in Leipzig (bei W. Drugulin) gedruckt.

Bevor in Griechenland das Licht der Kultur, welches einst über dessen glückliche Gefilde so herrlich leuchtete, vollständig erlosch, um einer tiefen, wie es schien ewigen, Finsternis Platz zu machen, hatte es jedoch den „Barbaren“ seine unvergleichlichen Geisteswerke hinterlassen, die so vieles dazu beitrugen, bei letzteren die Aufklärung zu verbreiten und der Buchdruckerkunst den Weg zu ebnen.

Der „Barbar“ Gutenberg glich die Rechnung mit Griechenland aus, indem er ihm seine äusserlich unscheinbare, aber in ihren Wirkungen unvergängliche und unvergleichliche Erfindung als Entgelt brachte. Mit dieser erhielt Griechenland, wie jedes Land des Erdkreises, für immer die Gewähr, dass es nicht zum zweitenmal der geistigen Verkümmerung und Finsternis anheimfallen könne. Und so mögen die folgenden, dem Denkmal im Hofe „Zum Gutenberg“ entlehnten Zeilen hier statt eines Kolophons stehen.