Doch auch die Wundermaschinen Hoes gehören der Vergangenheit an und wurden durch die eigenen späteren Leistungen, zuerst aber durch die Rotationsmaschine für endloses Papier des Amerikaners Bullock in Schatten gestellt. Es wäre zwar anzunehmen gewesen, dass man bei der erreichten Arbeitsschnelligkeit Beruhigung gefasst habe. Jedoch weit gefehlt, denn man betrachtete das Geleistete nur als eine Abschlagszahlung. Die mit der Handhabung der grossen Schriftformen verbundene Gefahr war noch eine bedeutende und es gehörten immer noch zur Bedienung einer grossen Hoeschen Maschine 18 Personen. Die Arbeiterbewegungen hatten aber gezeigt, wie wünschenswert es sei, bei Unternehmungen, wo Viertelstunden entscheiden, von menschlicher Beihülfe oder Missgeschick der Arbeiter unabhängig zu sein. Die Aufmerksamkeit richtete sich deshalb auf möglichste Selbstthätigkeit der Maschine, die schliesslich in der „Endlosen“[47] in Verbindung mit der Segment-Papierstereotypie das Ideal erreichte. Zwanzig Minuten nach Fertigstellung der letzten Satzform einer Zeitung sind die segmentförmigen Stereotypplatten auf dem Satzcylinder befestigt. Mit einer Schnelligkeit, welche die Lieferung von 200 fertigen Nummern in der Minute ermöglicht, wird das endlose Papier von der Rolle abgewickelt, erst durch die Feuchtwalzen, dann zwischen die Satz- und Druckcylinder geführt, durch den Schneideapparat von der Rolle in einzelnen Bogen abgetrennt, dem Falzapparat übergeben und zum Versenden gefalzt; thatsächlich ohne eine weitere menschliche Beihülfe als die der Burschen, welche die zum Versand fertigen Haufen wegzuschaffen haben.

Bedenkt man nun, dass eine Endlose, wie sie in der Times-Offizin gebaut wird, in einer Stunde eine Papierlänge von zwei deutschen Meilen auf zwei Seiten druckt, faktisch also 4 Meilen Gedrucktes in der Stunde liefert, man demnach mit zwei solchen Maschinen und einem doppelten Exemplare von Stereotypen in wenigen Stunden 100000 Exemplare von einer grossen Zeitung beschaffen kann, so sollte man meinen, ein non plus ultra erreicht zu haben; doch selbst diese Schnelligkeit ist bereits übertroffen worden.

Ursprünge der Endlosen.

Wer zuerst eine mehr als allgemeine Idee der Endlosen gefasst hat, ist schwer zu sagen. Den Gedanken deutet schon der Erfinder der Schnellpresse selbst an. In England hat man früher die Priorität der Erfindung für die Firma Nelson & Sons in Edinburgh in Anspruch genommen, ein Modell ihrer projektierten Maschine befand sich auf der Londoner ersten Weltausstellung 1851. Auf der Caxton-Ausstellung 1877 waren jedoch Überreste eines Modells zu sehen, Rowland Hill * 3. Dezbr. 1795, † 27. Aug. 1879.welches der berühmte englische General-Postmeister Sir Rowland Hill 1835 hatte anfertigen lassen. Seine Maschine war darauf eingerichtet, dass keilförmige Typen oder gebogene Clichés auf einem Cylinder angebracht wurden und dass ein endloser Bogen zwischen den Schrift- und den Druckcylinder geführt wurde, wie bei den jetzigen Rotationsmaschinen. Die Maschine ward patentiert, in Chancery-Lane aufgestellt und von kompetenten Richtern sehr günstig beurteilt. Die Regierung gestattete jedoch nicht den Druck des damals noch bestehenden Stempels bei dem Durchgang des Bogens mit vorzunehmen, und die Sache unterblieb; ob allein aus diesem Grunde, wird wohl jetzt schwer zu entscheiden sein. Was die endlosen Pressen Auers betrifft, so verhielten sie sich zu den jetzigen wie chinesischer Tafeldruck zur Typographie Gutenbergs (vgl. Kap. [XIV]). Die Amerikaner behaupten, dass schon um das Jahr 1840 J. B. Wilkinson eine Endlose erfunden habe.

Will. Bullock * 1813, † 1867.

Auch wenn dies nicht wäre, gebührt jedenfalls doch einem Amerikaner William Bullock die Ehre, dem Gedanken zuerst eine praktische Lösung gegeben zu haben.

Derselbe war zu Greenville geboren. In Philadelphia lernte er als Eisengiesser und Maschinenbauer. 1849 gründete er dort eine Zeitung und baute 1853 für den eigenen Bedarf eine Holzpresse mit einem mechanischen Zubringer des Papiers. Schrittweise wurde er nun zu seiner Erfindung geführt, auf welche er am 14. April 1863 Patent erhielt. Seine Maschine ist in Amerika sehr geschätzt, hat aber in England keinen besonderen Beifall gefunden und ist auf dem Kontinent gar nicht eingeführt. Er verunglückte bei Prüfung einer seiner Maschinen.

Times-Presse.

Die eigentliche Aera der Endlosen datiert von der Erbauung der „Walter-Maschine“. Es war eine Wiederholung der Scene von 1814. Bereits lange zirkulierten mysteriöse Gerüchte von einer neuen Wundermaschine, die in der Times-Offizin gebaut werde. Aber es gelang niemand, durch den dichten Schleier zu dringen, mit welchem die Vorbereitungen bedeckt waren. Nicht einmal die ältesten Maschinenmeister oder die Vertrauensmänner im Geschäft bekamen Erlaubnis, den streng verschlossenen Raum zu betreten, in welchem das neue Wunder zusammengesetzt wurde, bis der Tag anbrach, an welchem es seine Pflicht zum erstenmal erfüllte. Der Constructeur war der erste Ingenieur der Offizin J. C. Macdonald, im Verein mit J. Calverley. Die Presse erhielt, dem Besitzer zu Ehren, den Namen „Walter-Presse“[48].